My Damian Lewis Story

Ich habe einen Beitrag für den Blog „Fan Fun with Damian Lewis“ geschrieben. Fangirling nennt man das wohl. Derartige Aktionen habe ich nicht mal mit 15 als Fan der Backstreet Boys gemacht. Aber Erwachsensein ist ja auch nur eine Option, nicht Pflicht. Daher rufe ich gleich mal zuhause an, sage irgendeinen Unsinn wie „Chill mal dein Leben, Mutter!“ und schaue wie viel Hausarrest ich aus der alten Frau raus kitzeln kann. YOLO.

 


Als echter Fan kennt man auch die Fan-Blogs im Netz. Früher war es noch „Damians Dominion“, heute ist die erste Adresse „Fan Fun with Damian Lewis“. Damianista fragte schon vor Monaten, ob ich nicht Lust hätte einen Beitrag für ihren Blog zu schreiben – sie hatte die tolle Idee, Fans ihre Geschichte erzählen zu lassen, wie und wann sie ein Fan von Damian Lewis wurden. Ich lehnte ab, weil ich meinen Englisch-Kenntnissen nicht traue und Angst hatte, nur unverständliches Geschwurbel von mir zu geben. Nun habe ich sie getroffen (abgefahrene Geschichte, dazu später mehr) und doch Lust bekommen, es zumindest zu versuchen.

Damian Lewis sah ich das erste Mal im Kino, das war 2003; Dreamcatcher. Das muss ich mir selber erst Mal klar machen, so lange begleitet mich DL schon. Krass. Vierzehn Jahre. Damals gab es kaum Beiträge im Netz, und nur eine kleine aber feine Fanseite. Ich habe Stunden damit zugebracht, das Netz zu durchsuchen, nach Beiträgen, Filmschnipseln, Interviews. Erst nach Dreamcatcher entdeckte ich Band of Brothers und dachte staunend: Was? Das ist der gleiche Typ? Wow.

Dreamcatcher

 

Aber der Reihe nach. Ich sah Dreamcatcher. Das Buch zum Film (von Stephen King) heißt Duddits und die Geschichte geht der Frage nach, was passiert mit einem menschlichen Bewusstsein, wenn der Körper von einer außerirdischen Lebensform in Beschlag genommen wird. Jonsey (Damian Lewis) hat ein Erinnerungslager und, was noch viel cooler ist, ein Geheimzimmer. Dorthin zieht er sich zurück. Mr. Grey übernimmt Jonseys Körper, bedient sich fröhlich im Erinnerungslager, holt sich alle Infos, die er braucht um seine Invasion voranzutreiben. Aber an Jonsey in seinem Zimmer kommt er nicht ran. Es gibt da diese Szene, Jonesy und Mr. Grey begegnen sich kurz, bevor Mr. Grey in Jonesy Körper eindringt. Ich hatte diese Szene im Trailer gesehen. Jonsey fragt: „What do you want?“. Das hat mich wahnsinnig gefesselt, angesprochen und interessiert. Ja, was will er? Ich musste diesen Film sehen!

Später im Film unterhält sich Mr. Grey (das Alien) mit Jonsey und man sieht Damian Lewis, auf einem Schneemobil fahren, und dauernd den Dialekt wechseln. Der Außerirdische klingt sehr britisch. 🙂 Ich hatte enorm viel Spaß mit dem Film. Ich mochte die Vierer-Konstellation der Jungs, die Duddits in ihre Mitte aufnehmen. Dieser Film war wie ein kleiner Stein, der in mein Bewusstsein plumpste. Mein Bewusstsein ist in diesem Fall ein kleiner, ruhiger See. Das Bild von Domino-Steinen passt an dieser Stelle nicht, weil Dominosteine nur umfallen, wenn man sie in einer Reihe aufstellt und dann ist die Richtung vorgegeben. Ein Stein, der in Wasser fällt, macht kleine Wellen in alle Richtungen, es ist an mir, zu schauen, was daraus wird. Und aus diesem Stein wurde eine Menge! Angefangen mit Reece Thompson und Giacomo Baessato. Letzterer spielte den jungen Jonsey. Beide Jung-Schauspieler erregten meine Aufmerksamkeit. Nicht in dem Maße wie Damian Lewis, aber genug um mich zu fesseln. Ich verfolge heute noch, was die beiden treiben. Leider arbeiten sie nicht in dem Maß wie Damian Lewis. Der ist ein Arbeitstier, macht Filme und Serien, spielt Theater, spricht Hörbücher, modelt noch zwischenrein und ist eine eierlegende Wollmilchsau.

Als ich ihn entdeckte, steckte ich gerade in einer wichtigen Phase meines Lebens. Ich wollte schon immer Schriftstellerin werden, aber 2003 meldete ich mich auch für ein Fernstudium an, um es endlich zu tun: Das Schreiben. Wirklich zu tun, und nicht nur darüber zu reden. Es zu tun bedeutet aber, lernen, üben, werden. Und das geht langsam. Damian Lewis wurde mir zum Vorbild. Sein Talent, sein Arbeitseifer, und der Umstand, dass er nur Sachen macht, auf die er wirklich Bock hat. Ich habe den Eindruck, bei anderen Schauspielern/Innen, dass sie machen, was sie angeboten bekommen, unabhängig davon, ob der Drehbuch-Stoff etwas taugt oder nicht, oder was noch wichtiger ist: Ob die Geschichte zu ihnen passt. Aber ich bin noch nicht fertig mit den kleinen Wellen.

Zurück zu Dreamcatcher. Ich las das Buch von Stephen King. Mein erstes King-Buch, und ich war angefixt. Auch er ist ein Arbeitstier, kreativ, voller Ideen. Ich habe kein Buch gelesen, dass mich irgendwie an ein anderes erinnerte, ich hatte nie den Eindruck, er widerholt sich. Und nach Duddits las ich ca. 20 King-Bücher hintereinander. Ich hatte eine King-Phase, angestoßen von Damian Lewis. Vielen Dank an der Stelle, weil, auf dieser Welle surfte ich direkt zum dunklen Turm. Sieben Bücher und Roland und dann: Edith. (Winkerle, an der Stelle.) Wie sehr „Der dunkle Turm“ mein Leben verändert hat, kann ich kaum in Worte fassen. Das gehört hier aber gar nicht hin.

Die Welle geht weiter. Damian arbeitete wie ein Verrückter. Und heiratete. So lernte ich auch noch Helen McCrory kennen, die mindestens so talentiert ist wie Damian Lewis. Vielleicht sogar… ach, lassen wir den Vergleich. Sie sind beide wunderbar. 🙂

Ein Fan von Damian Lewis zu sein, ist etwas Besonderes. Ich lernte tolle Leute kennen. Beispielsweise lernte ich im Netz eine Holländerin kennen, die so sehr Fan war wie ich. Bis dahin hatte ich Micky Love noch nicht gesehen, Damians erster Film, laut Imdb, in dem er eine winzige Rolle hatte. Die Holländerin schickte mir ihre Videokassette mit dem Film drauf. (Erinnerst sich irgendwer an VHS?) und ich schenkte ihr meine DVD von Posh´s & Becks Big Impression. Später freundete ich mich mit einer Amerikanerin an, die mir die Serie Life auf DVD aus Amerika schickte. Region Code 1. Konnte ich auf dem Computer anschauen und verärgert feststellen, dass bei der deutschen Variante der Serie die komplette Musik geändert wurde. Als die DVD-Box (Wucher!) in drei Teilen für teuer Geld in Deutschland erschien, hatte DL schon wieder eine andere Synchronstimme als bsp. bei Band of Brothers oder Warriors. Die US-DVD-Box ist mir die Liebere, weil der Soundtrack besser ist. Jedenfalls. Ich habe heute, bis auf wenige Ausnahmen (Bsp. Life Force) alles von und mit DL gesehen. Und da waren tolle Sachen dabei. Brides, oder The Situation, als Beispiel. Homeland oder Billions sind großartige Serien, die ich mit Genuss und Spannung sehe, aber etwas wie Foryste Saga ist eine ganz andere Hausnummer. Soames, mein Gott. Loving the bad guy!

Ich habe beschlossen Schriftstellerin zu werden. Ich glaube, da war ich gerade mal sieben Jahre alt. Der Weg hier her war lang. Ich musste anfangen, scheitern, dran bleiben, besser werden und mir überlegen, was ich will, was ich nicht will, (es ist viel mehr als die Frage Ernsthaft oder Unterhaltung) und ich brauchte Vorbilder bei dieser Reise. (Ich habe genug schreibende Vorbilder, keine Sorge.) Ich habe Damian Lewis zugesehen, was er macht, und die Ausschläge nach oben und unten bemerkt. Das er Your Highness gemacht hat, verstehe ich bis heute nicht. Es ist ein dummer Film, wirklich schlimm. Ich vermute, er hat eine Wette verloren oder jemand hat kompromittierende Fotos von ihm, keine Ahnung. 😉 Und dann hat er Sachen gemacht wie Keane. Wer ein Fan von DL ist und Keane nicht gesehen hat, der hat auch keine Ahnung, wozu der Mann in der Lage ist! Dank Keane gibt es Homeland.

Als ich Homeland sah, dachte ich: Endlich mal eine Serie/Storyline, die seinem Können gerecht wird. Endlich kann er mal einem großen Publikum zeigen, was er kann. Keane war nicht (kommerziell) erfolgreich, sollte es IMAO aber sein. Keane vermittelte mir den Eindruck, dass DL macht, wozu er Lust hat, weil er es kann. Etwas, dass ihn reizt, weil es eine gute Geschichte ist. Geld und Ruhm sind Dinge „Nice to have“ aber nicht Hauptpriorität. Zumindest ist das mein Eindruck.

Das waren eine Menge Wellen bis hier her. Lange nicht alle. Was ich sagen will, ist denkbar einfach. Ich bewundere sein Talent, sein Können, seinen Arbeitseifer. Die letzten 14 Jahre hat er ein tolles Projekt nach dem anderen gemacht. Und immer wieder eins drauf gesetzt. Besser, noch ein bisschen besser. Und daneben gab es keine Skandale, kein Ausflippen, wie manch ein Hollywood-Sternchen, das weit weniger geleistet hat, vor dem Ausflippen. Bei ihm gibt es keine Drogen-Geschichten, keine peinlichen Schlagzeilen, nicht mal Arbeitspausen. Er macht sein Ding.

Und nun war ich in London und habe The Goat gesehen. Er kann sich ja gar nicht vorstellen, was es mir bedeutet, ihn live zu sehen, auf einer Bühne. Fernsehen und Film, das ist ja alles gut, schön, und richtig. Aber eine Bühne, sechs Tage die Woche, monatelang. Das ist Handwerk, „richtige“ Arbeit. (Nicht falsch verstehen, schauspielern IST Arbeit. Doch eine verpatzte Szene vor einer Kamera lässt sich wiederholen. Hoch konzentriert zwei Stunden abliefern, jeden Abend gleich gut, das ist etwas anderes!)

Am Ende des Abends ging ich zur Stage Door. Englisch ist nicht meine Muttersprache, und man sieht mir das nicht an, aber ich bin schüchtern. Ja wirklich! Ich ging da hin, für ein Autogramm, vielleicht noch ein Selfie. Das ist eigentlich bescheuert. Eine absurde Situation. Aufgeregt da rum zu stehen, einen Fremden um ein Bild zu bitten, mitten unter zwanzig Frauen, die hysterisch schreien „I love you!“. Das fand ich mit 15 bescheuert, bei den Backstreet Boys, ich finde es heute bescheuert und wollte es doch. Kein Mensch käme auf die Idee bei seinem Lieblingsbäcker nach Feierabend an der Tür zur Backstube zu stehen, um sich ein Brötchen signieren zu lassen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass er auch nur ein Mensch ist, mit Idolen, und bestimmt ebenfalls schon jemanden aufgeregt nach einem Autogramm gefragt hat. Jedenfalls.

Ich habe das Stück vorher gelesen. „The Goat – Or who is Sylvia?”. (ACHTUNG SPOILER). Ich hätte ihm das gerne gesagt. Das ich vorbereitet war, und wie sehr mir das Stück gefällt. Die Tradition, in der Edward Albee das Stück geschrieben hat, ist ca. 2000 Jahre alt. Die Idee ist nicht neu, Mann und Ziege meine ich. Auch nicht eine verfahrene Situation zu zeigen, in der ein Mann sich so sehr in die Scheiße geritten hat, dass es kein zurück mehr für ihn gibt. Die Ziege muss sein – als Bild, als krasses Bild das Martin abgibt: „Ich donnere mit einer Abrissbirne in mein Leben!“. Man kann verheiratet sein, mit Kind, erfolgreich im Job, samt bestem Freund und allem drum und dran, und doch: allein.

Mitten drin treffe ich Damianista. Auch absurd, die Welt ist klein. Ich frage sie via Twitter:

„Where ist he stage door, I can´t find it.“

Und sie: „Are you there? Today?“

„Yes“.

„Me too!“

Meine beste Freundin, ich und Damianista. Von Links nach rechts.

 

Und so trafen wir uns. Wir, Alice und ich, saßen auf Platz C7 und C8. Damianista, mit ihrem Mann auf Platz C5 und C6. Ich verfolge ihren Blog seit über 2 Jahren. War das Schicksal? Ich weiß es nicht, aber ich bin dankbar für einen großartigen Abend, für eine neue, tolle Bekanntschaft. Es sagt sich so leicht: Nice to meet you. Ja, wirklich. Manchmal ist es so leicht.

Ich sitze also da, sehe zu, wie Martin und Steve sich anbrüllen. Ich weiß nicht, ob ich je einen Streit zwischen zwei Menschen sah, so konsequent ausgetragen, bis zum Schluss. Speichel spritzt umher, wie die Wut und die Emotionen und das Geständnis: „Ich bin so allein!“ Martin rechtfertigt sich nicht, er redet sich nicht heraus. Aber er will verstanden werden. Von seiner Frau, dem Sohn, dem besten Freund. Immer wieder bettelt er darum: Versteh mich doch!

Stevie versteht es. Sie versteht es wirklich. Sie bringt die Ziege um. „Du hast gesagt, dass sie dich liebt. Also muss sie weg!“.

Ich sitze da, angespannt, traurig, begeistert. Ich weiß nicht, wen ich zuerst bemitleiden soll, die ganze Situation ist unfreiwillig komisch. Das Lachen befreit, anders hält man es nicht aus.

Das hätte ich alles gern gesagt. Stattdessen: „Darf ich ein Foto mit dir machen?“

Das musste reichen. Mir reicht es.

Aber er hat keine Ahnung.

 

© Carolin Hafen

London is my happy place. Damian Lewis is my favorite actor. And now I got this. A great day ended with this pic. I am so happy. Thank you!

 

~Caro

 

Link-Liste:

2010 – The Misanthrope

2015 – American Buffalo

20016 – Damian made my day

Alles von Damian Lewis – eine Liste von Caro

 

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