Birnenkuchen mit Lavendel

 

Ich war kurz versucht zu schreiben „Pierre leidet an Asperger-Autismus“. Aber das ist Quatsch. Er leidet ja nicht. Man kann an Krebs leiden, oder an Weltekel. Piere ist Piere und schon im Trailer hat er mein Herz erobert. Dann habe ich mir den ganzen Film angeschaut und nun geistert er schon seit Wochen in meinem Hirn herum. Ich konsumiere viel: Filme, Serien, Bücher. Selten habe ich das Bedürfnis mich an den Computer zu setzten und dir davon zu erzählen. Ich erzähle dir ja auch nicht von jeder Mahlzeit, oder jedem Sonnenuntergang, auch wenn ich beides täglich erlebe. (Meistens schön. 😉 ) Es muss dann doch etwas besonderes sein, in die ein oder andere Richtung. Jedenfalls. Über Pierre denke ich nun schon eine Weile nach. Ich mag Indie-Filme. Ich mag Geschichten Abseits der Norm. Mich interessiert es, wie eine Gesellschaft ihre Aussenseiter sieht und behandelt. Oft werden ja Leute zu Aussenseitern gemacht, und wenn sich alle Beteiligten weniger blöd anstellen würden, wären die Aussenseiter gar keine. Piere ist auch keiner. Eigentlich.

Louise ist Witwe mit zwei Kindern. Natürlich mit Geldsorgen. Sie kämpft um ihr Haus, ihre Obstplantage, ihr Leben.

Pierre ist Asperger-Autist und will eigentlich nichts. Er ist mit sich und der Welt im Reinen. Eigentlich. Seine Mutter ist verstorben, und er soll in eine therapeutische Einrichtung umziehen. Er will da natürlich nicht hin und lebt statt dessen hinter einem Bücherregal in einer Buchhandlung. (Kein schlechter Ort zum leben, finde ich.)

Louise fährt Pierre, (wie soll es anders sein, die Liebe ist ein Schlag in die Magengrube), mit dem Auto über den Haufen.

Mehr sage ich jetzt gar nicht zur Handlung, die Ausgangssituation ist hübsch und klar. Ich mag den Film (und werde ihn mir auch nochmal ansehen), weil es eine Liebesgeschichte ist, in der sich die Figuren nicht verbiegen, weil es nicht das erklärte Ziel ist, Männlein und Weiblein zusammen zu führen um ewiglich glücklich zusammen zu leben. Ich mag das Ende. Das ist wohl das Wichtigste. Bei Indie-Filmen verkacken die Macher so oft das Ende, weil sie am Schluss doch noch in die Mainstream-Schiene rutschen oder weil ihnen die Ideen ausgehen. (Schlimmes, schlimmes Beispiel: Coconut Hero. Unglaublich gestelzte Dialoge, absehbares plattes Ende. Den halben Film verbrachte ich kopfschüttelnd und den Fernseher anmaulend.) Jedenfalls.

Pierre und Louise retten die Birnbäume vor dem Frost, das sind unheimlich schöne Bilder, die mich sehr ansprechen. Und dann retten sie sich gegenseitig, auf ihre eigene Art. Das ist sehr schön anzusehen. Like.

 

Link: Imdb

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3 Kommentare

  1. Der Filmtitel hat mich spontan an einen anderen Film, mit gänzlich anderem Kontext, erinnert: „Huhn mit Pflaumen“… Was für Assoziationen man doch manchmal hat. 🙂

      1. Marjane Satrapis erster Realfilm nach dem sehenswerten ‚Persepolis‘. Etwas schräge Charaktere (wie im Comicdebüt ja auch), aber eine eher konservativer Filmstil. Als Abendunterhaltung zum Ausklang aber durchaus ansehbar… 🙂

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