Die Sache mit den Vorsätzen

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Der junge Pianist

 

Meine Klavier-Anmeldung wurde diese Woche dadurch ausgebremst, dass die Musikschule, die ich mir ausgesucht habe, voll ist und keine neuen Schüler aufnimmt. Es gibt ein „Vielleicht“ ab März. Nun muss ich mir überlegen ob ich so lange warte (kommt´s auf zwei Monate an?) oder ob ich nach einer anderen Musikschule schaue. Wer weiß wo meine Vorsätze im März sind?

Ich habe diese Vorstellung von mir, wie ich den Entertainer spiele, das treibt mich an. Vermutlich, weil ich als Kind einen Onkel das spielen sah & hörte, und dabei fand, dass er glücklich wirkte. (Was für ein großes Wort; Glück. Hat nicht jeder seine ganz eigene Vorstellung davon?) Jedenfalls. Ich kann ja nicht mal Noten lesen. Um die Zeit zu überbrücken, so als erster Schritt und gutem Willen, dabei zu bleiben, habe ich mir jetzt eine App gekauft, die genau das tut (hoffentlich). Noten lesen lernen. (Link: Piano Notes Pro)

Ich habe jedes Jahr den selben Vorsatz: Mehr schreiben. 2014 habe ich das sogar geschafft, eine Novelle, diverse Kurzgeschichten, Blogtexte. Während ich meine Blogtext-Übersicht anschaute, stellte ich fest: Viele meiner neuen Texte haben es gar nicht in das Blog geschafft. Für die get shorties Lesebühne brauche ich dauernd neue, unveröffentichte Texte, ich lese nie einen Text zwei mal am gleichen Ort – davon leben wir, dass wir jedes Mal wenn wir in Stuttgart, Böblingen, Göppingen und wo wir uns eben rum treiben, neue Texte haben. Das heißt, diese Texte schaffen es gar nicht in meinen Sudelblog.

Es hat vermutlich wenig mit Neujahr und meinen Vorsätzen zu tun, aber ich wünsche mir schon lange einen Platz für meine Texte, ohne Gesudel wie hier. (Nichts gegen Gesudel, aber manchmal ist weniger mehr). Aus diesem Wunsch heraus habe ich einen neuen Blog erstellt: Hafenlicht.

Manchmal, da fange ich ein neues Notizbuch an, mit dem Vorsatz: da kommen jetzt nur schöne Sachen rein. Mein Tagebuch ist oft hässlich mit all dem Alltag, den Sorgen, dem Weltekel und der Frage, was das noch alles werden soll. Dem eine komische Seite abzugewinnen ist echte Arbeit. Im Hafenlicht soll es also nur Kurzgeschichten und Erzählungen von mir geben. Mal ernst, mal heiter, was so an Text eben aus mir raus will.

Im Hafenlicht wird es kein Gesudel geben.

Selbstgenähtes T-Shirt

Selbstgenähtes T-Shirt

Ich habe das Nähen im letzten halben Jahr vernachlässigt. Ich war mit Schreiben beschäftigt, das ist ein guter Grund, dennoch wünsche ich mir, wieder mehr Zeit für dieses Hobby zu haben, weil es mir gut tut. Ich mag es, mit meinen Händen zu arbeiten, konzentriert zu arbeiten, ohne das es mich erschöpft (wie zum Beispiel der Brotberuf), etwas in Händen zu haben, am Schluss: Meins. Das habe ich gemacht.

Die Zufriedenheit, die daraus entsteht, war mir vorher völlig unbekannt. Ich bin kein Perfektionist, aber gehe oft mit mir hart ins Gericht in Sachen Ordentlichkeit. Fehler erlaube ich mir selbst nicht. Natürlich mache ich sie, keine Frage, aber wie ich dann mit mir selbst umgehe, steht auf einem anderen Blatt. Beim nähen hole ich, wenn ich was falsch gemacht habe, ruhig und ohne Selbstzerfleischung den Trenner, und fange von vorne an. Ich habe beim Nähen Scheitern gelernt. Von einem Fehler geht die Welt nicht unter.

Selbst die Lesebühne gab mir Raum Fehler zu machen und auch zu scheitern. Ich schrieb einen Text, den ich sehr gut fand. Ingo sagte, der würde auf der Bühne nicht funktionieren. Trotzdem ließ er mich auf die Bühne, trotzdem ließ er mich lesen. Der Gag verreckte, aber ich zog es durch. Das war auch gar nicht schlimm – für mich nicht, und fürs Publikum auch nicht. Im Gegenteil. Manch einem Zuschauer ist aufgefallen, dass ich besser geworden bin, ich habe schöne Gespräche geführt. Besagten Text habe ich überarbeitet – Inzwischen schätze ich das Überarbeiten sehr, und Hemingway hat gesagt, die erste Fassung ist immer scheiße. Ich bin mit meinen Texten zufrieden, – nach dem zweiten oder dritten Überarbeiten. Dann sind es meine Texte, mein Ton, mein Witz. Jetzt bin ich angekommen. Aufgenommen und angenommen in der Gruppe, und bin dankbar: Nirgends sonst hatte ich diese Möglichkeiten, so zu lernen und zu wachsen.

Großartig. Wenn man die Sache mit dem Scheitern mal gelernt hat, schätzt man auch seine Erfolge ganz anders, weil sie erarbeitet sind, und kein Zufall.

Überhaupt.

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SUB

Das Prinzip finde ich faszinierend; Menschen, die ihr gemütliches Sofa verlassen um zu uns zu kommen und sich Kurzgeschichten und Musik anzuhören. Mal ehrlich, zuhause haben sie eine Stereoanlage, einen Fernseher, Hörbücher, was zu Essen, ihre Ruhe. Menschen, die vor die Tür gehen, ganz allgemein, beeindrucken mich. Ich, als freundlicher Misanthrop würde mir – wenn man mich ließe –  Essen liefern lassen, das Telefon ausstecken und nie, nie mehr vor die Tür gehen. Dieses Draussen – mit frischer Luft (!) wird völlig überbewertet. Vielleicht lerne ich von diesen Leuten auch noch etwas. Offener sein, ganz grundsätzlich.

Schreiben ist eine Berg- und Talfahrt. Euphorie und der Wunsch sich umzubringen liegen sehr nah beieinander. Weil man als Schreibender immer meint, die Qualität der eigenen Texte sei mit dem eigenen Wert als Person verknüpft. Die Erkenntnis, das dem nicht so ist, jedenfalls nicht immer 🙂 – buche ich auch noch auf dem 2014er-Konto.

Vorsätze sind ne feine Sache. Letztes Jahr, zum Beispiel, habe ich mir vorgenommen fünf Kilo abzunehmen. Das habe ich im Juli auch erreicht gehabt. Damit ich mich nun wieder um gute Vorsätze bemühen kann, habe ich mir vorsorglich im November besagte fünf Kilo wieder angefressen. Es soll keiner sagen, ich sei nicht konsequent; Jedes Jahr das selbe.  Daher steht dieser Punkt auf der alten Liste wie auf der neuen.

Nun sind es nur noch zwei Dinge die fehlen: Mein SUB ist weiter angewachsen, denn geschrumpft. Es gibt viel zu lesen. Und ich will wieder mehr fotografieren.

Willkommen 2015

 

 

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