Veröffentlicht in Caro und wie sie die Welt sieht, Leben und all das.

Mieter gesucht

#Leben und all dasM

Neulich war ich bei meinem Stammtisch, da ist es schön, weil da alle großes Interesse daran haben über Bücher zu reden, übers Schreiben allgemein, über die eigenen Wachstumsversuche im Besonderen und diese Leidenschaft schallt lautstark durch die Gaststube. Das ist toll für uns. Für die anderen Leute, die bloß zum Essen da sind und über Nicht-Autoren-Themen (Laaangweilig!) reden, ist es vermutlich zu laut. Aber irgendwas ist ja immer. 

Und da wir nicht nur über unser Schriftstellerdasein reden können, das wird ja auch fad irgendwann, gibt es noch andere Themen. Einen Mieter zu finden, zum Beispiel. Jolanda hat eine Einliegerwohnung. (Jolanda heißt nicht wirklich Jolanda, ich nenne sie nur so, aus Datenschutz. Die meisten Menschen mögen es nicht, wenn ich sie in meinen Geschichten verwurste. Selbst dann, wenn alles erstunken und erlogen ist. Eigentlich besonders dann, aber das ist eine andere Geschichte.) Jolanda also, hat eine Wohnung, die steht leer, und sie sucht nach einem neuen Mieter. 

„Hast du eine Anzeige geschaltet? In der Zeitung oder online?“ 

Hat sie, da haben sich auch hundert Leute gemeldet. Das ist nicht das Problem. Sie kann sich alles aussuchen. Den Herrn, der eigentlich verheiratet ist, aber ein Liebesnest braucht für seinen Damenbesuch. 50 qm für ein paar Stunden. Die junge Mutter, frisch geschieden mit Kind. Student*Innen aller Art, Rentner in nett, grummelig, müffelnd, klein und herzallerliebst mit Landkartengesicht. Sie könnte sich ja, mit ihrem Notizbuch auf die Treppe setzen und Charaktere sammeln wie Panini-Bildchen. Das gäbe mehrere Bücher, glaube ich. 

„Nichts für dich dabei?“, frage ich.

„Dochdoch, alle nett, sieben oder acht sind in der engeren Auswahl.“

„Aber?“, frage ich, weil ein großes Aber in der Luft hängt wie ein Pups und keiner will’s  gewesen sein. 

„Kein einziger mit Hund.“

Die Aussage braucht einen Augenblick. Der Weg über mein Gehör hin zum Verstand, das ist schon ein Stück, das dauert. 

„Wie meinen?“ 

„Na, ich hätte gern einen Mieter mit Hund. Früher hatte ich einen Pudel. Ein flauschiges, hellesgelbes Schmuseknäul. Nach 15 Jahren ist er gestorben, mein Fido und da wollte ich keinen neuen Hund. Das Herz hat sehr gelitten. Aber ein Mieter mit Hund… da könnte ich das Kerlchen ausführen, ohne dass es meiner ist. Verstehst du?“

Ja, das verstehe ich tatsächlich. Die Gründe mögen verschieden sein. Ich habe keinen Hund, weil ich viel unterwegs bin, da bräuchte ich ständig einen Hundesitter. Und einen Garten habe ich auch nicht. Ich finde, wenn man einen Hund hat, braucht man auch einen Garten dazu. Ich kann einem Hund nicht das bieten, was er bräuchte, mich würde ständig das schlechte Gewissen plagen. Aber ein geliehener Hund, um Gassi zu gehen, und um nicht zu schrullig zu wirken bei den Selbstgesprächen, doch das leuchtet mir ein. 

„Schreib das doch in die Anzeige“, schlage ich vor und stelle es mir bildlich vor. 

Mieter gesucht (m/w/d) mit Hund! 

Wir diskutieren noch eine Weile, entwerfen und formulieren, damit Jolanda noch zu ihrem Wunsch-Mieter kommt. Auf dem Heimweg denke ich nach. Das passiert mir oft. Im Auto, bei Nacht unterwegs, die Scheinwerfer leuchten den Weg heim, machmal hab ich noch Zeit den Mond zu bewundern. (Im Stillen sage ich „Die Mondin“, aber auch das ist eine andere Geschichte.) Meine engsten Freunde haben alle keinen Hund.

Bei mir im Haus gibt es eine Katze. Aber die ist ein Arschloch, die faucht mich immer an. Wobei sie erst ein Täuschungsmanöver veranstaltet, auf das ich jedes mal herein falle. Tilly liegt oft irgendwo im Gebüsch vor dem Haus und sobald ich auf die Treppe zugehe, die nach unten führt, schießt sie aus ihrem Versteck, schmeißt sich mir vor die Füße, und schnurrt schon wie ein alter Dieselmotor noch bevor ich in die Hocke gegangen bin. Also will ich sie streicheln, strecke die Hand aus, ich naives Ding, und schratzzz, haut sie nach mir. Da gehen mir ganze Stücke ab.

Ätsch, sagt sie. Dachtest wohl, ich lass dich an meinen Wanst.

Pöh, macht sie mit ihrem Arsch und wackelt davon.  

Hunde machen sowas nicht. Die strecken dir nicht ihr umgekraultes Bäuchlein entgegen um dir dann mit einem Schlag die Haut von Handrücken zu ziehen. Mangels Einliegerwohnung brauche ich neue Freunde, das ist mir jetzt klar. Freunde mit Hund. Ich mag Dänische Doggen unheimlich gerne. Ich sag’s nur. Aber mir ist jede Rasse recht. 

Freunde (m/w/d) gesucht mit Hund! 

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Veröffentlicht in Fotografie, Freitagsfoto, Leben und all das., London

London-Impressionen #2

Ich liebe die Stadt London, das ist ja kein Geheimnis, und ich teile unheimlich gerne meine Eindrücke. Als #Freitagsfoto gibt es heute eine kleine Auswahl meiner Lieblingsbilder.

Veröffentlicht in Buchmomente, Carolin M. Hafen, Leben und all das., London, Roman

Stimmen zum Buch

Als Autorin sollte man Leserinnen bewerten dürfen. Manche sind ja so engagiert die frohe Kunde vom neuen Buch zu verbreiten, schreiben dann noch lange Rezensionen und sind auch sonst ganz zauberhaft… ich möcht‘ ihnen ja eine Deluxe-Leser-Urkunde verleihen. Mit Sternchen und co. 

Jedenfalls. Ich habe hier mal ein paar Links zusammen getragen. Blog-Rezensionen, aber auch andere Plattformen, wo das gute Stück bewertet wurde und/oder zu haben ist. Aktuell ist mein Roman „Kindle Deal des Monats„, und das bedeutet: Günstiger. Falls du also noch Lese-Stoff für Ostern brauchst, oder jemandem noch was Schönes ins Osternest legen willst, dann greif noch schnell zu!

Blog-Rezensionen

Ich wünsche dir frohe Ostern!

Caro

Veröffentlicht in Buchmomente, Erlebtes, get shorties Lesebühne, Leben und all das., Lesungen, Termine

Nachlese Winterbach April 2019

Letzten Samstag veranstalteten wir mal wieder eine Laufsteg-Lesung im Modehaus Peter Hahn in Winterbach. Musik machte „Les braves Cons“. Hier in Winterbach waren wir zuletzt 2014, das ist schon eine Weile her. Wir haben schon einige Peter-Hahn-Lesungen gemacht, allerdings bisher in Stuttgart. Dieses Jahr stehen noch weitere Termine an, in Freiburg und Wiesbaden. Ich glaub, die mögen unser Konzept. 😉

Wir stellten unser Tischchen und die Herzlampe zwischen Handtaschen, Bademoden und Jump-Suits auf und lasen… Texte die halbwegs was mit Mode zu tun haben. Kann, muss aber nicht. Das Publikum hat auch an skurilen Situationen Spaß, die nichts mit Shoppen und Umkleide-Kabienen-Dramen zu tun haben. Wir haben da einiges in petto.

Unsere Veranstaltungen beginnen sonst um 20 Uhr. Das bedeutet, bis die letzte Zugabe der Band verklungen ist, ich mich verabschiedet und heim gefahren bin, bis ich zufrieden in meinem Bettchen liege, kann es schon mal 01.00 Uhr Nachts werden. Die Peter-Hahn-Lesung fing schon um 18 Uhr an, die Leute standen noch vor dem offiziellen Einlaß vor der Tür und warteten bei Nieselregen wie sehr treue Groupies auf den Einlaß. Meine Güte, ist das toll.

Ich stand da mitten im Pulk der Wartenden und grinste vor mich hin. Als die Türen aufgingen, durfte noch eingekauft werden, es gab eine Weinverkostung und lecker Häppchen. Alles wunderbar organisiert und sehr einladend. Ich futterte mich also durchs Programm, plauderte hier und da, freute mich über die gute Stimmung. Ingo war sehr nervös. Er ist immer angespannt vor und während einer Veranstaltung, er trägt die Verantwortung, das ist wohl normal. Aber diesmal war er nervöser als sonst. Klappt alles, funktioniert die Technik? Haben die Besucher*Innen Spaß an unseren Texten? Wenn er in diesem Modus ist, spricht man ihn besser nicht an. 😉 Die Veranstaltung war schon im Vorfeld ausverkauft, was mich enorm freut.

Wir haben dann unser Programm durchgezogen. Ich steh gern etwas seitlich vom Publikum, wenn die anderen dran sind, und horche, ob die Zuhörer*Innen auch Spaß haben. Lachen sie an den richtigen Stellen? Yes, they do. Da wurde viel gelacht, ich war erleichtert. Ingo irgendwann auch.

Am Schluss war ich um 22.30 Uhr zuhause, kam zu einer christlichen Zeit ins Bett und dachte noch selig: „Ich brauch mehr solcher Veranstaltungen. Jetzt bin wohl in dem Alter dafür.“

Huch, wann ist das denn passiert? 🙂


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Nachlese Marbach April 2019

Noch eine Nachlese. Wir waren im Café Provinz in Marbach. Diese Örtlichkeit unterscheidet sich, meiner Meinung nach, auch von anderen Veranstaltungsorten, weil es hier intimer zu geht. Aus Platzmangel. 🙂 Ich weiß nicht genau woran das liegt, aber in einer Bücherei herrscht eine andere Atmosphäre als in einem Café. Nicht schlechter, nicht besser, nur anders. In den Büchereien, in denen wir lesen, werden auch Getränke und Knabberzeug gereicht, die Leute kennen sich und doch – in Marbach könnte ich den Leuten wohl auf den Schoß sitzen, es wäre ok. Nicht, dass ich das Bedürnis dazu hätte. 🙂 Ich sage für gewöhnlich „Hallöli“ und wenn die Zuneigung sehr groß ist, nicke ich noch dazu. Das reicht mir an Kontakt. Es ist wohl wie mit der Palmolive-Werbung. Ich will das gar nicht machen, aber es ist gut zu wissen, dass ich es könnte.

Ich habe „Wir schaffen das“ gelesen, mein bisher persönlichster Text. Nicht weil er wahr wäre, sondern weil ich es gerne so gehabt hätte… klingt jetzt kryptisch, hm? In meinen Texten steckt oft Wunschdenken, eine Art wie ich die Welt gern hätte. Das ist das Schöne am Schreiben. Schreiben ist Lügen mit Erlaubnis. Ich kann mir die Dinge so zurecht legen wie ich sie gerne hätte. In Texten geht das, im Leben… nur Manchmal. Deshalb mag ich wohl auch Feel-Good-Geschichten, die einem das Gefühl vermitteln, wie die Welt sein könnte. Aber das ist ein anderes Thema.

To make a long story short: Schee war´s.

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Nachlese Merlin März 2019

Zur Zeit kommen bei mir viele Dinge zu kurz. Der Terminkalender ist vollgeballert mit Terminen, was schön ist, gleichzeitig aber auch anstrengend. Ich liebe es mit der get shorties Lesebühne auf Tour zu sein. Wir als Gruppe „klicken“ gut zusammen, wir ergänzen uns. Jede*r hat seinen eigenen Ton, am Schluss ist so ein Abend abwechslungsreich und für gewöhnlich gehe ich lächelnd heim. Allerdings muss ich auch regelmäßig einen neuen Text parat haben. Mit Druck kann ich gut umgehen, ich funktioniere mit einem Abgabe-Termin besser als ohne. Es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich einen Termin mal nicht einhalten kann. Die letzte Merlin-Lesung war so eine Ausnahme. Das ist nicht schlimm. Ich habe einen dicken Ordner mit get-shorties-Texten drin, da kann ich aus dem Fundus schöpfen, immerhin schon fast zehn Jahre. Im Mai 2010 bin ich dazu gestoßen, ich kann selber kaum fassen was seither alles passiert ist. Wenn so viel los ist wie jetzt, dann muss ich mich zwingen auch mal inne zu halten, Luft zu holen und zu denken: Danke. Meine Güte, vielen Dank für dieses Abenteuer. Das Merlin ist für mich was besonders, weil ich mit dieser Örtlichkeit lange gehadert habe. Hier war ich, damals Anno LeckmichamArschistdaslangeher, aufgeregter als in Marbach oder Göppingen, oder sonstwo. Hier hab ich mir auch größere Schnitzer geleistet, diese Bühne musste ich mir richtig erarbeiten. Und jetzt? Ich will nicht sagen, dass so ein Abend mit Autopilot läuft, das wäre anmaßend. Aufgeregt bin ich immer noch. Sagen wir so: Ich genieße es mehr, als dass ich schwitze. 😉

Yeah.