Gefühlt Mitte Zwanzig

Ich habe mir gestern den Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ [Link Imdb] angesehen und wollte hinterher noch g´schwind eine Bewertung abgeben, was mir selten ein Bedürfnis ist. Dann bin ich erschrocken über die schlechten Rezensionen bei iTunes. Warum schreiben so viele, der Film sei langweilig? Ich rutsche in solchen Situationen gern in die leichte Antwort ab;

Mei, die sind halt doof.

Aber so einfach ist es selten im Leben.

Ich möchte jetzt nicht spoliern und auch nicht plump schreiben, der Film ist NICHT langweilig. Aber es ist mir ein Bedürfnis, ihn weiter zu empfehlen. Leuten, die gerne leise Töne mögen, und nicht dieses große Klimbim der Hollywood-Schinken, die man alle austauschen kann. Für gewöhnlich läuft das doch so: Ein Pärchen hat keine Kinder. Dieses Pärchen findet alle anderen und ihre Kinder scheußlich. Dann gibt es große Verwirrung, viel Streit, Trennungen und eine große Geste am Schluss, warum man nun doch zusammen bleiben muss und Kinder das höchste Gut aller Zeiten ist.

Hier ist es komplexer. Nicht zu komplex, es ist immer noch ein Film, eine Geschichte, die ich mir zum Vergnügen ansehe. Keine Raketenwissenschaft.

Josh und Cornelia sitzen ihren Freunden gegenüber, die gerade ein Kind bekommen haben und den üblichen Blödsinn plappern: Wie großartig es ist ein Kind zu haben, und dass sie auch unbedingt eines bekommen müssen. Jetzt ist hier nicht das Wollen das Problem, sondern das Können. Cornelia kann keine Kinder bekommen. Josh und sie haben sich mit dieser Situation abgefunden und arrangiert. Trotzdem kommt Neid auf. Die haben eins, wir nicht. 

In diese Situation platzt ein neues Pärchen hinein, Jamie und Darbie. Sie sind jung, spontan und leben den Moment. Dieses beschissene Klischee, dass man jungen Leuten immer auf die Stirn klebt. Nun wird Josh und Cornelia klar wie fest gefahren sie sind, im Job und ihrem Leben. Josh versucht seit zehn Jahren einen Film abzuschließen, die letzte Reise ist auch schon eine Weile her, um elf liegen sie im Bett und wollen auch sonst nicht mehr viel. Josh und Cornelia sitzen also genau in der Mitte zwischen dem Erwachsen sein und fest stellen, dass man nicht mehr einfach alles tun kann und diesen jungen Leuten, die sie noch gerne wären. Das geht nicht gut, wie auch? Da sitzt Cornelia plötzlich in einem Kleinkind-Musik-Kurs und Josh holt sich eine Zerrung beim Rad fahren. (Ich habe sehr gelacht!)

Jedenfalls. Ich will jetzt gar nicht zu weit ins Detail gehen. Leben ist das was passiert, während man plant. Das ist ein Satz den Josh sogar im Film sagt – er sagt ihn zu mir, als Zuschauer und leitet ein, dass hier etwas passieren wird, das ich nicht erwartet habe. In diese ganze Konstellation schleicht sich noch ein Betrug ein. Ein kleiner, nicht weltbewegend. Es gibt also kein großes Hollywood-Kapau mit Pauken und Trompeten und klarer Linie, wer hier der Böse, der Gute und wer Statist ist. Ich mag diese leisen Töne. Mir kommt es ehrlicher vor. Kein Mensch ist nur gut oder nur schlecht.

Die Freunde beichten also, dass ein Kind haben nicht die pure und einzige Freude ist: Es wird irgendwann besser. Sagen sie. Josh hilft seinem neuen Freund Jamie bei seiner Karriere, bei dessen Film, als könnte er dem jüngeren ins Erwachsen sein hinüber helfen. Derweil hält der Vater von Cornelia eine schöne Rede  über das Echt-sein im Leben und ob man selbst die wichtigste Person in der eigenen Geschichte ist oder nicht. Objektiv betrachtet. Aber mal ehrlich, wer will sein Leben denn objektiv betrachten?

Und so endet der Film ohne Kapau. Am Schluss dachte ich noch: Lieber Ben Stiller, was ist passiert? Ich erinnere mich an Sachen wie Zoolander oder Tropic Thunder. Und nun das? Bist du auch erwachsen geworden?

Ben Stiller gefiel mir schon in „Walter Mitty“ ausserordentlich gut. Tolle Musik, tolle Bilder, eine leise Geschichte über einen Typen, der gerne eine große Nummer wäre, und dabei nicht merkt, dass er schon großartig ist.

Ja, sowas will ich sehen. Gerne mehr. Das ist kein bisschen langweilig.

 

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