Harry Rowohlt Lesung

War das ein cooler Abend!

Ich war ein paar Minuten eher da, meine Begleitung musste noch eine rauchen. Also standen wir vor der Stadthalle in der Kälte und ich erzähle ihr noch fröhlich, dass Harry Rowohlt in der Lindenstraße mitspielt, und dass die Leute ihn dann gerne mit „Der Penner!“ ansprechen und wirklich glauben er wäre obdachlos. „Ich kauf dir einen Mantel!“ – solche Angebote bekommt er wohl. Die ganze Zeit über kapierte ich gar nicht, dass er neben uns steht. Als ich ihn dann erkannte, wurde ich plötzlich ganz ehrfürchtig. Traute mich gar nicht hinzusehen oder ihn anzusprechen, er könnte mich ja fressen. Wuuaaaah!

Ich bin eigentlich nicht schüchtern, aber wenn ich dann jemanden in echt, im realen Leben, in Natura sehe, jemanden, der mir emotional viel bedeutet, aufgrund der Bücher/Filme aus denen ich diesen Menschen kenne, dann passiert irgendwas in meinem Hirn. *Out of Order Modus*

Aus dem Respekt und der Bewunderung wird plötzlich ein neandertalisches „Uff!“, weil aus den kleinen, kleinen Menschen die in meinem Fernseher wohnen, plötzlich reale Menschen werden, die vor ihrem Auftritt noch eine rauchen, noch aufs Klo müssen, weil sie so schrecklich normal sind und sich nicht aufführen wie der Kaiser von China. Was soll man, wenn man das begreift, auch anderes sagen außer Uff? Er grinst also und ich verkrümle mich in die Halle. Ojeoje.

Zielstrebig ging ich zum Büchertisch, meine Begleitung holt sich eine Cola; jeder hat seine Prioritäten, nä. Am Büchertisch erfuhr ich, dass HR in der Pause signiert – also kaufte ich mir ein Buch;

Nicht weggeschmissene Briefe 2 – damit ich was zum signieren habe.

HR saß schon auf seinem Platz bevor alle Zuschauer da waren und selbst auf ihren vier Buchstaben hockten. Die Veranstaltung war ausverkauft, eh klar bei Harry Rowohlt.

In der „Anschleimphase“ fragte er doch tatsächlich nach seiner Lesepatin; Moi! Ob ich da sei. Ja, ich bin. Er meinte dann ganz nüchtern, wie er das so macht, er hätte meinen Brief vor zehn Minuten gelesen und seine Tränen der Rührung seien inzwischen getrocknet.

Sehr cool.

Er machte sein Programm, war sympathisch brummig, unterhaltsam und hatte sein Publikum im Griff. So was beeindruckt mich ja sehr, wenn jemand a) gut lesen kann und b) gut erzählen kann und c) die Liebe zum Detail besitzt. HR trat ganz unaufgeregt auf, routiniert, aber mit Leidenschaft. Da merkt man einfach, wie sehr er mag, was er tut. Immer wieder unterbrach er sich selbst mit Ach so; um noch eine Anekdote zu erzählen und noch eine. Als wär es das erste Mal.

In der Pause bin ich zu ihm hin – ob ich eine Lesepaten-Widmung bekomme? Ja, sicher. 

Im ersten Teil des Abends las er aus „Sie sind ein schrecklicher Mensch, Mr. Gum“, im zweiten Teil einige DIE ZEIT-Kolumnen, zum Schluss noch ein paar Kindergedichte, leider hab ich den Titel des Buches nicht mitbekommen. Nach drei Stunden Unterhaltung und ablachen, bin ich ausgehungert zum MäcDoof. Das gehört so, nach so einem Abend.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s