Shane Koyczan: „Bis heute“ … für die Schikanierten und Schönen

Liebes Universum,

es gibt so Tage, da verstehe ich dich nicht, und die Menschen innen drin. Neulich sah ich ein Video; Julia Engelmann dachte laut über 2013 nach. Und jetzt belegt man diese Gedanken mit „übertriebener Hype“ und „durchschnitt“ und allerlei anderem.

(Ein Video kann mein Leben nicht ändern. Die pure Annahme ist ziemlich naiv. Ich konsumiere passiv am Bildschirm und ihre Intension war sicher nicht, MEIN Leben ändern zu wollen. Unterhaltung ist hier das Stichwort.)

Wer macht denn den Hype? Eine namenlose Masse, die Medien, die Menschen, die das dann gut finden oder auch nicht. Es ist ganz gleich. Weil ich sitze hier, auf dieser Seite des Bildschirms, allein, und sehe, und höre, und fühle. Und manchmal, da habe ich keine Worte dafür. Ich kann etwas schönes sehen, ohne zu wissen, warum es schön ist, als wäre das wichtig. Das Warum.

Mein Lieblings-Künstler ist Kandinsky. Warum? Ich weiß es nicht. Vor ein paar Jahren fuhr ich extra nach München um mir die Ausstellung anzusehen, es zog mich da hin, und ich ergab mich dem. Und dann stand ich da, mit einer Freundin, und wünschte mir, all die Leute wären still. Der Sitzplatz vor dem Gemälde wäre leer. Um mich herum wäre Ruhe und in mir drin auch.  Ich brauche keine Worte. Ich war erstaunt wie groß die Bilder waren, und stellte mir vor, wie Kandinsky auf einer Leiter stand um das zu schaffen. Und ich stellte mir vor, wie das Bild über meinem Bett an der Decke hing, in meinem Schlafzimmer. Ich stellte mir vor, wie ich Sonntagmorgens aufwachen würde, von selbst und die Sonne in mein Zimmer gucken würde, wie ein Zaungast, und ich zufrieden unter meinem Kandinsky liegen würde, der größer ist als ich, als mein Bett, mein kleines Leben. Ich hab keine Worte dafür.

Meine Freundin sagte, was viele sagen, in so einem Moment: „Meinst du, uns würde jemand so viel Geld bezahlen, für die paar Kringel?“. Ich habe nicht geantwortet. Sie kann nämlich keine Kringel malen.

Manchmal, da passiert es, dass jemand so einen Moment beschreibt. Mit Leidenschaft und den richtigen Worten, und dann liege ich hier und denke: Ja genau.

Mir ist der Hype egal. Ich finde es nach wie vor gut. Und gucke weiter Videos auf YouTube, und freue mich, wenn ich ein Lebensgefühl entdecke, und merke; damit bin ich nicht allein.

~Caro

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7 Kommentare

  1. Ich habe das heute auch verfolgt , in der Presse und auf den verschiedenen sozialen Plattformen, gestern noch Hui heute schon Pfui , von einer ollen Kamelle sprachen einige, talentfrei , durchschnittlich , Ja UND ? Das ändert meine Meinung doch nicht, das ist wieder einmal dieser elende Mechanismus , da wird etwas kleingeredet und zerstückelt von Leuten die nicht annähernd das Talent besitzen so etwas überhaupt annähernd gleichzutun. Die würden auch den Massendrang verspüren Kandinsky kleinzureden, wenn er nicht so groß wäre , und nicht nur weil er so große Kunstwerke geschaffen hat. Vergiss es! Ich habe zufällig auch etwas gefunden , auch eine olle Kamelle
    http://dinnerfornoone.wordpress.com/2014/01/19/day-in-day-out-tagein-tagaus/

    1. Oh, der gute David! Klasse, immer wieder gut.

      Ja, mich nervt es auch gerade – die einen, die meinen so ein Video könnte ein Leben verändern. Und die anderen, die meinen „Scheiß Text.“ Ich könnte sowas nicht schreiben, aber dafür neidlos anerkennen, dass sie einen tollen Auftritt hingelegt hat. Ich war gut unterhalten. Und was will ich denn mehr?
      Ich seh es so: Kaum alle drei Millionen, die das das Video angeschaut haben, kannten vorher Julia Engelmann noch den Begriff Poetry Slam. (In meinem Umfeld müsste ich das sehr oft erklären, und die wissen alle, dass ich schreibe). Wenn nur ein kleiner Teil hergeht, und weitere Videos klickt, weitere Slamer entdeckt und sich nur fünf Minuten mit Spoken Word Performances beschäftigt, denn mit Katzencontent und Pornos, dann ist doch schon enorm was gewonnen. Und verändert.

  2. Also bist du der Meinung, Kritik ist verboten? Weil die junge Dame so Feldmäuschen-haft niedlich aussieht, wie sie nervös die Patschehändchen reibt und am Mikro rumfummelt, während sie im Stakkato Sätze sagt, die gern Poesie wären, aber doch bloß Selbstfindung sind? „Frühlingsdepression, schleichende Korrosion, jeden Tag Senseo für die Kickration!“ Ich will ich sein in meinem Bio-Universum / individueller Konformismus für jedermann / mit schwitzigen Patschehändchen erfühle ich meine Plastikwelt / ich bin ein Held, denn ich esse keine Tiere, weil die tun mir leid / und ohne Neid erkenne ich: ich bekenne mich zu den Oberflächen: Hury Patter, immer platter, Yoga hier, Yoga da, Tofusteak, tatütata, Selbstverwirklichung in Worten, hier und da an geheimen Orten, überfordert, ungebraucht, in Esoterik abgetaucht…
    Sorry 😉 Ist das Poesie? Ja. Pilcher-artige Wohlfühlpoesie? Ja natürlich! Wird man diesen Text in 100 Jahren noch wie ein Rilke-Gedicht genießen, betrachten, durchdenken, wie einen Kandinsky studieren, sich in Farben und Strukturen verlieren? Sicher nicht! Es ist, was es ist. Hype hatte noch nie etwas mit Qualität, sondern stets mit Gfühligkeit zu tun.

    1. Kritik ist nicht verboten. Sollte sie auch niemals sein. Aber ich bin der Meinung man sollte die Kirche im Dorf lassen. Es ist weder nötig aus dem Text mehr zu machen als er ist, noch ihn derartig nieder zu machen wie geschehen. Weniger Aufgeregtheit – bei egal welchem Thema – wäre schön. IMAO.

      1. Na ja, wenn jemand ein solches Video betitelt mit „Das hier wird dein Leben verändern“ und das wird fleißig geteilt, und ruft große Enttäuschung hervor, wie du sagst, weil es nichts verändert sondern nur ein Gefühl beschreibt, wie soll dann die Aufregung ausbleiben? Die Aufregung hat vielerlei Gründe. Ich persönlich finde es eben kleingeistig, irgendwas zu konsumieren und zu meinen, das macht jetzt was mit mir… Tut es nicht. Es unterhält, oder eben nicht. Und drei Minuten später ist was anderes interssant. Das ist auch ein Umstand, der mich traurig macht, weil nichts länger als drei Minuten wichtig/spannend/ gut ist. Hier herrscht eine unglaubliche Macht viele Menschen zu lenken, und dann wird es gebraucht für so was banales. Da möchte ich offline gehen, für immer.
        Drei Minuten später bin ich aber wieder da. Ich Hamster.

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