Danke

Ich habe ihr ein Kompliment gemacht. Irgendwas im Sinne von „gut gemacht“ und sie sagte, ganz leise, und mit verstellter Stimme: Danke.

Es klang wie ein Danke, dass ihr nicht oft über die Lippen kommt. Ich dachte darüber nach. Es bedeutet wohl, dass sie es nicht oft sagt, weil sie es nicht oft sagen kann, weil sie nicht oft gelobt wird.

Und daher klingt dieses kleine, scheue Danke wie einstudiert. Wenn wir Kinder sind, erinnert uns die Mutter immer daran: „Wie sagt man?“ Und dann sagt man Danke. Weil man muss. Meistens weiß man gar nicht warum. Bei blöden Geschenken zum Beispiel. Dafür Danke sagen? Verrückt.

Ihr Selbstwertgefühl ist noch ein kleines Mädchen, mit süßen blonden Zöpfen, ein Mädchen das noch an Mamas Hand geht. Das noch nicht allein über die Straße gehen darf. Und immer erst nach oben guckt, sich vergewissert, in ihrem Gesicht, das es so in Ordnung ist. Alles. Blick zu ihr, und dann: Danke.

Ich hoffe für sie, dass das Mädchen bald groß wird, und sich die Haare zerzaust und Mutters Hand los lässt und selbst entscheidet, ohne Versicherung von oben, was sie wert ist, und dass ein Lob wie „gut gemacht“ ein ganz beiläufiges Danke verdient. Eins, dass keine große Bedeutung hat, weil sie weiß was sie kann, was sie wert ist, weil sie es oft hört und es nichts Besonderes ist. Es ist nicht essentiell wichtig für das kleine Seelchen, von damals. Es ist wie es ist. Und es ist gut.

Danke.

 

©aro

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