Sonntagabend, 23 Uhr.

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Ich kann noch so müde sein, kaum lege ich meinen Kopf auf das Kissen, beginnt das Toben in meinem Kopf. Natürlich könnte ich das Licht anmachen und etwas lesen, oder fernsehen. Doch das eingeschaltete Licht macht mich zu einer Mondsüchtigen. Durch die Ritzen des Rollladens ist für alle anderen Nachtwandler erkennbar: Aha, hier kann noch jemand nicht schlafen.

Ich sehe nur die Straßenlaterne oben an der Straße, und hin und wieder den Bewegungsmelder der Nachbarn, wenn eine Katze durch den Garten schleicht. Ich geistere nicht allein durch die Schlafens-Zeit. Viele Augen. Viele Rolladen-Ritzen. Viele einsame Gedanken.

Ich streite in meinem Kopf. Andere haben vielleicht einen wunderschönen Ort, einen sicheren Hafen, wie bei einer Hypnose, in ihrem Hirnhaus. Ich nicht. Ich streite.

Jeden vergangenen Streit, jeden Zukünftigen führe ich Sonntagnacht. Ich überlege mir, was sie sagen könnten, was ich antworten könnte – Ich muss auf jede Situation, auf jedes Argument vorbereitet sein. Erst, wenn ich alle Szenarien durchgespielt habe, und als moralischer Sieger hervor gegangen bin, ärgere ich mich, dass ich kein Licht gemacht habe. Mit Stift und Papier hätte ich meine Argumentation fest halten sollen.

Obwohl ich hellwach da liege und das Schwarz um mich herum anstarre, verschwinden die Worte, so wie sich ein Traum gleich nach dem Aufwachen auflöst. Gegen vier Uhr schaue ich ein letztes Mal erschöpft auf die Uhr. Gegen sechs stehe ich auf, gehe zur Arbeit und sage kein Wort.

 

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