Sonntagszitat: Drachenbrüder

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Stories under the sea #1

Immer dienstags.

 

Ein Saal war braun. Wände und Sessel, selbst die Lampen an den Wänden gaben schummrig-braunes Licht ab. Der andere Saal, der kleinere, war rot. Die Sessel im roten Saal waren größer, man hatte richtige Beinfreiheit, es war fast gemütlich dort, wenn man statt den Film zu sehen, rum knutschen wollte. Meine Brüder behaupteten, der rote Saal wäre Abends das Porno-Kino. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, dass es in unserem Kaff Menschen geben sollte, die Abends ins Kino gingen um sich einen Sexfilm anzusehen. Gemeinsam. Wie seltsam.

Meine Eltern gingen selten ins Kino. Meine Mutter mochte Schnulzen, mein Vater schnarchte laut, sobald er eingeschlafen war, so blieben sie zuhause. Meine Mutter sah fern, der Vater schlief auf dem Sofa, sie stellte den Ton lauter. So ging das schon.

Mein Vater gab mir Sonntags immer ein Fünf-Mark-Stück. Das war ein großes Stück Geld, schwer in der Hand. Mit zwei davon konnte man auf dem Rummel noch viel erleben, mit einem, am Sonntagmittag einen Film schauen.  Er legte mir dieses Stück Freiheit immer feierlich auf den Handteller, genau in die Mitte, zwinkerte mir zu und sagte: Viel Spaß.

Ich brauchte kein Popcorn, keine Fanta, kein Eis. Nur mein Fahrrad und fünf Mark.

Und dann klackte ich der alten Frau hinter der Scheibe mein Geld auf den Tisch. Sie kannte mich, ich sah sie nie lächeln.

Die alten Schaukästen gibt es noch, in denen die Filmposter angepinnt waren. Den Schriftzug über den Schautafeln gibt es auch noch, Rex und Roxy, aber sie leuchten schon viele Jahre nicht mehr, wenn es Dunkel wird. Ich habe gesehen, wie die Besitzer die Bespannung von den Wänden gerissen und die alten Kinosessel zum Sperrmüll an die Straße gestellt haben. Die beiden Räume sind nun Lagerhallen, ganz gewöhnlich. Ich traute mich nicht, einen der Sessel zu nehmen – was hätte ich auch anfangen sollen, mit einem alten rot-abgewetzen Porno-Sessel, der seine besten Tage schon hinter sich hatte, als ich noch ein Kind war.

Ich wünschte, ich hätte ein einziges Fünf-Mark-Stück behalten, nur wegen dem Geräusch, dass es auf einer Tischplatte macht.

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20.000 stories under the sea

© Carolin Hafen – Stories under the sea / Aquarell

 

In irgendeinem Film, frag mich jetzt bitte nicht in welchem, sah ich in einem Klassenzimmer an der Wand den Ausspruch „20.000 Stories under the sea“ und es haute voll rein. Das passiert mir manchmal, vielleicht kennst du das auch. Ich sehe/lese/höre etwas, und es trifft mich. Ich kann nicht mal genau sagen ob es ein Nerv ist oder ein Ton… dieses Mal war es etwas in mir, tief unter Wasser. Du weißt schon, der Teil des Unbewussten, den man nicht genau sehen kann. Das Bild passt zu mir, es drückt etwas aus, für das ich keine Worte habe, aber dringend welche brauche.

Auf meinem Computer gibt es einen Ordner, der heißt Zettelkasten. Darin befinden sich hunderte Textfragmente, die nirgends hinpassen. Manchmal ist es nur ein Satz, der mir einfiel, den ich schön finde und der ganz allein dasteht, weil nichts davor oder dahinter muss. In anderen Fällen sind es Postkarten aus Wörtern, eine halbe Seite, ein Schnappschuss. Und ich weiß, diese Postkarten-Prosa wird nie in einem Roman unterkommen, keine get shorties Geschichte werden, und auch sonst kein richtiges Zuhause finden. Sie ist einfach da. Aus mir heraus entstanden, ohne Bezug.

Aktuell habe ich oft das Gefühl, auch nirgends hin zu passen, daher plagt es mich wohl, dass ich Schätze* habe (Erinnerst du dich an den Film Hook? An Tootles und seine Murmeln? *Alle meine wunderbaren Gedanken) die da ungesehen ein Leben in meinem Zettelkasten verbringen, darauf wartend irgendwann gelöscht zu werden. Ich habe nämlich auch einen Ordner mit dem Namen Ideenfriedhof. Hier klicke ich alles hinein, was tot ist. Also Ideen, die bei mir keinen Nerv mehr treffen, keinen Ton erzeugen, nicht mehr reinhauen. Dann verabschiede ich mich feierlich: Schön, dass du da warst, aber jetzt sage ich Adieu.

Und nun? Ich habe meinen Blog vernachlässigt. Ich lese aktuell wenig, ich habe keine Lust Buchrezensionen zu schreiben. (Meine Lese-Challenge 2017 mache ich aber noch.) Ich konsumiere unheimlich viel Zeug bei Netflix, aber auch dazu schreibe ich nichts – mir fehlt das Bedürfnis dazu. Wenn, dann müsste ich schimpfen, über Sachen wie Riverdale – ich habe noch selten so einen klischeebehafteten, unlogischen Blödsinn gesehen. Es regt mich auf. Warum genau schaue ich das? Oh… Moment. Hirnlose Berieselung, das war es. Jedenfalls.

 

 

Ich möchte den Zettelkasten öffnen, ein paar Schnipsel herauslassen um zu sehen was passiert. Ich hoffe, es geht mir dann besser, ich hoffe ich finde wieder einen Zugang zu meiner eigenen Wörterwelt, weil ein paar der Schätze* herausdürfen, fliegen dürfen wie die Flugschirmchen eines Löwenzahn. Auch ein Bild, dass ich sehr mag. 2017 ist in seiner Gesamtheit ein ziemliches Arschloch (aus Gründen) und das Resultat sind viele Mauern, viele Grenzen. Im Kopf, im Herz, im Leben. Und bis meine Wörter wieder die Leichtigkeit von Flugschirmchen haben, dümple ich eben ein bisschen in meinen eigenen Untiefen.

Morgen geht es los.

 

~Caro

 

 

 

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Lovelybooks Leserpreis 2017

Drüben bei Lovelybooks wird wieder der Leserpreis ausgelost. Dieses Jahr ist mein dritter Roman, #Drachenfrieden erschienen und ich würde mich unheimlich freuen, wenn Du mir in der Kategorie Fantasy deine Stimme geben würdest.
*knicks*
~Caro

 

 

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Im Blauen Haus

 

 

Am 4. November war die get shorties Lesebühne im Blauen Haus in Böblingen zu Gast. Mit dabei waren Ingo Klopfer, Volker Schwarz, Rainer Bauck und Jörg Kaier alias Rock’n’Roll Diktator. Mehr Fotos gibt´s drüben bei Facebook. Kennst du schon unsere Seite?

 

Links-Liste:

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Richtig tanzen

Am 28. Oktober 2017 waren wir im Café Provinz zu Gast. Heimspiel! Hier hatte Rainer Baucks neues Kurzgeschichtentaschenbuch „Richtig tanzen“ endlich Premiere. Zudem ist unser neues Taschenbuch #16 erschienen. „eigentlich hätten wir glücklich werden können“. Werdet IHR glücklich mit zwei neuen Büchern aus der get shorties Edition. Erhältlich bei unseren Lesungen und direkt beim Verlag. Mit dabei waren an diesem denkwürdigen Abend: Ingo Klopfer, Volker Schwarz, Marcus Sauermann, Dorothea Böhme und Carolin Hafen. Musik machte Nicolai Köppel.

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Second Life Lesung: Drachenfrieden

Wie toll ist das denn? Hier gibt es einen kompletten Mitschnitt meiner Second-Life-Lesung vom Sonntag. Es ist ein bisschen seltsam mein eigenes Geschwurbel zu hören, aber ich freu mich wie Bolle.

~Caro

 

 

 

Am Sonntag, 08.10.17, stellte uns Carolin M. Hafen ihren dritten Band der Fantasysaga Das Drachenvolk von Leotrim vor. Eine spannende Lesung war`s und es hat uns viel Spaß gemacht zuzuhören. Vielen Dank für diesen unterhaltsamen Abend, Carolin! Es filmte Alexa Lazai. Bühnenbildnerinnen waren Winda Hiemstra, ClaireDiLuna Chevalier und Samiraa Adderstein.

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 31

Tag 31: Wie geht es weiter? Was sind deine Schreibziele für den Rest des Jahres?

 

Pläne. Das ist ja eine putzige Sache. Erzähl dem Universum, was du vorhast, und es wir dir einen Strich durch die Rechnung machen. Ich bin ein Listen-Mensch, das bedeutet, ich schreibe in allen Lebenslagen auf, was ich wann tun möchte, oder getan habe, oder niemalsnicht tun will. Ich hab sogar eine Liste, die all meine Listen beinhaltet, Konsequenz ist mir wichtig. Das Problem ist, dass ich mir immer mehr auflade, als ich leisten kann. Oder will. Wie so ein dummes Kamel, dass vor lauter Last nicht los laufen kann, und einfach erschöpft in der Wüste liegen bleibt, was soll der Terz, hier ist es doch hübsch… Muss das alles, wirklich!?

Erschwerend kommt hinzu, dass ich wahnsinnig phlegmatisch bin, und den lieben langen Tag nur auf der Nase liegen möchte… wenn da nicht dauernd jemand was von mir wollen würde. Ich befinde mich gerade in einem Prozess, der ist noch nicht abgeschlossen. Meine To-Do-Liste ist lang und umfangreich, aber am Ende der Kraft ist noch so viel Tag übrig. Menno.

Also muss ich Abstriche machen: Das wichtige Zeug: Ja. Das unwichtige Zeug: Nö.

Die Kunst ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Ich neige dazu, mir die To-Do-Liste picke packe voll zu laden, und dann die leichten, unwichtigen Dinge zuerst zu erledigen, um dann theatralisch zu sagen: „Ich hab ja gar keine Zeit für die wichtigen Dinge, ich armes Ding. Tja, dann bleibt´s halt unerledigt.“

Selbstmitleid, auch so eine putzige Sache. Eins meiner vielen Talente. 😉

Ich möchte also, für den Rest des Jahres, den unwichtigen Kram beiseite legen, nur Sachen machen, auf die ich wirklich Bock habe, und die ich auch schaffen kann. Das bedeutet: Realistische Ziele setzten. Das übe ich derweil. Ich sage dir am Ende des Jahres, wie es gelaufen ist.

 

Der Masterplan:

  1. Realistisches Ziel setzten (ProjektLondon)
  2. Unwichtiges sein lassen (zu viel Internet/Ablenkung/Zeitfresser/Offline Scheißdreck, den ich nicht weiter ausführe)
  3. Dinge tun, die gut für mich sind. (Was ist gut? – ernstes Gespräch mit  Schwester Innerlich!)
  4. — Jetzt lass gut sein, das ist genug.
  5. Huch. Gewohnheit, sorry.

~Caro

 

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Masterplan 2:

  • Alle Listen abarbeiten
  • Literarische Weltherrschaft an mich reißen (Muhahahahah)
  • Opus Magnum schreiben (ich vermute, damit werde ich nicht reich, schade.)
  • Im Lotto gewinnen
  • Haus am Meer kaufen
  • In Rente gehen
  • 25 Tage andauerndes Nickerchen machen
  • Kuchen essen (Viel. Marmorkuchen oder Marzipan-Kirsch)
  • Diät.  Nö. Es gibt Särge in Übergröße.

 

Marzipan-Kirsch-Torte