Autorenwahnsinn – Tag 17

Tag 17: Was war dein bisher bestes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Schreiben?
War es eine Buchmesse? Dein erster Vertag? Das Erscheinen deines ersten Buches?

 

Mein bestes Erlebnis? Und jetzt soll ich mich für eine tolle Sache entscheiden, obwohl schon ganz viel passiert ist? Ich würde nun gern den Weg skizzieren, vom Wunsch zu schreiben, über den Kauf des ersten Notizbuches – ich meine, das erste, dass ich nutzen wollte um wirklich zu schreiben – hin zum ersten Text, den man endlich als als Kurzgeschichte bezeichnen konnte. Und dann, das erste Manuskript angefangen und beendet, das erste Scheitern, das erste Aufrappeln nach dem Scheitern, und das zweite, dritte, vierte. Viele Male. Ich habe weiter gemacht, geschrieben, Postsendungen verschickt, Lesungen besucht, dann selber gestaltet. Meine erste Veröffentlichung. Erst kurz, dann die lange Form. Das waren alles großartige Erlebnisse, schöne Momente, Meilensteine.

Okay, ich entscheide mich für eine Sache, weil sie mir als erstes einfiel, und nicht, weil es vielleicht das beste Erlebnis war. Wenn man schreibt, muss man nicht unbedingt auf eine Bühne. Man kann jahrelang und ungesehen schreiben, sogar veröffentlichen, mit seinem Namen, unter Pseudonym, digital und auf Papier. Als Teenager verschlug es mich über Umwege in die Theater-AG meiner Schule. Ich mochte das; gesehen werden. Jemand anderes sein. Das machte ich schon zwei oder drei Jahre, bis jemand vorschlug ein Stück selber zu schreiben. Ich weiß gar nicht mehr, ob unser Lehrer die Idee hatte oder die Gruppe. Es ist auch egal. An dem Tag, als die Idee auf dem Tisch lag, wie Kekse auf einem hübschen Teller, da griff ich zu. Ich hatte damals noch keinen eigenen Computer, aber mein Bruder hatte einen. Ich haute einen Nachmittag lang in die Tasten, schrieb und fasste all meine Ideen zusammen, mit Dialog und allem drum und dran. Dieser erste Entwurf war gelinde gesagt grottig, aber das ist nicht der springende Punkt an der Sache. Aus dieser Idee wurde ein Theater-Stück. Die Gruppe arbeitete zusammen, entwarf Ideen, ein Bühnenbild, Figuren und eine Handlung. Plötzlich war mir gar nicht mehr so wichtig AUF der Bühne zu stehen, aber ich wollte die Geschichte auf die Bühne bringen. Ich wollte erzählen.

Aus heutiger Sicht glaube ich, es ist kein Zufall, dass ich bei der get shorties Lesebühne gelandet bin. Diese Mischung aus Kabarett und Literatur passt zu mir, ich passe da rein, das ist eine runde Sache. Aber auch das ist noch nicht das Erlebnis, das ich erzählen möchte. Jahre und viele Texte später bewarb ich mich für eine Ausschreibung der Zentralschweizer Literaturtage. An diesen Punkt kommt wohl jeder*e Autor*In mal, sich an Ausschreibungen und Wettbewerben zu versuchen. Das Thema lautete „Hymne an die Nacht“ und ich reichte einen Text ein.

Die sechs Finalisten wurden zu den Literaturtagen eingeladen, aber nicht um selbst zu lesen. Damals hatte ich mich schon von der Bühne verabschiedet, ich wollte keine Schauspielerin sein und zweifelte daran, je meine Nervosität in den Griff zu kriegen. Ich war mir sicher: Ich werde nie souverän auf einer Bühne einen Text von mir vorlesen können. Auf einer Bühne zu stehen war schrecklich für mich. Ich wollte da hin, schien aber keinerlei Talent dafür zu haben.**

Und dort, in der Schweiz, nahm man es mir ab, das Lesen. Zwei Schauspieler und ein Piano standen auf der Bühne. Und mein Text – ich hatte es unter die sechs Finalisten geschafft – wurde dort gespielt. Die beiden Schauspieler, ich weiß ihre Namen nicht mehr, als wäre das hundert Jahre her – lasen meine Kurzgeschichte, nein, sie interpretierten sie. Er war der Sohn in der Geschichte, sie die Mutter und zwischen den Absätzen spielten sie auf dem Piano eine kleine, leichte Melodie.

Ich hoffe, dass ich irgendwann die Chance bekomme, wieder auf eine Bühne zurück zu kehren. Genau so. Das war perfekt. Meine Wörter auf einer Bühne, ganz ohne mich.

C.

 

 

 

 

**Heute  lese ich regelmässig auf einer Bühne. Die get shorties haben mir die Zeit gelasen, mich einzugewöhnen, die Nervosität abklingen zu lassen und Überrschung! Man wird nicht gesteinigt, wenn man sich mal verliest. Dieser Prozess hat Jahre gedauert, aber jetzt bin ich hier. Und ich habe keine Ahnung, wo der Weg noch hinführt. Das finde ich sehr schön. 🙂

 

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