Buchmomente

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 10

Tag 10: Zeit für Throwback Thursday #tbt: Woran hast du August 2016 geschrieben?

 

August 2016? Da hatte ich Urlaub und bin wieder nach Leotrim gereist. Letztest Jahr, von August bis Dezember ist der dritte Band meiner Drachensaga einstanden: Drachenfrieden. Das ist nur ein Jahr her, das ist schon ein Jahr her – wie man es nimmt. Mir kommt es vor, als hätte ich nur kurz geblinzelt. Gleichzeitig ist es so weit weg wie Jakarta oder Reykjavik. Ich müsste den Atlas bemühen, mit dem Finger auf dem Papier um das zu finden. Auch deshalb, weil ich mich gedanklich schon wieder woanders befinde… nein, das stimmt nicht. Aber der Reihe nach. Drachenfrieden, das Wort schreibe ich, eine halbe Stunde nach dem ich die aktuelle Folge „Game of Thrones“ gesehen habe und immer noch aufgewühlt bin. Ich mag die Serie, aber sie nimmt mich unheimlich mit. Gleichzeitig denke ich: So etwas würde ich nie schreiben wollen, dieses Abschlachten. Daher gibt es das bei mir nicht. Und während ich jetzt eintauche in ein neues Projekt, nur langsam natürlich, Schreiben ist wie Schwimmen, und das Wasser ist kalt, da gehen die Gedanken noch in alle Richtungen. Ich stecke einen Zeh ins Wasser, wate dann langsam weiter bis mir das Wasser bis an die Hüfte reicht, friere und jammere, bis ich endlich den Mut habe mich hinein zu stürzen, ganz, mit allem was ich habe, und dann schwimme ich die ersten kraftvollen Züge, und finde es herrlich. Soweit bin ich aber noch nicht. Der Zeh ist im Wasser, das ist der aktuelle Stand. Und daher kann ich an London denken und wie ich mich in der Stadt verlieben will, gleichzeitig ruft Aelia leise nach mir. Ich kann das jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen – wer meine Bücher gelesen hat, weiß wer sie ist. Wer nicht weiß, wer sie ist, sollte meine Bücher lesen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, meine nächste Leotrim-Geschichte wird ein Aelia-Abenteuer. Ich sehe sie, wie sie losmarschiert und ihre Drachin abholt. Selbst, weil sie findet, dass das ihre Aufgabe ist. So gesehen ist der letzte August wahnsinnig lange her, und gleichzeitig ganz nah. Und wenn meine Zeit es zulässt, schreibe ich alles auf. London. Aelia. Und all die anderen, die im Wasser auf mich warten.

 

~Caro

 

 

Band 3 – Drachenfrieden

 

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Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 9

Tag 09: Stell uns doch mal deine Lieblingsbuchhandlung vor!

Ganz klar: Grimms lesen & genießen in Spaichingen

#Supportyourlocaldealer

 

Lena Grimm hat ihre Buchhandlung 2015 eröffnet und die Buchhandlung Hettinga quasi „abgelöst“. Ganz so war es nicht, aber das nur am Rande. Vielleicht hätte Christa Hettinga noch eine Weile weiter gemacht – weil die Vorstellung, dass Spaichingen keine Buchhandlung mehr hat, fand sie wohl so grauenvoll, dass sie lange nicht ans aufhören dachte und sich kaum ein Mal Urlaub gönnte. 32 Jahre hat sie ihre Buchhandlung geführt. Krass. Nun ist also Lena Grimm mit ihrer Buchhandlung da, klein aber fein, mit Kinderspielecke und integriertem Café. Ein Träumchen. Das sage ich als Kundin, das sage ich als Autorin, die hier schon lesen durfte.

Mir ging es auch so: Spaichingen ohne Buchhandlung? Das geht doch nicht. Ich habe als Teenager selbst darüber nachgedacht, eine Lehre im Buchhandel zu machen, ich machte mit 16 sogar ein Praktikum bei Frau Hettinga. Das Leben hatte dann andere Wege für mich – besonders gut angestellt habe ich mich auch nicht, was aber daran lag, dass ich unfassbar naiv war und nach dieser Woche Praktikum erschrocken dachte: Schaffen ist ja Arbeit! Acht Stunden lang. Krass. Aber das will ich gar nicht erzählen, es würde unweigerlich zu einer Diskussion über unser Schulsystem führen und dazu, wie schlecht junge Menschen innerhalb dieses Systems auf das reale Leben vorbereiter werden. Dann müsste ich über meinen Berufsberater schimpfen, über meine Blödheit, wie leicht ich mich beeindrucken ließ (du kleines Mädchen kannst nicht Fotografin werden, was stellst du dir vor!) und so weiter und so fort. Das wäre ein sehr langer Beitrag.

Statt dessen: Stöbern. Wenn man in eine Suchmaschine einen Begriff eingibt – halt. Vorher. Du musst wissen, was du suchst. Wenn du einen Roman suchst, was hübsches, für den Sommer, vielleicht was mit französischen Flair, ein bisschen Liebe, mit Katzen, jemand der Birnen züchtet und das Leben auskostet – dann weißt du ja schon, was du willst. Du gibst also ein paar Suchbegriffe ein, Autoren/Autorinnen, die du kennst und magst, Thema, Ort, et cetera et cetera, dann bekommst du genau das. Du musst wissen, was du suchst. Ohne Begriffe, keine Suchergebnisse. 〈Wenn du genau weißt was du willst: Prima. Dann geh doch in die Buchhandlung deines Vertrauens und teile dich mit. Man wird dir dort jedes Buch bestellen, das du haben willst. Und wenn du zu deinem Glück noch etwas technischen Schnickschnack brauchst, empfehle ich dir die App LChoice. Online stöbern und bestellen. Lokal kaufen.〉

Wenn du das aber nicht weißt. Wenn das Suchfeld leer bleibt, du aber ein Sehnen spürst, ohne einen Namen dafür zu haben, dann musst du stöbern. Stöbern ist prima, weil man Dinge findet, die man nicht gesucht hat. Ich bin überzeugt, manche Bücher finden mich. Die kommen zu mir, weil ich sie brauche, ohne es zu wissen.

Und wo stöbert es sich am besten? Beim großen A? Vielleicht. In Blogs und Leserforen? Auch. Sicher.

Ich bin ein old school Mädel. Meine Mutter hat immer geschimpft: „Man schaut nicht mit den Händen.“

„Doch, Mama! Man sieht auch mit den Händen gut.“

Ein Buch muss ich anfassen, anlesen, fühlen. EBooks sind ja nett, für den Urlaub, wenn der Koffer nicht 40 Kilo wiegen soll. Sie sind ist praktisch, aus Gründen. Ich will dagegen gar nichts sagen. Aber. Ich bin der Meinung, eine Rolltreppe (1859 patentiert!) wird nie die Treppe an sich ablösen. Hat sie nicht in den letzten 158 Jahren, wird sie in Zukunft auch nicht.

Ich wünsche mir, für die Zukunft, dass man Bücher, für ein paar Euro mehr, als Print und eBook kaufen kann, im Bündel. Von mir aus auch als Print mit Hörbuch. Nehmen wir Harry Potter: Ich habe die Bücher gekauft und mehrfach gelesen. Ich habe die Filme gekauft und mehrfach gesehen. Ich habe die Hörbücher gekauft und mehrfach gehört. Das ist sicher die Ausnahme. Aber, wenn der Handel anbieten würde, großartige Bücher im Bündel zu bekommen, schön aufgemachte Bücher, die ich gerne anfassen will, dran schnuppern und mit ins Bett nehmen kann, dann wird da gar nichts aussterben. Ich bin mir sicher, die Literatur in all seinen Formen ist ein hartes Geschäft. Viel Arbeit, reich wird man damit auch nicht. Aber so lange Menschen wie Lena Grimm (und all die anderen Buchhändler/Innen) sich engagiert für Literatur einsetzten, mit Ideen und Tatendrang, sollten Buchliebhaber wie ich, örtlich kaufen. IMAO.

I try my very best.  Ja, ich kaufe meine eBooks beim großen A. Ich werde auch, für ein paar Herzprojekte CreateSpace nutzen. Aber ich werde nie aufhören mit den Händen zu sehen.

Leb damit, Mutter.   

 

Sommerlektüre

 

Links zu Grimm´s lesen & genießen:

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Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 6

Tag 06: Welches Sommerbuch eines Autorenkollegin kannst du aus vollem Herzen empfehlen?

 

Ganz klar: Olivia Wartha. Ein Buch von ihr ist wie ein Tag am Meer.

Wörterwellen zur Entspannung, einfach hinsehen und durchatmen!

 

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Unsere Seelen bei Nacht

 

„Unsere Seelen bei Nacht“ ist eine echte Perle. Aber, ich muss kurz meckern, bevor ich zur Lobeshymne ansetze. Ich bewerte das Buch mit vier von fünf Sternen, wobei ich mich an Stefan Meschs Bewertungsart orientiere.

[Meine eigene Skala: “unfähig oder böse: Ich wünschte, niemand läse dieses Buch” (1), “misslungen: Ich rate ab” (2), “nicht misslungen – doch mit größeren Problemen/Schwächen” (3), “gern gelesen, viele Stärken” (4), “umwerfend, besonders, aufregend!” (5 Sterne).]

  1. Satzzeichen

Was ist an Satzzeichen verkehrt? Derartige Spielereien verstehe ich nicht. Kent Haruf verzichtet völlig auf Anführungszeichen, was bei mir dazu führt, dass ich nie weiß, wann gesprochen wird und wann nicht. Es gibt im Buch direkte Rede, auch wenn sie nicht so gekennzeichnet ist. Ja, jeder gesprochene Satz ist eingerückt. Ja, man kann unterscheiden, wann welche Person spricht (wenn man penibel darauf achtet), aber ich finde es unnötig mühsam. Vor allem, wenn die direkte Rede mitten in der Zeile aufhört und der nächste Satz schon wieder Erzählstimme ist und ich es nicht sofort bemerke. Das bedeutet für mich (Nenn mich Doofling, wenn du willst), zurück springen, noch mal lesen. Mein Lesetempo, mein Lesefluß holpern, ich falle jedes Mal, wenn das passiert regelrecht aus dem Buch.

 

  1. Telling

Wenn man sich mit dem Schreiben beschäftigt, hört man unweigerlich irgendwann den Satz „Show, don´t tell.“ Das bedeutet, Telling ist böse. Ich persönlich habe nichts gegen Telling, ganz grundsätzlich. Aber hier ist die Geschichte zu 80 % im Telling erzählt und das ist der Grund, warum ich einen Stern abziehe. Kent Harufs Schreibstil wirkt auf mich, als würde er mich eine Armlänge von seinen Figuren fern halten. Auch das ist mühsam, unnötig. Schade. Weil, es sind tolle Figuren, zum Gernhaben und näher hinsehen. Das Buch ist trotz meiner Einwände eine Perle, ein Glücksgriff.

 

Addie und Louis sind beide um die 70, verwitwet und einsam. Sie ist die Mutigere von beiden und klingelt bei Louis um ihm ein Angebot zu machen. „Willst du bei mir übernachten?“ Damit beginnt die Geschichte, Addie geht es explizit um die Nachtstunden, wenn sie das Licht schon ausgeschaltet hat, aber noch nicht eingeschlafen ist. Diese Zeit ist die Schlimmste. Sie will Nähe, jemanden zum reden, einfach nicht allein sein. Louis muss nicht lange überredet werden. Wen müsste man bitte dazu überreden? Ich erinnere mich gern an die Schulzeit; Landschulheim, Stockbetten, geflüsterte Geheimnisse und viel albernes Gekicher. Jedenfalls.

Louis willigt ein, duscht, packt Pyjama und Zahnbürste ein und macht sich auf den Weg zu Addie. Da sie keine Heimlichkeiten will, geht er zur Vordertür hinein. (Warum auch nicht? Sie sind beide erwachsen undsoweiter) Sie teilen sich ein Bett, die Nacht, ihre Erinnerungen. (Vielleicht ist die Distanz, die ich beim Lesen empfinde, Absicht. Schließlich habe ich in dem Schlafzimmer nichts verloren.) Addie und Louis halten Händchen, erzählen sich ihr Leben: Die Ehe mit ihren Höhen und Tiefen, die Kinder, der Alltag. Eben alles. Und dann: Addies Sohn Gene trennt sich von seiner Frau und parkt den 6-jährigen Sohn bei seiner Mutter. Der Junge ist fix und fertig, die Streitereien seiner Eltern haben ihn mürbe gemacht, er ist verängstigt, verloren. Louis und Addie erhalten eine zweite Chance. Nachdem ihr Leben, ihre Ehen, ihre Kinder Vergangenheit sind, spielen sie jetzt noch mal Vater-Mutter-Kind. Entspannter, empathischer, geduldiger. Jamie blüht auf.

Aber. Während sich die beiden gegenseitig aus der Einsamkeit helfen, haben diverse Leute Probleme damit. Wie sollte es auch anders sein. Die zwei leben in einem kleinen Dorf und schließlich hat ja jeder Mensch eine eigene Meinung, ein eigenes Urteil und das Bedürfnis all das kund zu tun. Jaja. Ich habe auch eine Meinung, ein Urteil: Wenn sich zwei gefunden haben und einander gut tun, sollte sich da keiner einmischen. Liebe für alle. 🙂

Eine feine, kleine, leise Geschichte, die ich gern gelesen habe. Trotz der Umstände.


Eckdaten

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 2 (22. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257069863
  • ISBN-13: 978-3257069860

Klappentext

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

Wenn ich die Wahl habe zwischen Kind und Karriere, nehme ich das Sofa

Claudia Haessy schreibt mir aus der Seele. Pragmatisch, derb mit vielen Hitlervergleichen und einer Misanthropie, die kompatibel zu meiner scheint. Wenn ich Menschen mögen würde, was ich selten tue, würden wir uns verstehen. Stumm. Zunicken reicht völlig. Beim Cupcake essen muss man nicht miteinander reden.
Ihr stalke ihren Blog nun schon einige Zeit (ich weiß nicht, ob es schon Jahre sind, ich wünsche es mir aber.) Oft denke ich mir, sie hat einen größeren Wortschatz als andere Menschen, und ich möchte Gollumartig brüllen: Diebin, gib ihn mir wieder, meinen (Wort)Schatz. Aber das wäre ja sehr, sehr seltsam. Mache ich also nicht. Statt dessen beömmle ich mich über die Anekdoten über den Antichristen und den Mann, über gescheiterte Diäten, über Sportversuche, lange Listen und ekelhafte Menschen in der Bahn. Immerzu habe ich ein Schütteltrauma, nach einem ihrer Beiträge, weil ich alles so heftig abnicken muss. Und nun, endlich, endlich gibt es ihren Menschenhass in Buchform. Wie konnte ich nur ohne leben und: wann gibts das nächste Buch? Wenn ich die Wahl habe, zwischen einem schlanken Körper, und sozialen Kontakten, wähle ich Netflix. Oder so.

Der Titel zum Buch ist so sperrig wie Claudia selbst, und mir ist völlig egal, wo die echte Claudia anfängt und die Buch-Claudia aufhört. Es ist sehr, sehr großartig und ich will mehr davon. Überhaupt, war es mal an der Zeit eine Liebesgeschichte zu erzählen, die nicht von Zucker, Kitsch und bis-ans-Ende-unserer-Tage erzählt. Das Leben ist nämlich nicht so, und ich finde es sehr erfrischend, darüber etwas zu lesen. Ein Kind ist nicht die Erfüllung deines Lebens? Das traut sich ja kaum eine Frau laut zu sagen. Aber der Reihe nach.

Die Buch-Claudia ist keine, die ihr Leben absolut im Griff hat und weiß was sie will… nein, sie meldet sich besoffen bei einer Partnerbörse an (wer tut das auch nüchtern? Pft!) und lernt einen Typen kennen, mit dem das Bumsen ganz angenehm ist. Bei ihr heißt das Koitus und klingt wie Exitus, und man meint kurz, es würde nur ganz, ganz wenig Spaß machen. Das Verhüten, jedenfalls, kriegen sie nicht so gut hin. Bums, schwanger. Ungeplant. Was ist denn bitte geplant? Ich weiß nicht, ob ich Frauen, die schon mit 16 wissen, dass sie einmal ein Kind namens Konstantin haben werden, und das dann planmäßig durchziehen, bewundern oder bedauern soll. Jedenfalls. Claudia will das Kind, wenn auch sonst nichts. Menschen sind nicht so ihr Ding. Weder Gynäkologen, Hebammen oder Yoga-Tanten. Ich mag ihren Pragmatismus, ihre Planlosigkeit und die verbalen Rundumschläge, weil alles drin zu behalten, anstrengend ist. Amen!

Ich habe das Buch an zwei Abenden inhaliert, laut gelacht, sehr oft sogar und mein Gesicht am Cover gerieben, weil ich dachte, so könnte ich ein bisschen Schwärze auf meine Seele reiben. Das habe ich gebraucht, also das Buch, diese Sorte Humor. Ich bestreite mein Leben ab jetzt mit der Frage: Was würde Claudia Haessy tun?

 


 

Eckdaten:

  • Claudia Haessy
  • Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungsdatum: 21. Juli 2017
  • Roman

 

Klappentext:

Claudia Haessy schreibt irrsinnig komisch und herrlich derb über die angeblich schönste Zeit im Leben einer Frau. Für die meisten versprechen die zwei Streifen auf dem Schwangerschaftstest das ersehnte Glück, für Claudia dagegen eher eine mittelgroße Katastrophe. Denn Kinder mag sie eigentlich nicht sonderlich. Und der Umstand, dass sie den Vater in spe erst zwei Monate zuvor im Internet kennengelernt hat, sorgt für zusätzliche Turbulenzen. Mutig wirft Claudia ihre Lebensplanung über den Haufen und tauscht Netflix and Sofa gegen Umstandsmode, Schwangerschaftsyoga und Stillhütchen.
Ein wunderbarer Roman über die Liebe in Zeiten der Schwangerschaft.

«Ich glaube nicht an die große Liebe, sondern nur an einen unausgeglichenen Hormonhaushalt. Wenn es den Topf zu meinem Deckel irgendwo geben sollte, ist er vermutlich ein 52-jähriger Chinchilla-Züchter, der ohne Strom und WLAN in den peruanischen Anden lebt.»

Book of Love – Ein Milliardär fürs Herz

Ich liebe Bücher über Bücher. Also Geschichten, in denen es um Schriftsteller und ihre Arbeit geht. Ich habe so ziemlich alles von Lotte Römer gelesen, wobei ich immer den Eindruck habe, sie arbeitet schneller, als ich lese. Wenn ich ein Buch geschafft habe, ist schon das nächste da.
Book of Love ist also das Aktuellste. Glaube ich zumindest, ich hab jedenfalls noch keine neue Benachrichtigung von Amazon… jedenfalls.

Hin und wieder brauch ich Zucker, und Lotte liefert den zuverlässig. Diesmal geht es um Victoria und Joshua, die zueinander finden müssen. Sie ist Buchhändlerin und unveröffentlichte Autorin (eine Figur, in die ich mich sehr gut einfühlen kann 😉 ) Er ist Geschäftsmann… Victoria erfährt erst später: Er ist Verleger. Wie praktisch. Die Geschichte ist (wie immer) in schönen Bildern erzählt und hat ziemlich Tempo. Die zwei treffen in einer Disco aufeinander, beide wollen da eigentlich nicht sein (aus Gründen) und blitzen ordentlich aneinander ab. Der erste Eindruck trügt natürlich und sie begegnen sich wieder… eh klar. 🙂
Victoria kassiert für ihr Manuskript eine Absage nach der anderen, und für Joshua läuft die Arbeit auch nicht gerade rund, sein Vater hält ihn klein, weiht ihn nicht in alle Geschäfte ein. Joshua rät Victoria ihr Buch doch auf eigene Faust zu veröffentlichen, als Selfpublisher. Gleichzeitig verschweigt er ihr, wie tief er in der Branche steckt… Victoria traut sich endlich an die Öffentlichkeit, doch prompt landet ihr Buch, kaum erschienen, auf einer Piratenseite. Victoria muss kämpfen – um ihr Buch, und sie muss heraus finden, welches Geheimnis Joshua umgibt.

Mir gefällt der verbale Schlagabtausch zwischen den Beiden, aber auch die Nebenfiguren sind mit Liebe zum Detail gezeichnet. Victorias beste Freundin, und auch Joshuas Wing-Man, ich habe mitgefiebert und geschmunzelt; Joanne, die eigentlich keine Bücher mag und so ganz anders als Victoria ist. Und Mitch mit seiner Deppenbrille. Wir kennen alle solche Typen. Meine Disco-Zeiten sind schon lange vorbei, trotzdem dachte ich: Das hätte ich sein können, Samstagabend.

Mir sind viele Liebesromane zu oberflächlich, die Frauen warten immer, das ein Wunder geschieht, oder der Mann sie rettet. Mir gefällt, das Victoria eine Frau mit Hirn ist, die nicht wartet, sondern handelt. Zwar retten sich die Figuren dann doch irgendwie, aber das muss so, sonst ist es ja kein Liebesroman mehr. Großes Herz. Mit Empfehlung von mir.

 


Eckdaten:

Lotte Römer
Erhältlich als eBook und Taschenbuch / 344 Seiten
ISBN-13: 978-1521520635

 

Klappentext:

Victoria glaubt an die Liebe. Joshua an Sex. Sie lebt ihre Leidenschaft für Bücher. Er ist ein eiskalter Geschäftsmann. Victoria träumt von Venedig. Joshua hat seine Träume längst vergessen. Als die beiden aufeinandertreffen, ist Ärger vorprogrammiert. Der erfolgsverwöhnte Verleger Joshua kann nicht fassen, dass Victoria ihn einfach abblitzen lässt. Und sie fragt sich: Ist Joshua wirklich so ein Arsch, wie er vorgibt zu sein? Lasst euch ins Reich der Bücher entführen. Ein romantischer Liebesroman zwischen Las Vegas und Venedig!

An diesem Tag

Facebook erinnert mich heute an dieses Foto. FB weiß nicht alles, jedenfalls nicht ganz genau. Ich hab in meinem Notizbuch nachgeschaut. Das hier war meine zweite get shorties Lesung, jemals.
9. April 2010 im Sudhaus in Tübingen. Da habe ich #Reiskeksmütter zum ersten Mal gelesen und jetzt kann ich es nicht fassen wie lange das schon her ist. Ich würde jetzt ja sagen, „War ein wilder Ritt bis hier her“, aber das könnte man ja total falsch verstehen. Das will ja keiner. Also sage ich, mal zwischenrein, weil hier ist ja noch lange nicht Schluss:
„Danke, Jungs.“

 

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Termine im Juni

Get shorties Schreibbude!

Am Samstag hauen wir Shorties wieder in die Tasten. Jeder Text ist ein Unikat, ein Original. Wir schreiben auf unseren Schreibmaschinen, ohne Durchschlagpapier. Deinen Text gibt es nur ein Mal, nur für dich. Komm vorbei, bestell´ bei uns einen Text und hol dir deine persönliche Mini-Geschichte eine halbe Stunde später ab.

17. Juni 2017 // 13 bis 16 Uhr // Vor der Stadtbibliothek Stuttgart // Mailänderplatz 1

 

Wunschwörter: Schaf, Stadtbibliothek, Kassette und Hagen

 

Weiter gehts dann auf der Inselspitze Heilbronn!

Samstag, der 17. Juni 2017 ab 19.30 Uhr

Die kabarettistisch-literarische Lesebühnenshow kommt jetzt wieder regelmäßiger nach Heilbronn und das mit dem Kopperationspartner BuGa 2019, die dafür sorgen, dass in der Galerie auf der Inselspitze Kultur vom Feinsten geboten wird. Da war der Weg zu uns nicht weit. Das heißt Kurzgeschichten und live Musik von lokalen Bands bestens vereint!

Ort: Inselspitze an der Neckarbrücke / Heilbronn
Kulturbeitrag: Spende!

 

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