Freitagsfoto, Leben und all das., London

Freitagsfoto: Caro in London

Ich denke, das ist nun das letzte Foto aus meiner London-2017-Reihe. Caro, verstrubbelt aber happy, vor dem Big Ben. 🙂
Advertisements
Erlebtes, Leben und all das., London

London: Afternoon Tea

Letzter Tag.

 

© cmh_Afternoon Tea / Orangery at Kensington

 

Ich weiß wirklich nicht was die Menschen früher ohne Internet gemacht haben. Wenn ich meinen Urlaub plane, suche ich mir meine Adressen und Routen heraus, überlege, wo ich mir was anschauen will, kaufe Tickets im Voraus, schaue noch ob ich irgendwo einen Rabatt raus schlage. Inzwischen überlege ich sogar, wo ich essen will. Geht ja online alles sehr einfach. Bei unserem letzten London-Besuch tappten A. und ich, mit wenigen Stunden Zeit vor unserem Abflug zufällig in die Orangery – mit einem kleinen Hunger. Das Wetter war sensationell, draussen waren noch Tische frei. So bekamen wir ein hübsches Plätzchen mit Aussicht und die Scones empfohlen. A und ich nickten uns zu; Ja, Scones zum Abschluss, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen müssen, dass ist ein würdiger Abschluss. 

Wenn ich die Wahl habe, zwischen Kaffee und Tee, wähle ich Tee. Wenn man in England Tee bestellt, bekommt man ein Kännchen, und das sind dann mindestens drei Tassen. In der Orangery  sogar vier. (Nach vier Tassen Tee gluckert es ein bisschen im Bauch 🙂 )Dieses Mal überließ ich es nicht dem Zufall. Ich stöberte auf der Webseite. Tatsache: Hier kann man einen Tisch reservieren. Und ich sah das Angebot für den Afternoon Tea. Beim letzten Mal, als wir so zufällig hier her kamen, waren wir zu früh dran. Ich wollte schon lange mal die Etagere bestellen, mit all den Leckereien. Dieses Mal also, war ich vorbereitet. Tisch, Uhrzeit, und genügend Hunger. Weil, das ist eine ganze Menge, was man da essen darf/muss. A. und ich haben uns eine Etagere geteilt. (Der Afternoon Tea kostet 28,50 Pfund pro Person. Ich habe das bei anderen Restaurants wesentlich teurer gesehen. Billig ist es aber auch nicht.)

Auf dem unteren Teller sind deftige Sandwiches: Mit Lachs, Schicken, Eiersalat und Gurke. Sehr lecker. Insgesamt 8 Stück. Auf dem mittleren Teller sind die Scones (natürlich!), die mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade geliefert werden. (Ich habe Scones schon selber gebacken, die Clotted Cream aber gekauft.) Die Scones in der Orangery sind zum Niederknien lecker.

Zum Vergleich: Ich habe welche auf dem Borough Market gekauft, mit Zimt und Rosinen, die lagen aber wohl schon eine Weile in der Auslage und waren sehr trocken. Nicht so lecker. Scones schneidet man übrigens nicht, sondern dreht die untere Hälfte gegen die obere Hälfte und trennt sie so voneinander.

Ganz oben ist dann der verboten-süße Kram. Erdbeercreme und Mini-Kuchen, Schoko-Irgendwas und Kuchen mit Marzipanüberzug. Das Marzipan war rosa und schmeckte ein bisschen nach Rosen. Ich habe einen süßen Zahn, wie man so schön sagt, ich hätte mich drin wälzen können. A. war das obere Tellerchen zu süß, daher habe ich ihre Portion auch noch gefuttert, ich bin Schwabe. Was bezahlt wurde, wird auch gegessen!

A. und ich haben abgemacht, dass die Orangery nun Tradition wird. Zu jedem Abschied werden wir uns den Bauch voll schlagen. Das Sandwich im Flieger schmeckt nämlich nach Pappe.

 

Link: The Orangery 

 

Caro und wie sie die Welt sieht, Leben und all das., London

London: Hampstead Heath

Tag 3

 

 

Hampstead Heath ist wild und schön. Also wildschön. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das sicher nicht. Ich mag sie alle, die Parks und Ruheflächen, die grünen Oasen mit den ordentlichen Blumenbeeten und dem getrimmten Rasen. Alles ist britisch, korrekt, wie mit dem Lineal gezogen. Das war mir bisher alles sehr recht, hübsch anzusehen, das gibt tolle Fotos. Und dann entdeckte ich Hampstead Heath. Wildschön.

Ich sage es gleich: Ein Tag reicht nicht, um sich den Park anzusehen, ein halber schon gar nicht. Ich wußte nicht WIE groß der Park ist und habe deshalb nur ein keines Stück, ein Puzzleteil davon gesehen. Das ist gut und das ist schlecht. Ich habe nicht alles gesehen – ich muss da wieder hin, es gibt noch viel zu entdecken. Hier hat es diverse Teiche, Ponds, und wenn man hart genug ist, kann man da schwimmen gehen. Mich friert es beim zusehen, aber ich sehe gern zu.

 

 

 

A. lässt mich machen. Das ist eine ihrer besten Eigenschaften. Ich kenne nur zwei Gangarten. Rennen und Stop. Dazwischen ist nichts, nur verlorener Raum.

Ich finde, eine Stadt muss man erlaufen. Parks ebenso. Das bedeutet, ich renne, schaue aufs Navi, sehe mich um, versuche zu erfassen, was ich da sehe und habe gleichzeitig Scheuklappen auf. Sie ist hinter mir, versucht tapfer mitzuhalten, mit meinem Tempo, meiner Begeisterung, meinem Irrsinn. Sie lässt mich machen. Auch dann, wenn ich falsch abbiege, nicht gleich weiß wohin, zurück und vor und nochmal links. Sie wird nicht ungeduldig mit mir, reagiert nicht genervt und ich denke dann oft: Sie ist ein besserer Mensch als ich. Diese Nachsicht habe ich nicht mit mir.

Und dann; ich renne den Hügel rauf, finde endlich, was ich gesucht habe, mein London-Glück mit Aussicht. Parliament Hill. Ich drehe mich um, sie ist noch da, wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt; Schön hier.

Dann würde ich gern was Nettes sagen, Danke oder Du Gute!, aber ich habe keine Zeit. Eine Parkbank muss her, für ein kleines Stop. Pause.

 

 

Wie gesagt, ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, lief Trampelpfade entlang, wich Matschkuhlen aus, kreuzte den Pferdepfad und wunderte mich: So viele Leute, so viele Hunde, und jeder kommt mit jedem aus!? Zuhause, wenn ich im Wald joggen gehe, treffe ich selten Menschen, die die Notwendigkeit eines erzogenen Hundes angesichts von Joggern und Radfahrern, einsehen. Da ist das Thema immer ein Drama. „Der will doch nur spielen!“ Schwäbische Ignoranz, Kläffer, Wadenbeißer und Meinereiner mit einer kurzen Lunte. Ich werde da schnell wütend.

 

 

Hier: Ich sitze auf einer Parkbank, schlürfe eine Cola, bin zufrieden. Ein Dackel kommt vorsichtig auf mich zu, wir beschnüffeln uns, er leckt an meiner Hand, mein Schuhband interessiert ihn, ich kraule ihn am Ohr. Die Besitzerin kommt auf mich zugestürzt, entschuldigt sich dafür, dass ihr Hund mich belästigt habe – man könnte kurz den Eindruck gewinnen, Oscar hätte mir einen Finger abgebissen. Dabei mögen wir uns, Oscar und ich. Und wir plauschen, die Frau und ich, soweit mein Englisch es zulässt, über Hunde und deren Erziehung, über den Park und wo es das beste Eis gibt. So einfach kann es sein. Schön.

Sie gehen weiter, die Hunderunde beenden. Ich bleibe sitzen, genieße das Stop, auch, weil mir die Füße weh tun. Aber das muss so. Wenn mir die Füße nicht weh tun, habe ich es nicht richtig gemacht, das Entdecken, das rennen. Aber ich werde mit diesem Ausblick belohnt. Hier lässt es sich aushalten.

~Caro

 

Parliament Hill

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Freitagsfoto, London

Freitagsfoto: Zimmer mit Aussicht

 

Die Aussicht ist der Hammer, da sind wir uns wohl einig. Aber im Moment würde ich viel dafür geben, mit geräuschreduzierenden Kopfhörern still dort zu sitzen. Damit wir uns richtig verstehen – auf einem der Sofas gemütlich lümmeln – um den Nachmittag lesend zu verbringen. Träumen darf man ja.

Statt dessen sitze ich heute Abend im Lapidarium und lese den Stuttgartern vor. Auch schön. Wirklich!

c.

MerkenMerken

Erlebtes, London

London: Phone Booth Library

Tag 2

In London gibt es eine „Phone Booth Library“. Als ich das erfuhr, wusste ich: Da muss ich hin. Weil, öffentliche Bücherschränke sind ja an sich schon eine tolle Aktion. Das ist nachhaltig, pflegt die Gemeinschaft und Menschen kommen an Bücher, die sie bei Amazon nie finden würden, schlicht, weil sie nicht danach gesucht haben. Das ist, in meinen Augen, das beste an Buchhandlungen, Flohmärkten, Bücherkisten und öffentlichen Bücherschränken: Man findet, was man braucht, aber nicht gesucht hat. Man entdeckt Bücher, Schätze, Neues. Google und co. finden immer nur das, was man schon kennt. Die Ergebnisse decken sich mit dem Horizont, den man schon hat.

Die Regeln eines Bücherschranks sind denkbar einfach. Stell eins rein, nimm eins mit. Es ist also keine Leihbücherei im eigentlichen Sinne – wobei, wenn man die Bücher, nachdem man sie ausgelesen hat, wirklich zurück stellt, ist es eine Mini-Bücherei. Ich habe mich jedenfalls an die Regeln gehalten, meine englische Ausgabe von Harry Potter rein gestellt und dafür einen Krimi raus genommen. Aber der Reihe nach.

Ich war 1999 das erste Mal in London, als Schüler: Abschlussfahrt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damals noch keine Oystercard hatte, die habe ich erst bei meinem nächsten Besuch gekauft. Tatsache ist aber, dass ich nun seit 15 Jahren mit der gleichen Karte durch die Stadt fahre und dieses Mal habe ich die Karte zum Glühen gebracht. Ich wollte nicht im Zentrum, in der City herum springen, aus Gründen, die ich in den vorherigen Berichten schon aufgeführt habe. Von der Emirate Air Line zur Phone Booth Library ist es nicht weit, und wenn man mit der Overground fährt, sieht man auch was vom Städtle. Ich mag das, sobald ich die Touristen-Hotspots verlasse bekomme ich ein Gefühl von So-lebt-man-hier. Es ist also gleich viel weniger laut, die Gehsteige sind nicht rappelvoll und mich packt dauernd die Neugier: Wie sieht es da drinnen aus, in den Reihenhäusern? Ich sehe Kinder in ihren Schuluniformen, andere Leute machen Sport im Park, führen den Hund aus oder trauen sich mit dem Rad in diesen irrsinnigen Straßenverkehr. Typischer Alltag eben.

 

Wenn ich ich trauen würde, aber das tue ich leider nicht, auch weil meine Sprachkenntnisse nicht ausreichen, dann würde ich die Leute fragen: Wo arbeitest du und magst du deinen Job? Gehst du nach der Arbeit ins Pub, stehst auf der Straße mit den anderen, ein Pint in der Hand?

Ich war mit A. noch in der Westminster Abbey, später an dem Tag. Wir unterhielten uns über die Buntglasfenster, weil sie a) wunderschön aussahen und b) Könige und Königinnen darstellten, geschichtliche Ereignisse – eben eine Geschichte erzählten. Wir verstanden nur nicht die Zusammenhänge. In jedem Raum stehen „Guards“ herum, die aufpassen, dass man nicht fotografiert, nichts kaputt macht, nicht seine Popel an Stühle schmiert, nicht zu laut ist, undsoweiter und so fort. Ja, all das habe ich an nur einem Tag gesehen. Menschen *kopfschüttel*

 

 

Jedenfalls. Einer dieser Aufpasser hörte unser Gespräch, verstand so viel Deutsch, dass er meine Ausführungen verstand: Ich erzählte A. davon, dass ich die Serie „Wolf Hall“ gesehen habe und bis dato nicht wusste, wer Thomas Cromwell war, noch wie viel Einfluss er auf Heinrich VIII. hatte. Vor der Abbildung von Heinrich VIII. standen wir gerade und ich vermutete, dass er es ist, war mir aber nicht sicher. Und dann trat dieser ältere Herr an uns heran, fragte ob wir gerne mehr wissen wollen und so erhielten wir eine Privatführung, nur er und wir zwei, die aufgeregt fragten und hierhin und dorthin zeigten und er hatte wirklich Spaß mit uns, sagte „Ihr versteht alles was ich sage, don´t you?“ und wir nickten, und er erzählte weiter, über das englische Königshaus und die Hannoveraner und am Schluss sagte ich „Thank you“ und „Ihnen macht ihr Job wirklich Spaß hier, right?“

Yes, indeed. Und sowas begeistert mich immer. Ein Gespräch entsteht, ganz natürlich, später geht man auseinander, wir wissen, wir sehen uns nie wieder, aber dieser kurze Moment, das waren wir, und es war schön, und ich mag Menschen, die begeistert sind, von dem was sie tun. Ganz grundsätzlich. Und manchmal kann das auch eine Straße, ein Park, eine Landschaft: Mit mir reden, und mir vermitteln. Das sind wir. Und ich bin in diesem Wir mit drin. In dieser Stimmung ging ich zu der Phone Booth Library. Wie überall, das sieht man auch in Deutschland, werden Telefonzellen abgebaut. Jeder hat ein Handy. Man sieht sie noch, die englischen Telefonzellen, aber weniger. Und dann braucht es Leute mit Ideen und Tatendrang, die aus so einer alten Telefonzelle was Neues machen.  Sebastian Handley hat die Telefonzelle für ein Pfund gekauft. Und dann umgebaut und eine Bücherei draus gemacht. Und ich bin, bei schönstem Wetter durch Lewisham getappt, das Navi in der Hand, Schweiß auf der Stirn und voller Vorfreude um mir dieses Werk anzusehen.

Das ist eine Sehenswürdigkeit, für die man eine Oystercard braucht, die in ein paar Minuten erledigt ist, und vermutlich nur echten Book-Nerds Freude bringt. Solchen, wie mir.

 

Link-Liste:

Phone Booth Library Facebook

Lewisham phone box turned in to London´s smallest library

Google Maps

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken