Veröffentlicht in Caro und wie sie die Welt sieht, Leben und all das.

Zeitgeist, zusammengefasst

Das Leben ist eine Herausforderung. #Challengeaccepted

Früher so: 

Person X: Ich habe bei dieser Sache* mitgemacht.

Person Y: Ich nicht. Das tangiert mich nur peripher.

Alle anderen: Schweigen im Walde. War was? + Bild von einem pixligen, vorbeiwehendem Strauch im wilden Westen.

*Hier beliebiges Ereignis einfügen. 

Heute so.

Person X (m/w/divers): Ich habe bei dieser Sache* mitgemacht + Bildchen auf Instagram, Facebook, Twitter und co. 

Person Y (m/w/divers): Ich habe nicht mitgemacht. Das ist ja voll der Bullshit + Bildchen auf Instagram, Facebook, Twitter und co. 

Alle anderen so: Boah, du Ego-Natzi, musst du jetzt überal voll rum posen, wie Geil du dich findest?????? + Bildchen. Du weißt schon…

Oder:

Alle anderen so: Boah, du Ego-Nazi Warum machst du da nich mit is dir Alles egal? Ich bin ein so viel besserer Mensch wie du. Vier Mahl mehr. Mindestens!!!!!1! + Bildchen.

Oder:

Alle anderen so: Boah, wie Scheiße zu bist. Zu blöd!!!1!!!!! Geh sterben. + Gif von einem Smiley, der sich selbst in den Kopf schießt.

Und:

Person Z (m/w/divers): Ich habe hier die passende Verschwörungstheorie! Lass mich dir mal erklären wie der Hase hoppelt, du Opfer der totalen Unwissenheit. + Link zu einer merkwürdigen Seite im WeltWeitWald mit schrecklichen Überschriften aus Microsoft Word von 1998. 

Das wirklich erstaunliche ist, dass ich offline überhaupt nicht mitkriege, was online so hitzig diskutiert wird. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist das nur eine weitere Herausforderung.


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Veröffentlicht in get shorties Lesebühne, Leben und all das., Lesungen, Termine

Termine im Januar

Huch, Mehrzahl. Dabei steht im Januar nur eine Lesung an.

Donnerstag, der 24. Januar 2019 ab 20:00 Uhr

Die get shorties Lesebühne auf Tour in Ostfildern

Die kabarettistisch-literarische Lesebühnenshow mit einem Best-of-Programm im „Zentrum Zinsholz“ in Ostfildern. Letztes Jahr feierte die Lesebühne eine sehr erfolgreiche Premiere und aufgrund der guten Zuhörerresonanz, wurden wir gleich noch mal eingeladen, dies fortzusetzen. Eine sehr schöne Bühne, ein tolle Atmosphäre und ne tolle Band. Schön, wenn man dann in Ostfildern wohnt. Also hinkommen. Freunde mitbringen und den Abend schmunzelnd und intelligent genießen.

Ort: Zentrum Zinsholz, Kirchheimer Str. 123, 73760 Ostfildern

Mehr Infos unter: http://www.getshorties.de

Gruppenbild get shorties Lesebühne

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Empfehlung: Coco Bee Art

Ich glaube, dass mein Leben von aussen betrachtet sehr statisch wirkt. Meine Umstände verändern sich kaum. Innen drin tobt aber ständig ein Sturm. Da wohnen nicht nur zwei Seelen, sondern gleich mehrere, wie eine Katze habe ich mehrere Leben, viele Welten, diverse Stimmen und sehr viel Unordnung. Das zu erklären oder zu begründen, wäre eine ganz andere Geschichte… darauf will ich heute nicht hinaus. Ich beschäftige mich schon einige Zeit mit Methoden um mal Ruhe ins Seelenhaus zu kriegen. Yoga, Meditation und Aquarell-malen. Je mehr ich mich mit Letzterem beschäftige, um so mehr drängt sich mir der Eindruck von „Maltherapie“ auf. Das kann man sicher auch unter professioneller Leitung machen. Ich treibe mich aber auf YouTube herum. Und eine Künstlerin möchte ich im besonderen erwähnen, auch wenn ich inzwischen diversen Kanälen folge, die tolle Themen und Tutorials anbieten.

Coco Bee Art

Die gute Frau hat nicht Kunst studiert, alles, was sie macht, hat sie sich selbst beigebracht. (Im Augenblick passiert gerade viel bei ihr, ich glaube sie fängt gerade ein Studium an) Jedenfalls. Ich mag Autodidakten, aber das nur am Rande. Sie malt abstrakt. Nicht nur, aber das ist der Grund, warum ich auf sie aufmerksam geworden bin. Ich kann ihr stundenlang dabei zusehen, wie sie Farbe aufs Papier kleckst, und irgendwie sieht das am Schluss ganz fantastisch aus. Keine Ahnung wie sie das anstellt, wenn ich das versuche, sieht das aus, als hätte ein Huhn auf LSD aufs Papier gekotzt. Bei Coco verlaufen die Farben, alles passt zusammen, gibt irgendwie Form und Stuktur, und es gibt nichts, wirklich gar nichts, was mich nach einem anstrengenden Tag so gut runter holt, mich so entspannt wie ein Video von ihr. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich nur Farbe beim trocknen zusehen muss, damit es mir besser geht, ich hätte demjenigen einen guten Arzt empfohlen. Aber hier passt einfach alles. Die Musik, sowie die Anregung es selbst auszuprobieren.

Meine Lieblingsfarben sind gelb und orange und rot. Das ist ne gute Mischung. Herbst auf dem Papier, quasi. Ein Video wie das hier ist Meditation mit Farben, Pinsel, die die Seele berühren. Und das Schöne: Es ist völlig egal ob man malen kann oder nicht. Meine Bilder, die wie Hühnerkotze aussehen, die zeige ich nicht her. Die sind wie Tagebucheintragungen. Aber sie helfen. Ich kann, glaube ich, gar nicht mit Worten erklären, wie dankbar ich dafür bin.

[Ich nehme an, meine Empfehlung fällt unter unbezahlte Werbung]

Links:

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Aufräumen mit Marie Kondo

Als ich mich hingesetzt habe, um diesen Blogbeitrag zu tippen, hatte ich eigentlich nicht vor, einen Verriss zu schreiben. Weil ich die Idee, alles raus zu werfen, was keine Freude bringt, hübsch finde bzw. mich dieser Ansatz sehr anspricht. Ich habe so viel Kram, und nichts nervt mich mehr, als irgendwas in der Wohnung liegen zu haben, dass ich nicht brauche. 

Ein Beispiel: Ich habe mir vor ewigen Zeiten mal einen Aktenschrank gekauft, weil ich gerne all meine Texte ausgedruckt, in Register-Heftern, nach Themen und Anlass gerodet haben wollte. Also Roman-Sachen, Kurzgeschichten für die Get Shorties Lesebühne, Schreibübungen, und so weiter und so fort. 

Nun ist es so, dass ich nie über die Anschaffung des Schranks und meiner Vorstellung von einem Ordnungssystem für meine Texte hinaus gekommen bin. Das Ding stand herum und ermahnte mich: Blödsinniger Konsum, nutzloses Ding (der Schrank), faule Nuss (wann machst du das endlich?) und Platzverschwendung. Der Schrank machte also eine Menge mit mir, aber er brachte mir keine Freude. Also habe ich das Teil verschenkt. Weg damit. Woanders wird es seinem Nutzen zugefügt, und ich finde noch eine Lösung für meine Text-Ordnung. Soweit so gut. 

Ich mag Ordnung. Im Kopf ist viel Chaos, also beruhigt mich die Tätigkeit des Aufräumens ungemein. Und meine Vorstellungskraft spielt da eine große Rolle. Ich habe eine schöne Wohnung, aber da ist viel Zeug drin, in den meisten Fällen benutze ich das alles auch. Dennoch hätte ich gern eine minimalistischere Lebensweise. Weiße Möbel, freie Flächen, wenig Kram, kein Nippes. Davon bin ich aber noch weit entfernt. Es gibt ja Menschen, die ihren Besitz auf 100 Sachen runter brechen und prima damit zurecht kommen. Ich will mich nicht in ein Korsett zwängen lassen, im Sinne von 100 Dinge sind ok, 101 Dinge nicht. Aber ich mag die Idee. Weniger ist mehr. Vor Jahren habe ich die ein oder andere Sammelwut überwunden. DVD´s zum Beispiel. Ich brauche keine Filmsammlung, ich gucke selten einen Film mehrfach. Ausleihen reicht vollkommen. Bücher: Dito. Jedes Elektrogerät, dass ich besitze, ausgenommen meinen Fernseher, habe ich gebraucht gekauft. Reparieren? Tolle Idee. Neu ist eben nicht immer besser.

Auch bei meinen Klamotten hat sich viel getan. Ich stehe auf Kriegsfuß mit dem Konzept Kleidung zu kaufen. Ich weiß nicht woher das kommt, aber ich kaufe seit vielen Jahren falsch ein. Meine Schuhe sind grundsätzlich eine Nummer zu groß. Hosen zu lang, T-Shirts zu weit. Ich bin einfach zu doof. Die Spitze des Elends: Entweder ich stehe in der Kinderabteilung oder bei den Herren, weil mir alles besser gefällt, als das was die Textilindustrie für Frauen zu bieten hat. Knöchelfrei rumlaufen? Skinny Jeans in denen man wie ein moppeliger Regenwurm aussieht? Nein Danke. Ich bin nicht in der Zielgruppe. Nun haben sich mehrere Frauen in meinem Umfeld der Problematik angenommen und geholfen. Wie? 

Sie haben … nein ich habe ihre Größe. (Auch wenn ich nicht in der Lage bin, diese in einem Geschäft auszuwählen & einzukaufen) und sie haben ihre Schränke ausgeräumt.

Jeder hat das: Klamotten, die wie neu aussehen, aber nie getragen werden. Ich habe also mehrere Haufen Klamotten von anderen (insgesamt 3 Frauen mit unterschiedlichen Stilen) auf mein Bett geworfen und alles wie Marie Kondo empfiehlt, in die Hand genommen und mich gefragt: macht mir das Freude? Plötzlich hatte ich Unmengen Sachen, die ich im Laden nie und nimmer in die Hand genommen hätte, die plötzlich passten, mir gefielen und die ich gern anzog. 

Danach entdeckte ich hier im Ort eine Veranstaltung die sich „Kleidertausch-Party“ nannte. (Diese Tauschparty findet alle paar Monate in der Buchhandlung Grimms lesen & genießen statt). 

Was passiert da?  Hauptsächlich Frauen entmisten ihre Schränke nach Klamotten (wie neu, ungeliebt & ungetragen) und bringen diese Sachen mit. Ich habe das auch so gemacht. Es war sehr befriedigend meinen Schrank aufzuräumen und Platz für Neues zu schaffen, ohne irgendwas in den Müll werfen zu müssen). Und dann gehts los. Ich lasse da, was mir nicht gefällt, und nehme „neue“ Sachen mit nach Hause. Der Clou? Ich kann, ohne Geld ausgeben zu müssen, Dinge ausprobieren, für die ich sonst nie den Mut hätte. Weil, wenn ich zuhause fest stelle, dass ich Teil X doch nicht anziehe und es einfach nur hübsch im Schrank hängt, dann kann ich es beim nächsten Mal einfach wieder mitbringen und nochmals unter die Menge mischen. Genial. Kein Konsum, kein Müll, kein sinnloses Shoppen, das ich später bereue. Was am Ende einer Tauschparty übrig bleibt wird der örtlichen Kleiderkammer gespendet. Win Win für alle. 

Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich mir eine Sendung übers Aufräumen anschaue, das kam mir sehr gelegen. (Ich habe mich an einer anderen Stelle über meine Netflix-Watchlist beschwert. Zu viel Mord, Totschlag, Blutvergießen. Da sind Dokus über fremde Länder, Renovierungen des Gartens oder eben Aufräumen die totale Erholung.)

Ich will auch gar nicht Marie Kondo selbst kritisieren. Die ist klein und niedlich und will anderen auf naive Art helfen ihre Butze aufzuräumen. Sie schickt die Frauen in die Küche, die Männer in die Garage? – Geschenkt. Jemandem helfen wollen, selbst in klassischen Rollen, ist erst Mal löblich. Aber wenn ein Typ 160 Paar Schuhe besitzt und in einem Nebensatz fallen lässt, dass er 10 000 Dollar Kreditkartenschulden hat (wegen der Schuhe!) dann ist sein geringstes Problem die unordentliche Sockenschublade im Gästezimmer. Was mich stört, an derartigen Sendungsformaten, ist der Umstand, dass mir als Zuschauer verkauft wird „Schau her, ich falte meine Hosen in Dritteln, jetzt ist mein Leben super.“ Eheprobleme, Kaufsucht, eine Messi-Lebensweise spielen plötzlich keine Rolle mehr. 

Ich lass mich gern von diesem wilden Aktionismus anstecken, ich bin da sehr empfänglich. Aber 160 Paar Schuhe auf 45 zu reduzieren löst nicht sein Grundproblem. Und die Schulden verschwinden nicht, so wie der Berg Sportschuhe nach dem Entmisten. 

Überhaupt bin ich erschüttert, wie viel Kram Menschen haben können. Früher, als ich noch ferngeschaut habe, da konnte ich mir sonntageweise den Trödeltrupp ansehen. Ich muss zugeben, das Format hat mich gar nicht so sehr getriggert. Das hatte nichts mit mir zu tun, all dieser Müll. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass man für jedes Nippes-Figürchen in einen Laden muss, also hinfahren, aussuchen, bezahlen, daheim hinstellen, warten, es später durch ein neues Figürchen austauschen, solange bis Haus, Scheune, gemietete Lagerfläche, Dachboden und Gartenlaube voll sind. So ein Irrsinn. Ich dachte, ehrlich gesagt; Ein Therapeut wär hier gut.  Und dann war mein Gedankengang zu Ende. 

Jetzt also, nach den Klamottenbergen fremder Leute, werde ich nachdenklich. 

Mein Schrank voll Klamotten, meine Bücher, mein Komono, all das: Es ist zu viel. Dafür muss ich es nicht mal auf einen Haufen werfen. Das weiß ich auch so.

Ich hab nachgeschaut. Ich habe drei Paar Jogging Schuhe. Die trage ich abwechselnd. Ich verbrauche exakt ein paar Segelschuhe pro Jahr. Ich kann hundert werden, und komme mit meinem Verbrauch dennoch nicht auf 160 paar Schuhe. Und dennoch beschleicht mich das Gefühl von zu viel.

Die Sendung zu schauen bedeutet; Ich fühle mich (auf Kosten anderer) besser. So schlimm bin ich ja nicht. 

Das bedeutet aber nicht; Zurück lehnen, es passt schon alles. 

Marie Kondo muss mir nicht helfen meine Butze aufzuräumen. Das ist gut zu wissen. 

Andere gucken die Sendung und kommen vielleicht zur gleichen Erkenntnis. Und wenn jetzt ein paar Haushalte entmistet werden, kann das nicht schlecht sein. 

Ich finde allerdings, aufräumen sollte Kindern in den Grundeinstellungen mitgegeben werden. Das ist die Sache mit der Erziehung, ein alter Hut, nä? Meine Mutter ist extrem, das muss wohl auch nicht sein. Wenn sie ein Spannbettlaken zusammen legt, kannst du hinterher die Wasserwaage drauf legen und dein Lineal neu eichen. Wie immer ist wohl die Mitte von all dem ein guter Ort. 

Ich geh jetzt aufräumen. Im Wohnzimmer meines Seelenhauses. Da sieht‘s aus wie Sau. 😉

Caro

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