Match Point

Gemäß meinem Vorsatz, mir Filme mit und von Woody Allen anzuschauen, habe ich mir „Match Point“ angetan, der lief neulich im TV. Ich bin sehr froh, dass „Der Stadtneurotiker“ mein erster Allen-Film war und nicht „Match Point“, sonst würde ich mir nie wieder ein Werk von Woody Allen antun. Vor dem Fernseher ergriff mich blanker Hass. Wegen der Darsteller und der Story und den Figuren, die ich weder mochte noch verstand. Aber der Reihe nach.

Das Drama hat drei Akte. Im ersten Teil meint man als Zuschauer in einem Rosamunde Pilcher Film gelandet zu sein, es wird wild geknutscht, im Regen, in einem Weizenfeld. Die beiden Chaoten, (Jonathan Rhys Meyers und Scarlett Johansson) sind beide in festen Beziehungen, man ahnt: Das wird nix mit den zwei, und wenn doch, dann nur mit großem Drama. Nun will der gute Chris (Meyers) aber gar nicht aus seinem gemachten Nest.

Im zweiten Akt verlassen wir das stürmische Liebesparadies, es wird tragisch. Mich deprimiert es ungemein, Menschen –  selbst wenn sie fiktiv sind – dabei zuzusehen wie sie die bequeme zweite Wahl heiraten und eigentlich gern anders leben & lieben würden. Ich fing an die Figuren zu bemitleiden. Als Chris seinem Freund sein Dilemma erklärt (sein Leben mit Ehefrau ist komfortabel, der Sex mit der Geliebten gut, er will gar nichts ändern), da dachte ich: Du elendes Misthaufenhuhn. Da kam also der Hass ins Spiel.

Der dritte Akt wird eröffnet, und nein, ich spoilere jetzt nicht. Nur so viel: Mein Fernseher hat verdammt viele Schimpfwörter gehört, die ich alle nicht in dieses Internetz hineinschreiben werde. Für mich funktioniert der Spagat zwischen Liebesschnulze und Krimi nicht. Ich will das eine oder das andere, und das bittedanke mit vorheriger Ankündigung. Mitten drin das Genre wechseln ist uncool. Mal abgesehen davon, dass es nun offiziell ist: Ich mag weder Scarlett Johansson noch Jonathan Rhys Meyers als Darsteller.

Einzig die Kulisse, London, war schön.

 

So, wenn du jetzt einige WA-Filme kennst und wild protestieren möchtest, dann empfehle mir bitte einen  Film, der weder mehrere Genre bedient, keine unsympathischen Figuren aufweist und mehr wie der Stadtneurotiker ist. Denn sonst sehe ich schwarz für meine Woody-Allen-Filmliste. Menno.

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15 Kommentare

  1. 🙂 Ich finde, dass allein die Tatsache, dass man sich so sehr über diesen Film und seine Figuren aufregen kann, schon zeigt, wie gut er gemacht ist. Eine großartige, gallige Satire auf Eliten und das englische Establishment, finde ich. 😉

    1. Hui, da muss ich aber widersprechen. Zum Glück ist das alles Ansichtssache. 🙂 Die Tatsache, dass ich mich so aufrege, bedeutet genau das Gegenteil. Ich sehe in dem Filme weder eine Satire, noch das englische Establishment. Die zwei Hauptfiguren würden gern zur High Society gehören, schaffen es aber beide nicht – wobei sich mir nicht erschließt warum sie in diesen Kreisen verkehren wollen. Chris hatte als Tennisleher kein schlechtes Leben und in den Banker-Job wurde er hinein gezwungen. Seine Motivation konnte ich bis zum Schluss nicht nachvollziehen. Aber ich bin neugierig: Wie kommst du (für dich) zu dem Schluss, der Film sei gut gemacht?

      1. Aus denselben Gründen wie Du, dass er mies sei. Selbstdarstellung, die Verkörperung eines bestimmten Images sowie Status und das Sich-Erheben-über-Andere sind leider etwas, das viele Menschen als erstrebenswert betrachten. Vielleicht nicht Du oder ich – aber sehr viele Menschen, besonders jüngere. Im Film sieht man dies in einer altmodischen, typisch britischen Version, zu deren Set eben immer auch das nicht standesgemäße, aber irgendwie coolere amerikanische Pendant gehört, genauso wie der nicht standesgemäße einheimische Emporkömmling. Die Kälte, mit der dieser seinen Aufstieg inszeniert, hat er sich von den Snobs abgeschaut. Echte Gefühle hat in dem Setting – wenn überhaupt – nur der Johansson-Charakter. Und das ist schon wieder eine – wie ich finde – amüsante Spitze gegen das britische Klischee vom emotionalen, unreifen und vor allem schlecht erzogenen Amerikaner.
        Darüber hinaus finde ich es mutig, einen Film nur mit Arschloch-Charakteren zu drehen – ohne Sympathieträger oder Identifikationsfiguren. 🙂

      2. Den Mut so einen Film zu erzählen, kann ich anerkennen, auch wenn Geschichten mit unsympathischen Figuren für mich nicht funktionieren. Siehe auch: „Warum ich Walter White nicht leiden kann.“ Geschichten wie diese deprimieren mich ungemein. Wenn ich abends einen Unterhaltungsfilm einschalte, und dann nicht unterhalten werde, fühle ich mich betrogen. Ich hätte gern, am Ende, in irgendeiner Form einen Zugewinn. Aber das ist wohl naiv.

        https://zweifragezeichen.wordpress.com/2014/05/05/warum-ich-walter-white-nicht-leiden-kann/

      3. Desillusionierung ist irgendwie auch Zugewinn. Ich mag z.B. keine Unterhaltung, die nicht runterzieht. Da fühl ich mich unterfordert (und irgendwie auch verarscht). 😉

  2. „Manhattan“ dürfte dir zusagen. Und von den neueren „Vicky Cristina Barcelona“. Ach Moment, da spielt ja auch Scarlett Johansson mit. Also eher doch nicht.

  3. Hossa. Ich kenne von W.A. nur „Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen gewagt haben“. So ein Episodenfilm für irgendwie Bekloppte. Ich fand ihn wunderbar schrullig.
    Liebe Grüße
    sanne

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