Rache ist eine Speise, die man kalt genießt

Rache ist eine Speise, die man kalt genießt [Gebundene Ausgabe]

Katharina Maier

 

Fazit;

Ich habe ziemlich lange für dieses Buch gebraucht, aber es hat sich gelohnt! Ich lese hin und wieder mal ein Sachbuch, selten war eins so spannend wie dieses. Warum habe ich dann über drei Wochen geraucht? Weil ich zwischen den einzelnen Kapiteln immer eine Pause eingelegt habe, um die Informationen sacken zu lassen.

Das Buch ist spannend und fesselnd geschrieben, man kann es sicher auch in einem Rutsch lesen. Da ich aber einige der Bücher, die hier besprochen wurden, gelesen habe und bisher eine andere Sichtweise darauf hatte, musste ich erst mal ausgiebig darüber nachdenken.

Beim Thema Rache dachte ich als erstes an „Der Graf von Monte Christo“, oder diverse Actionfilme, in denen der Hauptfigur oder dessen Familie etwas Schlimmes zustößt, und der Held zum Anti-Held wird, weil er grausame Rache nimmt.

Die Autorin nimmt mich an der Stelle mit: Was ist Rache, wie entsteht sie und was passiert mit dem Menschen, der Rache ausübt? Allein das erste Kapitel war für mich hoch interessant. Eigentlich dachte ich, das Thema Rache würde mich gar nicht betreffen, aber schon wenn ich mir die Nachrichten ansehe, trifft diese Annahme nicht zu. Jemand begeht ein Verbrechen, er wird von der Polizei geschnappt, vor Gericht gestellt, er wird verurteilt und sofort habe ich ein Empfinden von: Die Strafe ist gerecht, oder sehr oft: Was? Nur zwei Jahre für das was er getan hat?

Die Evolution von Recht und Gerechtigkeit

Die alltäglichen kleinen Dramen und Zornesausbrüche, wenn man dem Kollegen im Büro gerne mal den Hals umdrehen möchte für seine dummen Kommentare, nehme ich schon gar nicht mehr wahr als das was es ist: Rachegelüste. – Wie wurde, im Laufe der Zeit, aus einer persönlichen Rache eine Strafe? Strafe durch einen König, einen Staat?

Urverbrechen; Kain und Abel

Ich habe die Bibel gelesen, mir aber nie Gedanken über das Thema Rache in der Bibel gemacht. Selbst jemand, der die Bibel nicht gelesen hat, kennt den Ausspruch:

Aug´ um Aug´

Zahn um Zahn

Leben für Leben.

In der Bibel ist Gott derjenige, der rächt. Wer selbst rächt, macht sich zu Gott. Gott verlangt also, rächt euch nicht, haltet die andere Wange hin. Ich wäre nie auf die Idee gekommen „Aug um Aug“ als fair zu bezeichnen. Gleiches mit Gleichem – nicht mehr! Die Autorin erklärt eindrücklich an vielen Beispielen, wie die Rache ausartet, wie der Rächer zum Täter wird, die Kontrolle verliert und völlig überzieht. Also etwas völlig anderes geschieht als „Aug um Aug“. Während des Lesens habe ich viele neue Ansichten gewonnen – sprichwörtlich über den Tellerrand geblickt, und Geschichten, die ich schon kenne von einer anderen Seite betrachtet.

Die Gesellschaft hat die Pflicht dem Einzelnen die Verantwortung der Rache abzunehmen.

Die Autorin nimmt mich als Leserin, chronologisch, auf eine Reise durch die Rachegeschichten der Menschheit mit. Sie fasst jeweils die Geschichte zusammen und analysiert anschließend den Kontext in dem die Geschichte steht – also Gesellschaft, Rechtsstaat, z. B. Rache als Mittel der Widerherstellung der eigenen Ehre in einem Duell.

Geschichten wie beispielsweise die Illias oder Beowulf habe ich noch nicht gelesen, bekomme aber Lust darauf, mit dem nun gewonnenen Hintergrundwissen. Meine Lieblingsstücke von Shakespeare, Hamlet oder Der Kaufmann von Venedig werde ich wohl auch nochmals lesen…

Noch einen Eindruck habe ich während der Lektüre gewonnen; Während ich bisher dachte, die Filme die wir im Fernsehen und Kino zu Gesicht bekommen, werden immer brutaler; in unserer aufgeklärten Zeit verrohen wir immer mehr. Wenn ich dann aber von Katharina Maier erfahre, wie es in dem Stück Titus Andronicus zugeht, meine ich, dass diese Gewalt keine Erscheinung unserer Zeit ist.

Das Verlangen, Rache für tatsächliche oder eingebildete Verletzungen zu üben, liegt uns Menschen höchstwahrscheinlich in den Genen.“

  • Gebundene Ausgabe: 287 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3865392428
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