Wichser. Drecksau. Arschloch.

Caro und wie sie die Welt sieht

„Tourette?“, möchte man da fragen.

Nein, keine Zwangsstörung. Nur Alltag. Im WeltWeitWald und auch auf dem alten Weib Erde ohne WLAN. Neulich habe ich mit einem guten Freund hitzig diskutiert. Es ging um Flüchtlinge und Smartphones. Er fragte, wozu ein Flüchtling ein Smartphone braucht. Das Thema ist emotional beladen und alles andere als einfach. Ich fuhr ihn an, im besten Recht:

„Um die Familie anzurufen, sofern sie noch lebt, du blödes Arschloch.“

Wumps, da hab ich es gesagt. Und stutzte. Ich hatte es nicht so gemeint. Und auch nicht sagen wollen. Zu ihm nicht, als gutem Freund. Zu niemandem, ganz allgemein.

Mein Vater würde auf meine übliche Aussage „War nicht so gemeint“ antworten: „Aber so gesagt.“ Und da hat er Recht. Als ich noch klein war, fügte er dann noch an: „Pass ein bisschen besser auf deine Worte auf“, als wären sie wie ich ein ungezogenes Kind. Seit ein paar Jahren sagt er das nicht mehr. Aber ich habe seine Stimme immer noch im Ohr. Das ist wohl Erziehung, wenn das Gewissen wie der Vater klingt.

Dem Freund schrieb ich am Abend noch eine SMS: „Tut mir leid, dass ich dich beschimpft habe. Das wollte ich nicht, das ploppte unerlaubt aus mir raus.“

Die Antwort war schlimm, wirklich schlimm. Schlimmer, als ein Tut mir leid nach einem Streit je sein kann.

„Wann hast du mich beschimpft? Was hast du gesagt?“

Soweit sind wir, dachte ich traurig. Ich sage ihm „Arschloch“ und er bemerkt es kaum.

Link: Tourette-Syndrom / Wikipedia 

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4 Kommentare

  1. Ich weiß, dass Thema des Posts ist ein anderes, aber zum Flüchtlingsthema würde ich ihn auf meinem SMARTPHONE das hier lesen lassen:
    https://www.wired.de/collection/latest/ohne-smartphones-hatten-fluchtlinge-kaum-eine-chance-sagt-der-migrationsforscher

    Zum eigentlichen Thema: Es gibt diese 100% Freundschaften nicht. Ich habe zu meinen Freunden im Streit oder in Rage oder aus Gründen die ich selbst nicht immer weiß schon schlimmere Dinge gesagt. Das Besondere einer Freundschaft ist halt, dass sie das aushält. Macht es Freundschaft nicht in der Tat aus, dass diese Dir Arschloch sagen, wenn Du Dich so benimmst?

    Und in der Regel keine formelle Entschuldigung braucht.

    1. Ich verstehe was du meinst.
      Ich möchte mit meinen Freunden aber so nicht umgehen. Ich will in meinem Alltag nicht mit Schimpfworten um mich schmeißen, nur weil ich meine im Recht zu sein. Und mal unter uns; ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mich entschuldige nach einer verbalen Inkontinenz. 😉

      1. Entschuldigen ist ok.

        Wenn ich noch weiß was der andere meint, merkt er es zwar nicht, aber durch seine Entschuldigung geht’s mir doch besser und ich weiß wieder oder um so mehr, das ich und meine Meinungen, vielleicht gar mein Weltbild, demjenigen wichtig ist.

        Das ist die eine Seite – Aber!

        Ich wäre peinlich berührt, wenn ich merke das mein Kommentar unüberlegt, vielleicht gar arrogant wäre (DAS kam schon oft vor). Aber ich bin auch (SPÄTER irgendwann) dankbar, das mir das einfach mal ganz deutlich gesagt wurde. Bei meinem besten Freund ist das oft der Fall… Vor allem wenn er betrunken ist. 😉

        Auch wenn „es sich nicht gehört“ und du deinem Gegenüber ein „schlechtes Gefühl“ geben könntest; du hast es gesagt weil du das bist, ohne nachzudenken. Daher kann ich meinem Vorredner nur zustimmen…

      2. Ich verstehe was Du meinst. Doch Freunde und Ihre Meinungen interessieren und kümmern uns besonders, daher kommt man dort eher mal in die „Not“, viel emotionaler zu sein, als man das im Alltag sonst vielleicht wäre. Freundschaften (müssen) das aushalten. Auch die emotionalen Diskussionen.

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