Veröffentlicht in 30 Tage übers Schreiben bloggen, Caro schreibt, Leben und all das., Schreibübung

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 17

Tag 17: Wo schreibst du am liebsten, wenn es draußen regnet?

 

 

Drinnen. Ich kann´s nicht leiden, wenn das Papier nass wird. 🙂

Nein, ernsthaft. Die Frage impliziert, dass ich es mir aussuche, wo ich bei welchem Wetter schreibe. Nach dem Motto: „Heute hat es 23 Grad, der Wind kommt von Nordost, das passt mir gar nicht, deshalb setze ich mich heute lieber mit meinem Stühlchen und meinem Tischchen im Garten Links unter den Apfelbaum, da ist der Schatten ausreichend, und wenn ich Hunger kriege, pflück ich mir was.“ Bullshit.

Mir ist das Wetter für gewöhnlich ziemlich schnuppe. Ich verstehe schon den Gedanken hinter der Frage. Es mag Menschen geben, die in Cafés schreiben, andere in der Bahn. Es mag auch hübsch sein, auf dem Balkon oder im Garten zu sitzen, den Vögeln beim vögeln zuzuhören und so ein verklärtes Bild als Kreativer abzugeben. Ich würde mir unheimlich gut dabei gefallen, wenn ich ein kleines Häuschen am Meer hätte, mit Blick auf die dunkelblaue Weite, mit Hollywood Schaukel vor dem Haus, mit einem Arbeitszimmer im Haus, und der inneren Ruhe eines satten Faultiers auf Valium. Ob ich dann besser schreiben würde, wenn ich stundenlang sitzen, denken und tippen könnte? Vermutlich. Oder ich stürbe qualvoll den Tod der Langeweile und RTL Exklusiv müsste einen reißerischen Bericht über mich bringen; „Schwabenmädel stirbt einsam am öden Anblick der Ostsee.“ (Auch das ist Quatsch. Egal wie ich mal sterbe – am Anblick des Meeres sicher nicht.)

Ich will auf zwei Sachen hinaus.

1. Ich schreibe dann, wenn mich eine Idee packt. Das bedeutet, das Wetter ist scheißegal. Die Uhrzeit, Tageszeit, der Ort und die Utensilien sind scheißegal. Selbst mein Wachheitsgrad ist (fast) egal. Eine Servierte im Café? Fabelhaft. Die Notizenapp meines Smartphones? Supi. Die Schreibmaschine in meinem Wohnzimmer, weil mir gerade nach dem schönen Klackgeräusch ist: Very welcome.

2. Ich schreibe, weil ich muss. Ich habe keine Zeit aufs Wetter zu warten, oder auf die Muse, dass sie zum Küssen vorbei kommt. Das Luder. Ich schreibe besser, wenn ich wach, satt, innerlich ruhig bin. Das bin ich nur nie. Also sehr, sehr selten. Mein Gemüt ist schon seit Monaten ein wild gewordener Pflummi, der wütend durch mein inneres Seelenhaus dotzt und dauernd die Deko zerschlägt. Wenn ich also auf all diese äusseren Umstände Rücksicht nehmen würde, hätte ich bis heute noch kein Wort zu Papier gebracht. Und das sage ich alles im Wissen, dass ich dem Arschloch „Lust“ viel zu oft unterworfen bin. Ich schreibe morgens besser als abends. Morgens habe ich nur wenig Zeit, abends bin ich oft müde. Wenn ich könnte, wie ich wollte, ich hätte wohl schon zwei Dutzend Bücher geschrieben. Leider kommen mir diverse Dinge in die Quere: Hunger, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Ideenlosigkeit, Zeitmangel, Selbstzweifel, Wut und last, but not least: Das Wetter. Alles über 25 Grad ist mir zu warm. Dieses „Da draussen“ ist mir zu anstrengend, so ziemlich alles ist mir zu laut.

Und jetzt kommst du und fragst, wo ich am liebsten schreibe, wenn es regnet? Drinnen. Im Sommer, im Winter. Egal. Stell dir einen Wörtergeysir vor, der sprudelt so vor sich hin. „Blib blab blub, Schwarz sind deine Flügel, diedel dadel dim, Träumereien, sie sitzt auf dem Kaminsims, warum? WARUM? Wie ist sie da rauf gekommen? Klopf klopf, ich bin eine Idee ich bin da. Hallo!“

Rauschen. Es ist ein immer währendes Rauschen. Ich glaube nicht an Wetter, an Idealzustände, an kreatives Denken im Garten unter dem Apfelbaum, damit die Nachbarn was zu gucken haben: „Da sitzt sie wieder und denkt.“ Pöh.

Ich glaube an Routine, an Gewohnheiten, an Innehalten, hinhören, sehen und Neugier. Ich glaube an feste Uhrzeiten, an einen fixen Platz (Schreibtisch, wie der Name schon sagt. Der Tisch an dem geschrieben wird.) Ich glaube an Übungs-Liegestütze mit dem Füller auf Papier. Ich glaube an den Geysir, der mich versorgt, ich glaube daran, das viel Wasser trinken hilft. Ich gefalle mir in der Vorstellung, täglich, gleicher Platz, selbe Zeit. Das funktioniert – hahahah – nicht oft. Aber ich kann ja diesen Glauben jeden Tag aufs neue leben. Versuchen. Daher lautet mein Credo: Nur heute. Sleep, eat, write. 

Ich nehme mir eine Sache vor. Konkrete Aufgabe, konkretes Ziel. Und das versuche ich zu machen. Egal, was draussen los ist. Ja, dabei höre ich mir Meeresrauschen auf YouTube an, oder Chill out Musik, die nett vor sich hin plätschert. Und manchmal klappt das dann.

~Caro

 

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Advertisements

Autor:

C. M. Hafen, Autorin bei 1000Zeichen, get shorties Lesebühne und O´Connell Press: Drachenbrüder. Das Drachenvolk von Leotrim. *it´s the write thing to do.

2 Kommentare zu „Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 17

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.