Die bucklige Verwandtschaft

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Kaum das ich Laufen konnte, habe ich Ski fahren gelernt, auf einem kleinen Hügelchen direkt vor unserem Haus. Da es sich hierbei – mit viel Liebe – nur um einen Idiotenhügel handelt, wirft meine bucklige Verwandtschaft, sobald Schnee fällt, die Ski ins Auto und fährt nach oben um dann nach unten zu fahren. Alles sehr sinnig. Ich habe da nie wirklich drüber nach gedacht, ob ich das gut finde oder nicht. Ich denke ja auch nicht übers laufen nach. Ich mach das einfach.
Dieses Jahr war es mit dem Schnee nicht so dolle, die Ski blieben viel im Keller. Zwei Mal war ich unterwegs, auf schmalen Pisten mit grüner Deko links und rechts am Hang. Einer der Buckligen meinte dann, wir müssten weiter weg, den Schnee suchen und die Wahl fiel auf ein Hotel, dass wir das letzte Mal vor zwanzig Jahren aufgesucht hatten. Ich dachte noch, wenn wir da so lange nicht waren, muss das einen Grund gehabt haben. Er fiel mir nicht ein.
Völlig enttäuscht stand ich vor meinen Erinnerungen: Die Hotelhalle, die Treppenaufgänge, der Aufzug in dem ich mal eine Stunde stecken geblieben war, das Hallenbad – alles viel kleiner, als ich es in Erinnerung habe. Klar, damals war auch ich noch viel kleiner.

Mittags stand ich dann in der prallen Sonne (ja, ich habe Sonnenbrand) und zum ersten Mal war mir zu warm. Ich gehöre zu der Kategorie Frau „Kalte Hände, warmes Herz“, aber diesmal konnte ich bei plus neun Grad ohne Handschuhe, ohne Mütze, ohne Schal die Pisten runter jodeln. Ja, ich jauchze vor Freude, beim wedeln. Das fiel mir am Samstag auf. Ich jauchze nicht beim gehen, und das bedeutet, wohl ich fahre gern Ski und die Aktion auf dem Idiotenhügel vor dreissig Jahren war eine Gute. Jedenfalls.

Einer der Buckligen hat eine Vorliebe für Buckelpisten (Wie kommt das nur?) Und: Ich gehöre nicht dazu. Ich komme jeden Hang hinunter. Kein Thema. Aber es gibt Abstufungen in der Ästhetik. Nach der vierten Buckelpiste, fragte ich den Buckelkönig, ob er das mit Absicht mache?
Er grinste böse. Jaja.
Scheiß Verwandtschaft. Ich wedelte also unästhetisch und nicht jauchzend diverse und sulzige Pisten runter. Es ist auch gut, wenn die Verwandtschaft wieder heim fährt, nä!

Sonntag morgen erwachte ich in einem Schneesturm. Plötzlich wusste ich, warum ich diesem Ort so lange fern geblieben war. Wenn es da mal schneit, dann richtig. Der Nebel ist so dicht, dass man einen wunderbaren Horrorfilm drehen könnte, oder sich zumindest einen ausdenken, man kann ja sonst nicht viel tun. Ich habe mich mit Mütze, Schal und Skibrille ausgestattet auf den Weg gemacht, mein Auto zu suchen. Der Parkplatz war groß, mein Gedächtnis lausig und der Schnee kniehoch. Ich verbrachte ne halbe Stunde damit das falsche Auto frei zu schaufeln, erst als ich das Nummernschild sah, wurde mir mein Fehler gewahr. Ich bin wieder daheim, also keine Sorge, ich hab noch das Richtige gefunden, ohne eins stehlen zu müssen.

Frühling, jetzt darfst du kommen. Hello!

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