Twin Bed Room

Bei uns hatte sich diese Routine eingeschlichen, die sich zwangsläufig einschleicht, wenn man lange zusammen ist. Nacktheit ist dann nichts besonderes mehr, und man zieht den Bauch nicht mehr ein, man schämt sich nicht mehr für die schlabbrige Unterhose, da wird gecremt, rasiert, gewaschen, im hellen Neonlicht des Badezimmerspiegels, unaufgeregt.

Und dann bezogen wir dieses winzige Zimmer in diesem winzigen Hotel. Es war spät, wir waren müde, und es Leid zu suchen. Wir waren einander leid, und die lange Fahrt, die Hotelsuche, der eine schimpfte auf den anderen wegen der schlechten Planung, wegen der Reise überhaupt, unnötig war ein häufiges Wort.

Das Zimmer war ein Alptraum. Direkt unter dem Dach, nur in der Mitte konnte man aufrecht stehen. Wir bekamen kein Doppelbett, sondern zwei Einzelbetten, die sich in die Ecken unter den Dachschrägen drückten. Zwei hässliche Nachttische standen direkt nebeneinander, zwischen den beiden Betten, die Badezimmertür ließ sich nicht ganz öffnen, und stieß gegen das Fußende vom linken Bett. Die Eingangstüre gegen das rechte. Da standen wir, fassungslos, mit zwei Taschen, und kaum Platz zum atmen. Ich schmiss meine Tasche auf das rechte Bett, wie um mein Revier zu markieren, und drückte mich ins Bad. Die Blase schmerzte schon.

Als ich wieder heraus kam und die Tür lautstark an das Bettgestell knallte, schrak er zusammen. Er lag schon im Bett, unter weißen Laken, wenigstens sauber war es.

Beide Türen geschlossen, stellte ich unsere Taschen wie die beiden Nachttische, keusch neben einander und zog mich aus. Kurz haderte ich mit mir.

Zuhause, da hatten wir Platz, vielleicht zu viel. Wir lasen im Bett, oder krümmelten noch, während der Fernseher lief. Klamotten und Habseligkeiten, an denen man vermeintlich hing, lagen zuhauf herum, das Bett, obwohl es ein Doppelbett war, bot jeweils Platz wie ein Floss auf offenem Meer, jeder für sich. Wir waren Einzelkämpfer geworden.

Hier sollte ich in ein winziges Bett steigen, und er schien so weit weg. Dabei hätte ich mich hinlegen und die Hand ausstrecken können – er wäre nicht weiter weg gewesen als daheim im Ehebett.

Er beachtete mich gar nicht, dabei stand ich nur im Slip da. So stieg ich in sein Bett, überrascht öffnete er die Augen. Plötzlich waren wir wieder jung und unerfahren, in diesem winzigen Bett, und mussten Ellenbogen und Knie sortieren. Meine Füße waren kalt und sein Gesicht kratzte, es war vertraut und doch ganz anders. Das Bett quietschte.

Es machte mir nichts aus, dass es quietschte, dass er mich fast platt drückte, dass wir keinen Platz hatten und das, was wir waren, unter weiße Hotellaken quetschen mussten.

Wir küssten uns, wie schon lange nicht mehr. Auf dem Boden war genug Platz für unsere Klamotten. In dem Bett war genug Platz für unsere Liebe.

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