Schwarze Flügel

Ich habe meine Flügel schwarz bemalt. Ich wollte es so.

Mein Papa hat gesagt, alle Kinder sind Engel. Wenn sie groß werden, werden die Flügel nur unsichtbar und dann vergessen die Kinder, die keine mehr sind, dass sie überhaupt Flügel haben. Wer nicht fliegt, verlernt es. Wie diese Vögel in Neuseeland. Kiwis. Ohne natürliche Feinde brauchen sie nicht zu fliegen. Die Flügel verkümmern. Vermutlich wissen die nicht mal mehr, dass sie Vögel sind.

Papa sagt, wenn man erwachsen wird, denkt man; „So ein Blödsinn. Flügel. Wer braucht die schon? Dafür bin ich zu vernünftig. Ich fahre lieber Auto.“

Schwupps, sind sie unnütz geworden.

Sie verschwinden.

Ich werde meine nicht vergessen, sie werden nicht unsichtbar. Meine sind jetzt schwarz, ich hab was Schlimmes gemacht.

Ich habe meine Flügel Schwarz bemalt.
Ich wollte es so.
Jeder soll es sehen.

Ich wollte das er still ist. Ich wollte mit meinen Händen in seinen Kopf und die Worte raus rupfen, damit er sie nie mehr sagt. Damit er traurig ist und nie mehr lacht. Nicht über mich und auch sonst nicht. Ich wollte meine Faust in seinen Mund stecken, oder eine Socke. Seine Stille sollte weh tun.
Ich hatte einen Bleistift in der Hand, als ich mit der geballten Faust in sein Gesicht schlug. Wir sahen uns erschrocken an.
Tim trägt jetzt eine schwarze Augenklappe.

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