Niederlage für die Menschheit?

Ich wundere mich seit Tagen über die Berichterstattung und die Kommentare zur Homo-Ehe in Irland. Ganz grundsätzlich lasse ich mir von Kirchenmenschen nicht den Anfang oder die „Gewinne“ der Menschheit erklären, da brauche ich auch nicht über deren Niederlagen, das Ende oder das Danach diskutieren.

Auch die Diskussion, ob Homosexuelle Kinder haben sollten oder nicht, finde ich mehr als dämlich. Aber der Reihe nach.
Was geht in den Köpfen der Gegner vor? Haben die wirklich Angst, die Homosexuellen könnten die Weltherrschaft an sich reißen, Gesetze erlassen, dass heterosexuelle Praktiken ekelhaft seien, verboten und unter Strafe gestellt gehören?
Ich stelle mir das mal kurz vor. Heteros, die sich, aufgrund von gesellschaftlichen Gepflogenheiten verstecken, verleugnen und schämen müssen. Die Dinge tun sollen, die ihnen nicht gefallen, die wider ihrer Natur sind.
Huch, soweit waren wir ja schon.
Und dann sagt man ihnen, also den Heteros: So wie du bist, darfst du keine Kinder haben, alles muss hübsch gleich sein, nur Frauen oder nur Männer als Eltern, alles andere, also Vielfalt verwirrt das Kind doch nur.
Ich weiß gar nicht, warum die Kirchenmenschen sich so schwer tun mit diesem Ehe-Szenario, sind sie doch erst mal – theoretisch – komplett Raus aus der Sex-Nummer. Hetero und Homo. Das innerhalb der Kirche ganz andere Dinge mit Kindern gemacht werden, steht auf einem anderen Blatt. Das will ich nicht thematisieren, das ist ja auch alles gar nicht wahr. Also offiziell. 
Mal abgesehen davon, amüsiere ich mich sehr über den Umstand, dass sich Kirchenmenschen, Männer wie Frauen, gegen Liebe, Partnerschaft und Nachwuchs entscheiden, zugunsten von Gott. Warum sich diese Dinge gegenseitig ausschließen, verstehe ich nicht. Ich möchte ganz grundsätzlich Wörter wie „unnormal“ und „Wider der Natur“ nicht in meinen normalen Sprachgebrauch aufnehmen, da sie mir sehr kleingeistig erscheinen. Aber Kirchenmenschen, die Normalos erklären, wie sie ihr Leben leben sollen und gleichzeitig selber keine Ahnung davon haben, ist so als würden mir die Veganer erklären, wie man Hackfleich zubereitet und richtig verzehrt.
Zurück zur Homo-Ehe.
Es gibt heterosexuelle, aber unwissende Teenager, die Kinder in die Welt setzen. Ich sage jetzt bewusst nicht „Unfall“ sondern „ungeplant“. Ich schreibe nun frech und pauschal, dass die Voraussetzungen für ein Kind besser sein könnten. Zum Beispiel.
So ziemlich jeder Lebensentwurf sieht mit 16 anders aus als mit 26 oder 36. Ich persönlich glaube, dass Menschen, wenn sie die Pubertät mal überwunden haben, wenn sie einen Menschen gefunden haben mit dem sie ihr Leben verbringen wollen, und sich dann willentlich für ein Kind entscheiden, Pro’s und Contra’s abwägen, ihre Finanzen prüfen, sich mit der Frage beschäftigen ob noch ein weiteres – kleines – Menschlein Platz (im Sinne von emotional wie räumlich) in ihrem Leben hat, besser geeignet sind ein Kind groß zu ziehen, als alle anderen. Man weiß nie worauf man sich einlässt, welche Herausforderungen ein Baby mit sich bringt. Aber trotz all der Sorgen und Bedenken entscheiden sich immer wieder Menschen dafür. Ich frage mich auch hier: Rationale Gründe gibt es nicht so viele. Wir Menschen sind ein ziemlich dummes Volk, wir unterdrücken andere, führen vielfältig Krieg, begegnen einander mit Gewalt und Misstrauen, zerstören die Erde, Seelen und Hoffnungen. Und trotzdem: Es werden weiter Kinder geboren. Da sollte es doch völlig egal sein, ob die Eltern hetero- oder homosexuell sind. Neues Leben ist was großes, was schönes. Jede Geburt ist ein Neuanfang, ein Reset:
Dieser Mensch wird gütig sein und das Leben von anderen verändern, bereichern, vielleicht hat genau dieses Mädchen oder jener Junge eine tolle Idee wie wir gemeinsam besser miteinander zurecht kommen. 
Denn jedes Mal führt ein Kind zwei Menschen zusammen. Sollte noch ein Arzt mit im Spiel sein, ein Samenspender, eine Patchworkfamilie oder ein toller Freundeskreis, so wird diese Verbindung nur größer. Warum das etwas schlechtes sein soll, seh ich nicht ein.
Ich sehe in den Medien immer wieder Berichte über unzählige Singles, die angeblich zu hohe Ansprüche haben, über die Probleme von Paaren zu kommunizieren, Scheidungen en masse. Warum dann einer bestimmten Gruppe von Menschen einen Riegel vorschieben, die all das nicht möchten? Die sich dazu entscheiden, heiraten zu wollen, Kinder groß zu ziehen und gemeinsam zu leben.
Keiner will allein sein, kein Mensch denkt bei der Hochzeit an Scheidung. Vielleicht schwingt die Sorge mit „Was ist, wenn es schief geht?“ während man sich verspricht, es immer und immer zu versuchen, selbst wenn es schwierig ist. So habe ich die Ehe immer verstanden; ein Versprechen an sich und den Partner: Ich will es versuchen, ich will mich um dich bemühen.
Ja, die Menschen, die es miteinander versuchen, können böse auf die Nase fallen, scheitern, auseinander rennen und am Schluss getrennte Wege gehen. Die Menschheit gibt es aber immer noch. Und das Versprechen, dieser Versuch sollte jedem offen stehen. Diese Option kann niemals eine Niederlage sein.
~Carolin Hafen
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2 Kommentare

  1. Nun es ist ein Ideal , wenn ein Kind Vater und Mutter hat, es entspricht auch der Natur , daß aus Männlein und Weiblein ein Kindlein entspringen, es gibt aber auch Gegenbeispiele , daß sich in der Natur Geschlechter verändern und ähnliches. Wir wissen auch aus Erfahrung ,das viele der Mamas und Papas nicht dem Ideal entsprechen, und ihre Rolle nicht annehmen bzw. schlecht entsprechen , sei es weil sie ihrer „natürlichen Rolle nicht gewachsen sind oder sich einfach ihrer Verantwortung nicht bewusst waren. Warum sollte man also jemandem den Wunsch verwehren , Familie zu leben verwehren , der sich da mehr Gedanken darüber macht ?

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