Zwei Fragezeichen an Allan Ballmann

Zwei Fragezeichen

Zwei Fragezeichen

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Über Allan Ballmann

© Allan Ballmann

Geboren am 26.Februar 1963 in Wattenscheid, dort auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Abitur an der Märkischen Schule.

1985 begann ich die Ausbildung bei der Polizei NRW. Danach war ich im mittleren Dienst, mit Hundertschaft und Streifendienst, eingesetzt. Anschließend erfolgte das Auswahlverfahren in Münster für die Zulassung des Studiums zum gehobenen Dienst.

1997 habe ich an der Fachhochschule Dortmund mein Diplom als Verwaltungswirt abgelegt. Nach dem Studium bis Ende 1998 war ich als Kriminalkommissar beim Landeskriminalamt Düsseldorf im Bereich „Auswertung Falschgeld“ tätig.

Seit Ende 1998 bin ich beim Polizeipräsidium Bochum in einer Fachdienststelle der Kriminalpolizei tätig und bearbeitete dort Betrugsdelikte. Seit dem 01.01.2016 bin ich im Bereich der Internet- und Computerkriminalität tätig.

Die Ernennung zum Kriminalhauptkommissar erfolgte im Jahr 2008.

Ich habe mich aus zwei Gründen für einen Kriminalroman entschieden. Der erste Grund ist natürlich mein Beruf und die Tatsache, dass ich mich mit der Materie ein wenig auskenne.

Der anstehende runde Geburtstag meiner Frau war der zweite, vielleicht sogar intensivere Grund für meinen Roman. Sie liebt Kriminalromane und ich wollte ihr ein besonderes Geschenk machen, ein ihr gewidmetes Buch aus der Feder ihres Mannes.

Ich habe ein gutes Jahr vor dem Geburtstag angefangen und mit Schrecken feststellen müssen, dass dieser Zeitrahmen doch sehr optimistisch ausgelegt war. Das Buch war nicht zu meiner Zufriedenheit fertiggestellt und musste ihr ein Exemplar drucken lassen, das mich nicht wirklich glücklich machte. Erst ein halbes Jahr nach dem Geburtstag war ich mit dem Buch zufrieden.

Noch während des Schreibens stellte ich fest, dass ich „Testleser“ und ein Feedback brauchte und bat daher immer wieder Freunde, und Bekannte, einzelne Passagen zu lesen. Die Hinweise, Korrekturen und Anmerkungen habe ich in vielen Bereichen dankbar angenommen und umgesetzt. Die Rückmeldungen waren meist positiv, jeder wollte mehr lesen und wissen, wie die Geschichte weitergeht. Dies war dann ein zusätzlicher Ansporn für meine schriftstellerischen Gehversuche.

Ich habe mich mit einem Kollegen, einem ehemaligen Leiter der Dienststelle für Tötungsdelikte, Herrn Axel Pütter, siehe Rowohlt-Verlag, „15 Morde und andere Todesfälle“, zusammengesetzt, um mögliche Fehler bei der Arbeit einer Mordkommission zu vermeiden. Ich hatte die Sorge, dass ich rechtliche oder taktische Fehler eingebaut oder Ermittlungstätigkeiten übersehen oder falsch interpretiert habe. Glücklicherweise war dies nicht der Fall.

Über den Verband freier Lektoren und Lektorinnen habe ich Herrn Dr. Weinreich kennengelernt, der glücklicherweise in Wattenscheid wohnt. Dieser erstellte ein äußerst positives Gutachten, das mich selbst unglaublich überraschte. Er wollte nicht glauben, dass ich nie zuvor geschrieben habe und bat mich, damit nicht aufzuhören.

Der Anfang der Geschichte basiert auf einen wahren Vorfall.

Ich wurde 2013 bewusstlos in unserem Haus aufgefunden und erwachte ohne Erinnerung im Krankenhaus. Die Bewusstlosigkeit dauerte gut zwei Tage. Nach dem Aufwachen wusste ich weder meinen Namen, noch mein Geburtsdatum oder den Namen meiner Frau. Ich hatte/habe keine Erinnerung daran, was passiert war. Erst ein oder zwei Tage nach dem Aufwachen setzten die Erinnerungen wieder ein, doch es blieb, bis heute, ein Blackout von einer Woche. Die Erinnerungen kehrten bis heute nicht zurück.

Dies fand ich als perfekten Einstieg in die Geschichte. Die Darstellung meines Erwachens, meiner Verwirrtheit und meiner Sorgen nahm ich als Aufhänger und versuchte, diese Verwirrtheit und dieses Chaos dem Leser nahe zu bringen.

Das Ergebnis ist eine fiktive Geschichte um dieses Ereignis herum.

 

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Allan, du bist schreibender Polizist mit einem Debüt-Krimi. Da drängt es sich ja förmlich auf zu fragen: Du bist nach Dienstschluss immer noch Ermittler? Es ist also alles echt und genau so passiert? Hm? Wo fängt Kriminalhauptkommissar Schramm an und wo hört Allan Ballmann auf?

 

Es mag unglaublich klingen, aber wir Ermittler von der Kriminalpolizei, vielleicht auch die gesamte Polizei, haben irgendwann auch mal Feierabend….. Ich renne nicht durch die Gegend oder halte mich bei Freunden und/oder Bekannten auf und registriere sofort jede Straftat oder halte danach Ausschau. Es ist mir ehrlich gesagt, auch egal, ob da gerade einer eine Raubkopie auf seiner Anlage spielt oder die Kinder kopierte Walt Disney Filme gucken. Sicherlich bin ich nicht päpstlicher als der Papst. Viele, die mich/uns nicht kennen, denken aber, dass wir ständig im Dienst sind und sofort ein Fass aufmachen. Aber bei gewissen Dingen bin ich bereit, jederzeit dienstlich zu werden. Kindesmissbrauch, Körperverletzungsdelikte und solche Sachen. Da wird keiner von uns wegsehen und auch einschreiten. Aber ich mache mir in meiner Freizeit keine Gedanken mehr über meine Fälle oder ermittle privat. Die Arbeiten in einer Mordkommission beschäftigen mich aber auch privat. Diese Fälle (besonders die schlimmen Dinge (s. Mord in der Rottstraße an alten Leuten oder die Kindstötung in Herne mit der Veröffnetlichung der Bilder des toten Jungen im Netz) kann man einfach nicht abschalten. Die Kreisen mir auch in meiner Freizeit im Kopf herum. Dann aber immer mit den Fragen, ob wir etwas übersehen haben oder ob wir noch etwas machen können? Woran müssen wir noch denken? Wer kann uns helfen? Ist der Fall aber abgeschlossen, versuche ich die Erinnerungen zu löschen (gelingt aber leider auch nicht immer).

Vielleicht konnte ich dir den Unterschied vom Hauptkommissar und dem privaten Allan etwas näher bringen.

Der Einstieg in mein Buch stellt ein reales Erlebnis dar (s. Vita). Ich habe es leider so erleben müssen und bis heute keine Erklärung für diesen Vorfall. Daher ist der Beginn der Geschichte in der Ich-Form und kursiv geschrieben. Es sollte für den Leser deutlich werden, dass ich hier einen wahren Vorfall beschreibe. Danach fängt die frei erfundene Geschichte an. Manche Fragen, die Schramm von Arzt oder Claudia gestellt bekommt, sind tatsächlich so gestellt worden (Wo ist das Auto? Welches Jahr haben wir? usw.). Mir ging es aber um die Aufwachphase, die ich so deutlich machen wollte. Die Morde, die Erpressung, Anatol usw. sind natürlich frei erfunden. Ich habe mir geschworen, keine realen Fälle aufzugreifen. Genau erklären kann ich das eigentlich nicht. Vermutlich bin ich zu nahe am Geschehen und könnte mit meinen Schilderungen den Opfern und Hinterbliebenen noch einmal weh tun. Dies will ich auf keinen Fall und daher werde ich auch zukünftig auf reale Fälle verzichten.

Ich kann nur schwer Abgrenzungen zu den Figuren und mir treffen. Schramm wird bestimmt mehr Gemeinsamkeiten mit mir aufweisen als Anatol. Aber ich glaube, dass jede Figur etwas vom Autor in sich trägt. Ich kann mir kaum vorstellen, absolut unbeeinflusst von meiner Person einen Charakter zu erschaffen, der absolut nichts mit mir zu tun hat. Wahrscheinlich ist dies unmöglich. Sogar erfundene Serienmörder werden Züge des Autors aufweisen, nicht die Mordlust, aber vielleicht die Geduld, der Wunsch nach Planung, Ängste oder wer weiß was. Ich habe einmal an einem Experiment teilgenommen. Wir sollten die postiven Eigenschaften einer Person beschreiben, die wir nicht mögen. Das haben wir auch gemacht und unsere Beschreibung (ohne Namensnennung) abgegeben. Wir waren sehr erstaunt als uns der Psychologe erklärte, dass wir damit uns selbst beschreiben oder beschreiben, wie wir sein wollen. Überraschender Weise hatte er meistens richtig gelegen. Daher glaube ich, dass jeder Charakter in einem Buch auch etwas über den Autor verrät. Ich bin auch so hartnäckig und sturr wie Schramm, verlasse mich lieber auf mich und bin neugierig wie ein altes Waschweib …

Wo hört Allan auf? Schwierige Frage. Ich kann mir nicht vorstellen, an einer Erpressung mitzuwirken oder einem Mord. Oder korrupt zu sein. ABER … da ist die Sache mit der Apotheke und den Pferden. Ich habe viele Abgründe gesehen und bin mir sicher, dass jeder Mensch zu Dingen fähig ist, die man vorher nicht für möglich hielt. Für niemanden würde ich eine Hand ins Feuer legen, weder für mich, noch für meine Frau oder Eltern oder sonstigen Menschen in meiner Umgebung. Das ist auch der Konflikt, den Laumann in sich trägt und der ihm zu schaffen macht (auch wenn er es besser wissen müsste).

 

 

Und dann: Du schreibst (ohne Vorkenntnisse?) einfach ein Buch, findest einen Verlag und dann Leser? Wie hast du das angestellt?

 

Diese Frage wird mir häufig in den Lesungen gestellt und ich kann keine Antwort geben. Ich weiß einfach nicht, wie ich auf die Idee mit dem Buch gekommen bin. Es sollte nur ein Geburtstagsgeschenk für meine Frau werden. Wirklich, ich habe keine Ahnung und bin nur froh, dass mir nicht eine Oper in den Sinn gekommen ist. Natürliche lese ich sehr gerne und schaue auch gerne Filme, aber das kann auch kein richtiger Grund sein. In einer Lesung habe ich mal gesagt, dass es wie mit einer schlechten Melodie war. Man kriegt diesen Song, so schrecklich er auch ist, einfach nicht aus dem Kopf. So erging es mir mit dem Buch. Ich habe mich an den Rechner gesetzt, Word aufgemacht und losgelegt (März 2014). Von nix eine Ahnung (und davon jede Menge), aber voller Euphorie und Tatendrang.

Ich habe dann einzelne Passagen weitergereicht und mir Rückmeldungen geholt, die sehr positiv ausfielen. Da ich aber ein sehr skeptischer Mensch bin (insbesondere wenn es um mich geht), habe ich alles zur Kenntnis genommen und abgelegt. Es sollte ja nur ein Exemplar für meine Frau werden, also konnte ich mich kaum blamieren. Ich habe auch immer gedacht, welcher Freund wird mir schon die Wahrheit sagen? Hätte ich einem Freund sagen können, er soll das Manuskript in die Tonne werfen und doch lieber einen Ring kaufen? Wahrscheinlich nicht, also habe ich das so zur Kenntnis genommen, mehr nicht.

Zum Geburtstag habe ich dann ein Exemplar erstellt. Ein richtiges Buch mit Cover, Danksagung und alles, was so dazu gehört. Natürlich war die Geschichte etwas anders und bei weitem nicht so professionell wie bei der Veröffentlichung – aber immerhin. Meine Frau war begeistert und wollte unbedingt Exemplare drucken lassen, als Geschenk für Freunde oder Bekannte zu besonderen Anlässen. Das war mir aber dann zu teuer und so habe ich Axel Pütter angesprochen. Er war jahrelang Leiter einer Mordkommission und als ich ihn ansprach, Leiter der Pressestelle des PP Bochum. Er hatte bereits ein Buch veröffentlicht und ich wollte seinen Rat. Ich ging aber davon aus, dass er selbst veröffentlicht hat. Erst im Gespräch wurde mir bewußt, dass er über einen Verlag veröffentlicht hat. Er hat sich das Buch gegriffen, war total aus dem Häuschen und schlug mir vor, einen Verlag zu suchen. Einige Tage habe ich überlegt (April 2015). Das habe ich ja gar nicht gewollt und ich war mir nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Nach einer Woche habe ich dann zugesagt, aber es war zu spät – Axel hatte es schon zwei Verlagen vorgelegt. Im Juni 2015 habe ich den Lektor mit dem Gutachen beauftragt. Der gab es dem Lübbe Verlag, der aber erst 2018 oder 2019 mit dem Buch auf den Markt wollte. Im Dezember 2015 kam dann der Gardez! Verlag. Ich kann dir aber nicht sagen, woher sie von dem Manuskript wußten, sie haben es mir nie erzählt und weichen der Frage bis heute aus. Kurz nach Weihnachten erhielt ich den Vertrag zur Prüfung, den ich im Januar 2016 unterschrieben habe. Im Juni 2016 kam das Buch auf den Markt. Aus Dankbarkeit für die Bemühungen habe ich den Axel als Co-Autor aufgenommen, er hat aber keine Zeile geschrieben und erhebt auch keine Ansprüche.

So bin ich zum Buch und zum Verlag gekommen.

Heute bin ich froh, ein Buch veröffentlicht zu haben. Ich durfte eine ganz neue Welt und viele interessante Menschen für mich entdecken. Es macht viel Spaß, sich mit Menschen auszutauschen, über das Buch zu diskutieren, über meine Erlebnisse zu sprechen. Bochumer Autoren durfte ich kennenlernen und plane mit ihnen gemeinsame Projekte. Die schlechten Erlebnisse in den Foren habe ich weggeschlossen und habe mir den Spaß erhalten.

So liegt jetzt die Fortsetzung beim Verlag zur Entscheidung. Meine Frau ist ganz begeistert und findet es sogar besser (soll ich das glauben?). Und ich habe ein drittes Buch angefangen. Es wird aber kein Laumann werden, da ich kein Fan von Serien bin. Solange meine Frau Spaß an meinen Geschichten hat, werde ich wohl weiterschreiben. Wenn sie mir ein Manuskript mit der Bemerkung „Scheiße“ an den Kopf wirft, höre ich auf. Man kann daher durchaus sagen, dass ich noch immer für meine Frau schreibe. Wenn ich andere Leser ebenfalls begeistern kann, umso besser.

 

 

 

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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PS: Möchtest du an der Interview-Reihe „Zwei Fragezeichen“ teilnehmen?

Dann schreib mir.

C.

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