#tbt – Familienkram

VON CAROLIN HAFEN

Mein Bruder reicht gerade mit der Nasenspitze über die Tischplatte, als er mit erhobener Faust von unserem Tisch zu dem der Nachbarn tappt.
´Tschuldigung, derf i bei Ihnen mei Kerz’ a´brenna?
Das Ehepaar starrt entgeistert auf das blonde Kind.
Wie bitte?, fragt der Mann höflich in Richtung meiner Eltern.
Meine Mutter, des Hochdeutschen mächtig, übersetzt: Er möchte seine Kerze bei ihnen anzünden.
Aha, brummt der Mann, immer noch ratlos. Was macht man mit einem Kind, das nach Feuer fragt? Darf man dem so nachgeben?
Derf i?, fragt mein Bruder erneut. Das Kinn gereckt, die Faust immer noch zur Kerzen-Revolution erhoben. Die Frau erbarmt sich, und mein Bruder darf endlich. Er strahlt über das ganze Gesicht. Er trägt sein Feuer an unseren Tisch, als wäre es olympisch, meine Mutter würde ihm Gold um den Hals hängen, wenn sie welches parat hätte. Er setzt sich, die Ordnung ist wieder hergestellt, jeder Tisch im Wirtshaus ist mit einer brennenden Kerze ausgestattet, jetzt darf es um das Essen gehen.

 

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