Die Karte meiner Träume

Achtung: Spoiler

Wer das Buch schon in der Hand hatte, wird wissen, dass es wirklich schön und aufwändig gestaltet ist, und wer Fußnoten und Randnotizen doof findet, wird es gar nicht erst gekauft haben. Ich habe es tatsächlich wegen der tollen Gestaltung erworben, und wenig auf den Klappentext geachtet bzw. mich vom Trailer anfixen lassen. Das passt schon für mich, dachte ich. Dieses Wochenende habe ich mir endlich den Film angeschaut, und nach langem Grübeln kam ich zu dem Schluss, das ich enttäuscht bin. Ich wusste eine ganze Weile nicht warum, nach dem Film lichtete sich aber der Schleier. Vielleicht deshalb, weil Buch und Film voneinander abweichen, das ist ja oft so bei Buchverfilmungen, wobei die Abweichungen im Film mein Unbehagen, mein Nicht-Gefallen noch verstärkt haben.

T.S. trägt die Geschichte nicht, in meinen Augen. Da ist dieses intelligente, aber völlig sprachlose Kind, versessen auf Details und Fakten, völlig fehl am Platz. Sprichwörtlich. Die Geschichte an sich, also die Eltern, die grundverschieden sind, und obendrein durch einen Unfall ein Kind verlieren, hat das Potenzial anzurühren, und wie ein Märchen auszugehen. Leider tut sie es nicht. Achtung, ich geh ins Detail. Wen du noch vorhast, Buch und/oder den Film zu sehen, solltest du jetzt woanders hin klicken.

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Noch da? Also.

In einer Geschichte verändert sich etwas oder jemand. Der Held tappt von A nach B und ist ein anderer. Die Menschen drum herum sehen und erkennen das. Soweit so gut. T.S. ist also mit seiner Familie unzufrieden, passt da nicht rein, und leidet unter dem Verlust seines Bruders. Er fährt deshalb quer durch Amerika, um eine Rede zu halten, über seine wissenschaftliche Arbeit. Um die geht es, Überraschung, aber gar nicht. Er redet über den Bruder. Auch hübsch, tränenlastig. Mutti und Vati holen den Junior wieder heim – nicht ohne medial kund getan zu haben, was Sache ist. Das stört mich noch am meisten. Wieso muss so ein Höhepunkt – der Junge hat endlich Worte für die Tragödie, die ihm widerfahren ist – im Rampenlicht geschehen? Wieso muss der Vater, als er endlich einsieht, dass er den übrig geblieben Sohn übersehen hat, dem Moderater noch eins auf die Nase hauen? Mir war die ganze Geschichte zu oberflächlich, eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die wenig ineinander greifen. T.S reist praktisch allein, und die wenigen Menschen, die er trifft haben nichts mit seiner inneren Veränderung zu tun. Es findet also auch keine statt, und am Schluss sind wieder alle beisammen, und ich ratlos vor dem Fernseher, bzw. mit einem Buch, von dem ich mich betrogen fühle. Dafür lese ich doch – um den Geschehnissen Sinn und Struktur abzuringen, um am Schluss sagen zu können: Schön wars, was haben wir geweint.

Ich kann die Geschichte und die Figuren nicht fassen, ich glaube ihnen ihre Reise nicht. Hübsch anzusehen ist das Buch, keine Frage. Auch der Film ist nett anzusehen, leider halten die schönen Bilder das Versprechen eines Märchens nicht ein. Schade.

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2 Kommentare

    1. Ich gucke mir sehr gerne Buchverfilmungen an, ganz ohne nörgeln. Aber hier ist es so, dass alle guten Teile des Buches es nicht in den Film geschafft haben, und der Rest ist dann halt nur noch ganz nett. Menno.

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