Zwei Fragezeichen an Nicolai Köppel

Nicolai Köppel – 1972 in Berlin geboren, lebt heute mit Familie in Heilbronn.

 

Schlafwagenschaffner, Autor, Liedermacher und so viel mehr. Nick, was fehlt deiner Meinung nach und muss, bevor du den Löffel abgibst, noch auf die Done-it-Liste?

 

Schlafwagenschaffner war ja nur zielloses Herumgejobbe nach dem Abi, macht sich aber auch nach über zwanzig Jahren immer noch gut in der Vita. Vielleicht sollte ich noch was dazuerfinden, das prüft ja kein Schwein nach. Also soll ab heute überall stehen, dass ich in der unrecherchierbaren Vor-Internet-Ära auch mal archäologische Hilfskraft in Südamerika war. In Vergessenheit gerät so leicht (aber vielleicht auch mit Recht), dass ich mit nur kleinen Pausen fast zwanzig Jahre lang in Buchhandlungen gearbeitet habe – würde ich heute nicht mehr machen, die Branche hat sich derart verändert, dass es für den Arbeitnehmer erträglichen Buchhandel nur noch in Inselform gibt. So komme ich um die Verführung herum, zu viele Bücher mit Kollegenrabatt zu kaufen, die ich dann eh nicht lese, weil es mit den meisten Büchern ist wie mit manchen Leuten: es gibt eine Phase des Kennenlernens, in der man viel von seinen eigenen Wünschen da reinliest. Wenn die dann aber aufgeschlagen und durchgeblättert bis angelesen bei einem zu Hause rumliegen, findet eine Entzauberung statt, die selten frei von Ernüchterung ist. Es gibt Ausnahmen. Die sollte man der Reihe nach heiraten. Und weiterempfehlen. Dass ich auch noch Film studiert habe, muss keiner wissen, das war ein einziges fünfjähriges und im Kern fachfremdes Cappuchinotrinken. Heute bin ich Laktoseintoleranzler und Vegetarier. War keine Absicht. Jaja, die bucket list – gute Frage für den Inhaber einer klassisch durchbrochenen Erwerbsbiographie mit Sprüngen. Weil das aber auch kein Plan war, kann ich dazu nur sagen: da kommt wohl noch was, wovon ich jetzt noch keine Ahnung habe, aber eben deswegen hier kein Wort davon. Ich glaube, ich wäre gern mal für eine Weile archäologische Hilfskraft in Südamerika. Wenn’s so weiter geht, nehm ich auch Nordamerika. Theater hab ich noch nicht geschrieben, warum eigentlich?

 

Astronaut. Marmelade. Weltwunder. Was passiert hier?

Freie Assoziation? Okay: der Astronaut nimmt Gesteinsproben und verwahrt sie in einem mitgebrachten Marmeladenglas, weil die ganz fest schließen. Und Weltwunder: Die chinesische Mauer sieht man von da oben nicht, das ist ein Gerücht, erfunden von Leuten, die nicht selber oben waren. Typisch. Wenn man will, dass eine Lüge verfängt, muss man sich was aus seinem eigenen Kompetenzbereich (oder was die anderen dafür halten) zusammenfabulieren. Nur ist das bei den meisten entweder nicht so ergiebig wie sie sich das wünschen (wer Autor ist, kann und muss da recherchieren, darf man nicht weglassen, ist wichtig, macht auch Spaß) oder es stimmt wieder mal, dass man selbst nicht weiß, was man alles weiß. Und dass man eigentlich nix weiß, weiß ich nicht schon seit dem sporadischen Philosophieunterricht in der Oberstufe, sondern das erfahre ich aus dem Internet – über die Sendung-mit-der-Maus-App. Die chinesische Mauer gehört übrigens noch nicht mal zu den Original-Weltwundern, die kam erst später auf eine ähnliche Siebener-Liste. Schloss Neuschwanstein kam bei der Abstimmung auf Platz 8. Soll nochmal einer sagen, bei der Carolin im Interview lernt man nix. Jetzt hab ich zwölf Wikipedia-Tabs offen.

 

Vielen Dank für das Interview.


PS: Möchtest du an der Interview-Reihe „Zwei Fragezeichen“ teilnehmen?

Dann schreib mir.

~Caro

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