Lieber _alter, 

Am Samstag ist wieder #Schreibtreff und deswegen habe ich mal mein Notizheft her genommen und geschaut, was ich letzten Monat fabriziert habe. Das Thema der #Schreibaufgabe lautete:

Eine Taxifahrt.

Das ist dabei heraus gekommen:

 

Lieber _alter, 

das _ an meiner Schreibmaschine ist kaputt. Ich schreibe also nicht _alter, _eil ich mich für deinen Namen schäme, sondern _eil meine alte Olympia mich im Stich lässt. Jedenfalls. 

Ich _ill dir von einer merk_ürdigen Taxifahrt erzählen. Neulich _ollte ich meine Mutter vom Bahnhof abholen, da ich aber kein Auto besitze, und sie auch nicht in ihrem hohen Alter zu Fuss durch die Stadt ziehen lassen _ollte – du _eißt ja _ie sie ist, stur mit ihrem Hand_ägelchen und gebeugtem Rücken – habe ich beschlossen sie mit dem Taxi abzuholen.

Das hat auch alles geklappt, der Zug _ar pünktlich, das Hand_ägelchen hat in den Kofferraum gepasst, der Taxifahrer sah deutsch genug aus um sie einsteigen zu lassen. Stell dir vor, am Steuer hätte ein Inder gesessen, sie _äre mir nie in ein Curry-Taxi eingestiegen. Jedenfalls.

Sie _ar da, das Taxi auch, das _etter schön, in der Küche _artete ein frischer Erdbeerkuchen auf uns. Ich habe die Früchte aus meinem Garten, tja und da standen _ir im Stau. Nur _enige Meter vom Bahnhof weg, ca. 6 Kilometer von meiner _ohnung entfernt.

Meine Mutter – du kennst sie ja – _ar gleich fertig und beschloss zu laufen, stur, mit ihrem Hand_ägelchen und gebeugtem Rücken. Sie hätte schon schlimmeres durchgemacht, meinte sie. Ich _ar partout dagegen. Da standen _ir; ich, die Mutter und der Taxifahrer. Sie _ollte ihr _ägelchen haben, und er _ollte es ihr heraus reichen, und ich drückte es zurück in den Kofferraum.

Normaler_eise kann man sich darauf verlassen, dass in einem Stau jeder nur an sich denkt. Die Scheiben sind hoch gekurbelt, das Knöpfle nieder gedrückt, der Blick aufs Nummernschild des Vordermanns gerichtet, oder aufs Handy, das Radio, die eigenen Fingernägel. Diesmal nicht.

Männer und Frauen und Kinder stiegen aus ihren Autos, als _är die Straße ein Bahnhof und gerade Ankunftszeit. Leute auf den Geh_egen blieben stehen, gafften, kamen zu uns, um diesem Tumult beizu_ohnen.

„Ich _ill laufen“, brüllte meine Mutter.

„Nein, das ist zu _eit“, brüllte ich.

„Lassen Sie das _ägelchen los“, brüllte der Taxifahrer. Er _ollte meiner Mutter behilflich sein, und zerrte, sie zerrte zurück, du _eißt, lieber Freund, sie ist zäh.

Ich _ill mich grundsätzlich nicht mit ihr anlegen, und tat es hier nur ungern. Ich bin ein friedliebender Mensch, und Mutter normaler_eise sehr vernünftig. Jedenfalls.

Das Ende vom Lied _ar, sie hat dem Taxifahrer ihre Handtasche über den Kopf gezogen, mich hat sie am Ohrläppchen ins Taxi gezerrt. _ir beide, der Taximann und ich sollten eine Auszeit nehmen und über unser Verhalten nachdenken. Das hat sie so im Fernsehen gesehen.

Aus ihrem Hand_ägelchen holte sie verschiedene Vesperbrote und eine Kanne Tee hervor, stellte alles auf dem _agendach ab und versorgte freundlich, als _äre nichts ge_esen, die umstehenden Leute. Der Taxityp entschuldigte sich bei ihr für sein rüdes verhalten, und so versöhnt holte sie sogar eine Tupperschüssel mit Kartoffelsalat aus ihrer Handtasche, _ie ein Zauberer ein Kaninchen aus einem Hut. _äre meine Mutter eine Zauberin gäbe es _ohl Hasenbraten.

Ich habe mich nicht entschuldigt, das sah ich überhaupt nicht ein. Ich blieb _o ich _ar. Der Taxifahrer, gestärkt und zufrieden, saß _ieder hinters Steuer. Ich sagte ihm, er solle mich in die Kronenstraße bringen, sobald sich der Stau aufgelöst habe. Doch meine Mutter verteilte Kartoffelsalat, es _ar also kein Ende in Sicht. Fremde Menschen gafften in das Auto, begafften mich _ie einen Affen im Zoo, der ich nichts von all den Leckereien abbekam, _eil ich immer noch meine Auszeit nehmen musste. Mutter hatte kein Erbarmen mit mir.

„Ihre Mutter ist ganz schön resolut“, sagte Björn, der Taxityp. _ir gaben uns die Hand, ich entschuldigte mich für die Beule an seinem Kopf. „Das macht gar nichts“, meinte er, „das erinnert mich an daheim.“

Mutter lief die Strecke. Sie _ar vor mir in meiner _ohnung angelangt. Sie hatte Kaffee gemacht, den Kuchen angeschnitten und meinte trocken, als ich in der Tür stand: „Ich hoffe du bringst mich nicht noch mal so in Verlegenheit.“

 

Bis bald, lieber _alter.

Dein Jürgen.

PS: Kannst du mir ein neues _ besorgen für meine Schreibmaschine?

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