Warum ich Walter White nicht leiden kann

Breaking Bad. Achtung Spoiler!

Während Staffel 1 habe ich damit gekämpft, dass aus dem Hallodri Hal (Malcom mittendrin) so ein Arschloch geworden ist. Walter White. Wirklich gekämpft. Bryan Cranston nehme ich beide Rollen ab, er ist ein hervorragender Schauspieler, doch mein Gemüt hält das fast nicht aus. Nach dem Staffelfinale 1 habe ich eine sehr lange Pause eingelegt. Ich wollte nicht weiter gucken, weil mich auch die Botschaft Wenn-du-Krebs-kriegst-hast-du-einen-Freifahrtschein-in-die-Kriminalität furchtbar aufregt. Jedenfalls.

Mein get-shorties-Kollege Volker ist ein so großer Fan der Serie, dass er sogar mit dem T-Shirt zur Serie herum rennt und jedem erzählt, wie geil die Serie ist. Nun gab ich der Sache eine zweite Chance. Ich gebe zu, ich bin angefixt, nun will ich auch wissen wie die ganze Sache ausgeht. Momentan habe ich Staffel 3 hinter mir, 4 und 5 liegen noch vor mir.

Walter ist ein unsympathischer Sack. Sein Kollege Jesse ebenso. Jammerlappen deluxe. Ich persönlich, und das ist jetzt subjektiv, mag keine Geschichten/Serien/Filme mit unsympathischen Hauptfiguren. Ich neige zu Kitsch. Ich neige zu Jane-Austen-alles-wird-gut-Enden. Das ist wohl so eine Frauensache. Unsympathen funktionieren für mich nicht. Ich muss mich, mindestens für eine Figur begeistern können, mitfiebern, anfeuern, mitleiden. Hier ist kein einziger Charakter mit dem ich mitfühlen würde, und ich schaue dennoch weiter. Vielleicht aus Trotz. Jetzt erst recht.

Während Staffel 2 nervte mich weiter, das Walter meint, er verdiene eine Sonderstellung. Die ganze Geschichte lebt davon, aber ich will es an einem Beispiel deutlich machen. Es ist eh klar, der Typ hat Krebs, also haben alle nett zu sein, und er entschuldigt sein unfassbar blödes Verhalten mit der Krankheit. Er ist zu stolz Spenden anzunehmen, aber Drogen kochen geht in Ordnung. (Nein, ich komme jetzt nicht mit Logik. Mit Logik gäbe es keine fünf-staffelige-Serie). Jedenfalls. Leute, die Drogen nehmen, gibt es immer. Also muss irgendwer für das Angebot sorgen. Is klar, nä.

Dann war da die Sache mit dem Flugzeugabsturz, sinnbildlich für die ganze Serie. Trümmerteile fallen in Walter Whites Garten, beschädigen sein Auto, die Frontscheibe ist kaputt. Er lässt es nicht reparieren. Die Polizei hält ihn an und verwarnt ihn, weil das Auto so nicht mehr fahrtüchtig ist. Walter heult ihm was vor, buhu, Flugzeugabsturz, ich bin Opfer der Umstände. Das kaputte Auto ist nicht in seiner Verantwortung, und er erwartet, dass der Polizist aus Mitleid keine Verwarnung schreibt, weil Walter sowas nicht verdient. Die Szene endet damit, dass Walter mit Pfefferspray in den Augen in einer Arrestzelle landet. Slapstick trifft auf Tragik.

Ich sehe, was den Machern der Serie hier gelungen ist, ein ambivalenter Charakter, Opfer, Täter, durch und durch Verlierer des Lebens. Chapeau!

Deshalb kann ich ihn nicht leiden und schaue dennoch weiter zu.

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10 Kommentare

  1. Danke, danke, danke! Ich begeistere mich auch für keine einzige Figur in Breaking Bad und frage mich immer, warum ich damit so alleine dastehe. Mich stört außerdem die unfassbar konstruierte Situation (Highschoollehrer wird Drogenbaron innerhalb weniger Folgen – nee, is klar!). Trotzdem guck ich’s weiter (mir fehlt nur noch Staffel 5) – aus Trotz und in der Hoffnung, irgendwann verstehen zu können, warum alle so darauf abfahren. Ich raff’s einfach nicht.

  2. Oh ja, wenn ich den Namen W. White höre, wird mir ganz anders. Im Gegensatz zu dir mag ich schon ein paar Charaktere. Walters Sohn und dessen Onkel Hank (inc. Frau). „Better Call Saul“, ich liebe Saul Goodman und auch Mike. Jesse tut mir leid, er wird aber von Staffel zu Staffel immer sympathischer. Aber eines muss ich zugeben, ohne meinen Mann wäre ich nie auf „Breaking Bad“ gekommen. Das ist die erste Serie, in welcher ich – würde ich sie alleine sehen, Albträume bekäme. Da ist es gut eine Schulter zu haben, an der man sich festkrallen kann. Ich glaube die Frauen unter uns reagieren oft sehr angewidert – ich schließe mich nicht aus, aber die Serie macht trotzdem süchtig. Der Flugzeugabsturz ist nur eine kurze Momentaufnahme, quasi eine Rückblende und wird erst in den weiteren Folgen zu verstehen sein – bis dahin kann man grübeln. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber letztlich ergibt alles einen Sinn. Dass Walter gerade diesen kriminellen Weg eingeschlagen hat, liegt meiner Meinung nach nicht nur an seiner Krankheit, da spielen diverse andere Faktoren zwar eine untergeordnete Rolle, welche allerdings nicht unerheblich sind. Alles ist ein Spiel. Da ist ein Charakter der anderen immer einen Schritt voraus sein will. Ich mag diese verschrobenen Charakere, die Kameraführung, die spannende (zumeist unappetliche) Story, welche einem so unglaubwürdig und fremd erscheint, das sie auch real sein könnte. Ich bin gespannt, was du nach der letzten Staffel sagst.

    LG

    1. Ich habe das Staffelfinale inzwischen gesehen. Ich habe durchgehalten, aber nicht weil ich süchtig nach der Serie war, sondern weil ich das Ding vollständig gesehen haben wollte. Wenn man schon meckert, sollte man wissen warum. 🙂

      Wenn ich nach sympathischen Charakteren suchen muss, dann wähle ich Holly. 😉
      Ja, ok, Hank war auch in Ordnung, und zum Schluss Jesse. Das Ende hat mich ein klein wenig versöhnt, weil Walter eine Sache richtig gemacht und Jesse aus dem Dreckloch geholt hat. Aber als er starb dachte ich: Endlich!

      Um Hank tat es mir leid, ja, und ich freu mich das Jesse da raus gekommen ist. Das Ende war gut so. Die letzte Staffel fand ich fast sowas wie spannend. 😉

  3. Blödsinn. Das Walter in wenigen Epidoden zum Drogenbaron wird ist quatsch, sein Riesen vermögen hat er erst später gemacht und seine Handlungen, resultierend daraus, dass er Krebs hat ist auch nachvollziehbar – aber dennoch übertrieben, ist schließlich ne Serie, keine Doku.
    Aber was seinen Charakter betrifft, muss ich zustimmen. Er ist ein Arschloch, er ist es, der in der ganzen Serie schuld ist, dass alles schief läuft. Ganz anders Jessy. Er ist zwar der Dealer und ok, er hat es am Anfang mit dem Konsum übertrieben, aber später ist er bescheiden geblieben im Gegensatz zu seinem Kollegen. Walter ist der, der ihn zu seinem bitteren Ende in Gefangenschaft getrieben hat. Mit Jessy konnte ich mitfühlen und er tat mir ehrlich gesagt nur Leid. Aber der Hasserfüllte „Ihr braucht mich“ und „Ich will mehr“-Typ Walter ist bei mir unten durch. Und ich würde das mit dem Krebs nicht als Freifahrtsschein betrachten, sondern als „Ich hab eh nichts mehr zu verlieren, aber meine Familie schon, ich will das es Ihr gut geht“ Situation. Es ist auch in der Realität so, es ist relativ einfach sich was dazuzuverdienen, die Frage ist wo der Kleine Nebenverdienst aufhört und die Mitschuld für Tausende süchtige anfängt. Das Geld überzeugt am Ende. Gibts genug Beispiele in echt 😀

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