Veröffentlicht in Buchmomente, Leben und all das., Rezensionen, Sachbuch

Empfehlung: Tanja Köhler

Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen

Ich habe das Taschenbuch, als es erschienen ist, regelrecht verschlungen (das kannst du hier nachlesen) und jetzt gibt es das auch als Hörbuch, von der Autorin selbst gelesen. Ob nun als Print oder als MP3 – ich möchte es dir herzliche empfehlen!

Klappentext

War das schon alles? Dieses Gefühl – schon alles erreicht zu haben, aber trotzdem Sehnsucht nach etwas Neuem zu haben – kennen Männer und Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, nur zu gut. Aktuelle Wünsche, Träume, Veränderungsvorhaben werden jedoch immer wieder verschoben, denn: Das Leben ist ja noch lang. Oder nicht? Hier setzt das Buch von Tanja Köhler an: Welche Frage muss ich stellen, um wieder in Bewegung zu kommen? Was muss ich tun, um auszubrechen? Die Autorin weiß, wovon sie spricht. Sie wollte neben ihrem Leben als erfolgreiche Unternehmerin und coach ebenfalls etwas Neues ausprobieren. Dann hat sie eines Tages begonnen, Dudelsack spielen zu lernen. Eine Methapher, um wieder in Schwung zu kommen und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In ihrem Buch führt Tanja Köhler durch den Veränderungsprozess, identifiziert Stolpersteine, entlarvt immer wiederkehrende Muster, die uns zurückhalten, und gibt dem Leser Impulse, selbst die richtigen Fragen zu stellen und aktiv zu werden. Tanja Köhler schreibt nicht vom hohen Ross des Beraters, sondern auf Augenhöhe mit ihrem Leser über ganz persönliche Erlebnisse und über das, was sie begeistert, hemmt und motiviert. „Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen“ ist nicht nur ein Ratgeber, sondern ein unterhaltsames und charmantes Plädoyer für Veränderungen und mehr Beweglichkeit im Leben.

Produktinformation
Taschenbuch: 232 Seiten
Verlag: Murmann Publishers GmbH; Auflage: 1 (1. Mai 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3867745528
ISBN-13: 978-3867745529

		
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Veröffentlicht in Buchmomente, Leben und all das., Notizbuch, Rezensionen, Sachbuch

Ryder Carroll – Bullet Journal Methode

Die Bullet Journal Methode

#Rapid logging:

  • Was mache ich wie? 
  • Nein, zuerst die Frage: Warum mache ich das, was ich tue?
  • Analyse des Ist-Zustandes #Reflektion
  • Analyse der Projektplanung. Was mache ich wann. Schritt für Schritt.
  • Hab den Mut, Dinge die dich nicht weiter bringen, durchzustreichen. Sortieren! 
  • Wieder zurück zu der Frage: Wie führe ich ein Bullet Journal?
  • Warum führe ich ein Bullet Journal?
  • Lösungen (Wiederfinden. Ordnung ins Chaos. Collections. Persönliche Anpassung)
  • Warum vorgefertigte Notizbücher (für mich) nicht funktionieren.
  • Ryder Carroll´s Methode ist praktisch. Fast radikal. Alles schmückende Beiwerk ist nutzlos. Spar dir die Zeit. Was hilft hat Recht.
  • Das Thema mit der Handschrift (sie muss nicht schön sein)
  • Ich mache viel intuitiv richtig. Er bestätigt mein Tun. 
  • Reflektieren. Immer wieder. Warum mache ich das? Wie komme ich ans Ziel? Was mache ich wann?

Meine Meinung:

Ich führe seit Jahren ein Notizbuch. Nein, ich führe mehrere Notizbücher gleichzeitig und verbringe viel Zeit damit zu suchen. Wo ist was? Dauernd habe ich das gleiche Problem. Wo gehört welche Info hin, zu welchem Projekt, wann ist das fällig, wo sind die Notizen die ich neulich, unterwegs, gemacht habe? Deshalb habe ich das Buch von Ryder Carroll gekauft. Um darauf eine Antwort zu finden. 

Ich habe nicht damit gerechnet, dass er mich zuerst fragt: Was genau machst du eigentlich? Und warum?

Die Warum-Frage nimmt viel Platz im Buch ein. Ich glaube, dass ich mir zu selten Zeit für diese Frage nehme, schlicht und einfach weil mir die Antwort oft nicht gefällt. Es gibt Dinge, die muss man machen, und es gibt Dinge, die will man tun, aber. 

Aber, ich habe zu wenig Zeit dafür. Aber, die Umstände passen nicht. Ich fange nicht an, aus Angst, aus Faulheit, weil ich meine, später ist auch noch Zeit… all das und noch mehr. 

Ryder Carroll tritt einem erst Mal in den Arsch. Ich schreibe das so derb, weil ich das Buch als radikal empfinde. Ganz oder gar nicht. Keine halben Sachen. Und deshalb mag ich die Methode wohl auch. Ich habe bisher schon intuitiv viel richtig gemacht, meine #Collections personalisiert, herum probiert, das Ding auf meine Bedürfnisse abgestimmt. Vorgefertigte Kalender sind mir zu starr, sie bieten zu wenig Platz, ich fühle mich eingeengt. Mein Chaos im Kopf benötigt mehr Platz. Und da sind wir bei meinem Hauptproblem. Ich verzettele mich, suche dauernd Notizen und Entwürfe, weil ich immer an drei Projekten gleichzeitig arbeite, und Ideen und Einfälle nicht damit warten, dass ich mit Projekt X fertig bin. Sie überfallen mich Nachts, wenn ich nicht schlafen kann und dann müssen sie irgendwo hin. 

Ich habe mich also jetzt intensiv mit dem Warum beschäftigt, mich von ein paar Dingen verabschiedet, die mich nicht weiter bringen. Feierlich. Das muss ja Stilecht sein. Das ist das Schöne an einem Bullet Journal. Hier ist auch Platz für meinen #Ideenfriedhof. 

Und dann setzte ich mich an die Planung meines Jahres. 2019. Ich habe viel vor. Dank Ryder Carroll weiß ich jetzt, wie ich meine Sachen wieder finde. Ich bin schon früher auf die Idee gekommen, meine Notizbücher zu nummerieren. Aber ein Index zu führen war mir bisher zu doof. Ich dachte, das brauche ich nicht. Und in das aktuelle BuJo hinein zu schreiben, in welchem Notizbuch was drin ist – das ist nun keine bahnbrechende Idee, hat mir aber die Augen geöffnet. Ein bisschen Fleißarbeit und das Suchen hat ein Ende.

Nach dem Warum kümmerte ich mich also um das Wie. Ich finde meine Handschrift gräßlich. All meine Notizbücher sind hingeschludert. Ich will nicht sagen, dass ich ein Ärzte-Handschrift-Gekrackel praktiziere, aber es sieht ein bisschen so aus, als würde ich mit der linken Hand schreiben, obwohl ich Rechtshänderin bin. (Das bin ich nicht. Ich habe keine Präferenz, ich kann mit keiner Hand schön schreiben oder eine Schere benutzen.) Selbst dafür gibt es ein Kapitel. Er hat mir im Prinzip die Erlaubnis erteilt eine gräßliche Handschrift zu haben und trotzdem ein BuJo zu führen. Brauch ich eine Erlaubnis? Nein. Hatte ich sie nötig? Ja. 

Ich verziere mein Notizbuch nicht, male nicht stundenlang Deckblätter und Blümle an den Rand. Ich habe es gern schlicht, einfach, praktisch. Eine passende Handschrift dazu wäre hübsch, aber es geht auch ohne. 

Und jetzt? Ich reflektiere, ich bin dankbar, ich plane mein Tun. Das Buch hat mich bestätigt, ein paar Anregungen und Lösungen geliefert und mich dran erinnert, dass ich mir die Warum-Frage regelmässig stellen sollte. 

x – erledigt.  

Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (6. November 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349963340X
  • ISBN-13: 978-3499633409
  • Autor: Ryder Carroll
  • Übersetzerin: Viola Krauß


Veröffentlicht in Apps & Co., Buchmomente, Caro und wie sie die Welt sieht, Erlebtes, Leben und all das., Rückschau, Roman, Sachbuch

Monatsrückblick November 2018

Tops und Flops im November

[Achtung, ganz viel unbezahlte Werbung. Hui.]

© cmh_gedoodel

Jeden Monat möchte ich ein „Tops und Flops“ schreiben, und immer kommt mir was dazwischen. Heute klappt es endlich mal. Das bedeutet aber noch nicht, dass ich hier jetzt eine schöne Regelmäßigkeit rein kriege. 

Aber der Reihe nach.

Ich nutze diverse Kanäle: Twitter, Instagram, Pinterest. Twitter nervt mich zunehmend. Immer wenn ich in meine Filterblase hinein schaue, habe ich den Eindruck permanenter Empörung. Viele Themen nehme ich nur dort wahr, in meinem Alltag findet dieser #Aufschrei nicht statt. Es sei jetzt dahin gestellt, ob das gut oder schlecht ist. Grundsätzlich habe ich auch meine Themen, die mir wichtig sind, für oder gegen die ich mich einsetze. Was ich nicht mag ist der Vorwurf, wenn man sich nicht aufregt, ist einem automatisch alles egal. Ich glaube, dass zwischen Gleichgültigkeit und Kampfgebrüll sehr viel Raum ist. Ich möchte mich lieber dort aufhalten, Lösungen suchen, diskutieren (anständig!) und handeln (wo es eben geht). Nehmen wir als Beispiel den Black Friday. Ohne Twitter hätte ich nicht mal mitgekriegt, dass der statt findet. (Weil es mir tatsächlich egal ist). Bei Twitter fand wieder ein Geschrei statt, das in keinem Verhältnis steht. Konsum-Huren vs. Weltverbesserer. Leute, die 1000 Euro für Unsinn ausgeben gegen Leute, die ausgerechnet an dem Tag kein Geld ausgeben. (An allen anderen natürlich schon, da ist es auch nicht verwerflich. Scheiß Doppelmoral.) 

Ich sehe das so: Wer sich fair gehandelte Klamotten für teuer Geld leisten kann und es auch tut: Schön für dich. 

Und wer seine Wäsche vier Monate zur Schwiegermutter bringt, weil die Waschmaschine kaputt ist, und abwarten muss, bis eine solche Aktion genug Rabatt anbietet um eine neue zu kaufen, und dann noch ein paar Weihnachtsgeschenke für die Kinder raus springen: Nicht so schön für dich. 

Ich persönlich verstehe Menschen nicht, die vor dem Apple Store übernachten für ein Handy. Muss ich auch nicht. Und wenn Freunde von mir Lebensmittel bei der Tafel kaufen (aus Gründen), dann tut es mir nicht weh, Milch und Eier und Obst zu kaufen und dann zu sagen: „Hör mal, ich habe die Sachen gekauft, kann sie aber nicht schnell genug aufbrauchen. Die werden mir schlecht – nimmst du die bitte?“ 

Und was andere, fremde Leute im Internet machen, ist mir dann tatsächlich egal. 

Aus dem Grund, weil ich nicht dauernd empört sein will, habe ich mir Instagram zugelegt. (Harborlight82) Ein bisschen Bildchen herzen, das ist nicht anstrengend, und trotzdem Internet-Kram mit Menschen. Ich teste das jetzt. Ich habe auch Pinterest, allerdings bin ich dafür zu doof. Ich verstehe es nicht. Ist das in Sachen Urheberecht nicht der Super-Gau?

Ein Beispiel. Ich habe neulich Melissa Dinwiddie entdeckt. Die doodelt. Das bedeutet, sie malt einfach drauf los, das ist hübsch und entspannend, sieht auch noch nett aus, spricht mich sehr an, und hat eben nicht den Anspruch die hohe Kunst zu sein. Ich habe also ein Notizbuch genommen und in meiner Mittagspause fröhlich nachgedoodelt. Wenn ich dir das jetzt zeigen wollen würde, und ein Flip-Through-Video mache, dann verletze ich doch ihr Urheberrecht, oder etwa nicht? Ich habe ihre Vorlagen benutzt. Und bei Pinterest läuft das aber so ab. Leute stellen ihre Bilder ein (Clarissa Hagenmeyer, zum Beispiel. Sehr toll, das alles) andere malen das nach, stellen es ebenfalls rein – und das ist ok? Die Frage ist ernst gemeint. Kann ich meine Bildchen hier teilen? Ohne Schwierigkeiten zu kriegen?  

Jedenfalls. Hier habe ich mich in letzter Zeit rumgetrieben und inspirieren lassen:

Gesehen

Bei Arte gibt es gerade jede Menge Beiträge zum Thema Menschenrechte. Da habe ich in der Mediathek nun vier Dokumentationen gesehen. 

  • London Underground und Scotland Yard Dokumentation
  • Bodyguard (Netflix)
  • The Good Doctor (Die Serie nervt mich. Ist das tatsächlich ein Symptom von Autismus, dass die Stimme am Ende immer nach oben geht? Alles, was Shaun sagt  klingt übertrieben fröhlich. „Du stirbst!“)

  • Avengers Infinity War (Boah. Wo soll ich nur anfangen?)
  • Making a Murderer Staffel 2

Die zweite Staffel hat mich mindestens so sehr aufgewühlt wie die erste Staffel. Meine Güte. Was wurde aus „Im Zweifel für den Angeklagten“? Ich weiß nicht, was mit Teresa passiert ist, aber ich glaube nicht, dass Steven Avery sie umgebracht hat. Da sind so viele Ungereimtheiten, so viele Zweifel. Ich habe den Eindruck, da ist Murphys Gesetz am Werk, weil anders kann ich mir nicht erklären, dass so viele Umstände ineinander greifen um diesen Mann und seinen Neffen in den Knast zu bringen. In der zweiten Staffel ging es ja mehr um Brendan. Der arme Junge sitzt im Gefängnis, weil er dumm ist, nicht weil er erwiesenermaßen schuldig ist. Ich finde es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Ich habe sein Geständnis gesehen. Da sitzt, meiner Meinung nach, ein Kind, dass keinen blassen Schimmer hat, worum es eigentlich geht. Und was in der zweiten Staffel vernachlässigt wird, ist der Umstand, dass sein Anwalt ihn noch mehr in die Scheiße geritten hat – später. 

Nachdem die Polizei ihm vorgeplappert hat, was er sagen soll, und Brendan wie bei einer Schulaufgabe versucht hat, die richtigen Antworten zu erraten, wollte sein Anwalt, bei der Verhandlung, dass er Teresas Leid schildert. Er gibt ihm ein Blatt Papier, einen Bleistift und sagt ihm: „Mal eine Frau, die auf einem Bett liegt. Mal sie ans Bett gefesselt.“ Und Brendan tut, was man von ihm verlangt. Weil er einen IQ von 86 hat, weil er kein Selbstbewusstsein, kein Selbstvertrauen hat, weil er nicht versteht, was das bedeutet: Das er sich selbst belastet. Jeder andere Anwalt hätte ihm gesagt: „Brendan, halt den Mund. Du musst nichts sagen, was dich belastet.“ Mit einem guten Anwalt wäre das so nie und nimmer gelaufen.

Und alle Anwälte der Anklage stürzt sich auf diese Schilderung. Die arme Teresa, die arme Familie. Das nenne ich emotionale Erpressung. Die Frau wurde also vergewaltigt. Mit einem Messer in den Bauch gestochen, dann in den Hals, dann noch erschossen. Ah ja.

Ich verstehe so viel: Im Auto war ihr Blut. An der Feuerstelle wurden menschliche Knochen gefunden. Keiner sagt: Es sind Teresas Knochen. Es sind menschliche Knochen. Im Schlafzimmer von Steven war kein Blut, kein Haar, keine Kampfspuren. Diese zwei Männer sollen also eine Frau so brutal umgebracht, aber mit ihrem minderen Verstand alle Beweise so gut beseitig haben, dass niemand, trotz wiederholter Durchsuchungen ein Fitzelchen von der Frau findet (und dieser Wohnwagen von Steven sieht aus wie Sau – so, als ob da ein lediger Mann wohnt, der in seinem Leben noch nie den Boden gewischt oder das Bad geputzt hat!) Und dann gehen sie hinter das Haus um mit zwei Autoreifen und ein paar Holzbrettern einen menschlichen Körper bis zur Unkenntlichkeit zu verbrennen?

Ich weiß soviel: Wenn in Indien ein Angehöriger stirbt, dann kauft die Familie 250 Kilo Holz für die Verbrennung. Das dauert. Und selbst da bleibt mehr übrig als ein Stück vom Hüftknochen. Also. Ich glaube diese Geschichte nicht.  

Ich frage mich auch die ganze Zeit: Was, wenn Teresa keinen Bock mehr auf ihr Leben hatte? Ein bisschen Blut ins Auto, das gute Stück abgestellt und ab in ein neues Leben!? Soll es ja geben. Auch das glaube ich nicht. Es steht aber auch nicht zur Debatte. Ich bin überzeugt, die Frau ist tot. Vielleicht ein Unfall; angefahren und dann vertuscht. Und Steven Avery ist der Sündenbock. Vielleicht ist wirklich jemand gekommen, hat sie vergewaltigt, ermordet, irgendwo verscharrt. 

Aber, da es keine Leiche gibt, gibt es auch keinen einzigen Beweis dafür, dass Steven und Brendan sie vergewaltigt haben, erstochen und erschossen. Es ist nicht mal klar, ob sie vollständig verbrannt wurde, weil nicht klar ist, ob die gefundenen Knochen ihre sind. 

Und jeder Anwalt, bei jeder Anhörung so: „Brendan hat gesagt, sie hätte geschrien. Sie hat gelitten. Er hat ein Bild gemalt, auf dem eine Frau an ein Bett gefesselt ist.“ 

Und das reicht. Das reicht für Lebenslang. Meine Fresse. Ausser dieser Aussage, genötigt von Polizei und vom Anwalt, gibt es keinen Beweis, dass Brendan jemals Teresa begegnet ist. 

Und dann habe ich noch kein Wort zu Ken Kratz gesagt. Man mag mir jetzt vorwerfen: „Caro, du magst den Kerl nicht.“ Stimmt. Er hat die Stimme eines Bübchens, dass die Pubertät noch nicht ganz durchgemacht hat. Ich kann den Kerl nicht ausstehen. Er ist mir unsympathisch. Er hat meiner Meinung nach einen persönlichen Feldzug gegen Steven Avery geführt und ist mit allem durchgekommen. Er hat öffentlich für Stevens Verurteilung gesorgt, lange bevor sich irgendein Gericht mit dem Fall befassen konnte. Das ist moralisch und ethisch eine riesen Sauerei. 

Ziehen wir mal kurz die Möglichkeit in Betracht, wie Wahrscheinlich es ist, zwei Mal im Knast zu landen, für etwas, dass man nicht begangen hat. Die Familie müsste ja katastrophenerprobt sein. Mir tun alle Beteiligten leid. ich würde gerne wissen, was wirklich passiert ist. Aber selbst, wenn die Wahrheit noch ans Licht kommt, bedeutet das nicht, dass Steven und Brendan noch mal frei kommen. Und ich bin nicht überzeugt, dass diese beiden einen Mord begangen haben. Mich wundert und ärgert, dass so viele Richter, im Laufe der Zeit zu dem Urteil kommen: Doch, doch.  

Im Zweifel für den Angeklagten für den Arsch.

  • Der große Trip

Warum müssen sich Menschen , die sich selbst suchen und dann finden, so sehr quälen? Nachdenken, das geht auch zuhause. Gut, da wär die Aussicht nicht so schön.

 

  • Kino: Grindelwalds Verbrechen

Als erstes: Seit dem dritten Harry Potter Band/Film, ist das keine Kindergeschichte mehr. Warum gehen Menschen mit Kindern unter 10 Jahren in diesen Film? 

Die ganze Sache ist sehr voll, sehr komplex, fast überladen. Ich sehe die Bezüge, die Verbindungen in alle Richtungen, ich freue mich auch darüber, schließlich bin ich im Harry Potter Universum zuhause. I´m a Gryffindor, you know? Schön wäre gewesen, das ganze etwas besser zu durchdenken – ich habe auch die Logikfehler gesehen. Auch wenn ich da viel verzeihen kann. Objektiv bin ich da schon lange nicht mehr. Ich mag Newt. Ich mag den jungen Dumbledore. Ich mag Grindelwald als Bösewicht. Ich werde mir den Film noch mal anschauen, in Ruhe. Ohne atemlos durch die Gegend zu rennen, kopflos, um ja nichts zu verpassen.  

  • Bildschöne Welt (Staffel 1 & 2)
  • Christmas Chronicles (Brauchst du nicht gucken. Hab ich schon für dich getan. Das beste am Film ist der Trailer. )
  • Nappily ever after
  • Die Frau des Zeitreisenden
  • Geniale Innenarchitektur 

Gelesen

  • Die Malerin (Ich hätte das Buch nicht lesen sollen. Ich mag Kandinskys Kunst. Als Mensch war er nicht herausragend, und nicht schön anzusehen. Wirklich nicht.)
  • Der Clan der Wölfe (Es ist unheimlich süß; der Lieblingsneffe empfiehlt inzwischen mir Bücher, statt ich ihm. Das ist sehr toll.)
  • BvjA-Anthologie: 30 

Veranstaltungen

  • Vortrag zum Thema Gelassenheit + Buch „Nimm´s leicht“ von Andreas Rieck

Da sind wir schon wieder beim Thema. Es kostet wahnsinnig viel Energie, wenn man sich dauernd über alles aufregt. Die hier vorgestellte Methode spricht mich sehr an, ich habe das Buch gekauft. Mal sehen, ob ich es umgesetzt bringe. Der Vortrag war jedenfalls sehr inspirierend. 

  • Lesung „Das Nachtfräuleinspiel“ 
  • Kenner trinken Württemberger

Musik:

  • Simon & Garfunkel: Greatest Hits (Ich armer Mensch habe bisher keine Greatest Hits CD besessen, das habe ich nun geändert!)
  • Immer noch Meat Loaf: Paradies by the dashboard Light in der Dauerschleife
  • Mumford and sons: Delta (Immer noch meine Lieblingsband, und ich glaube die einzige, von der ich alle Alben besitze.)
  • Hayden – Die Schöpfung (Gänsehaut. Singt dem Herrn alle Stimmen)

Apps

  • 7 Mind
  • Rayman Adventures
  • Love Book App

Das Jahr, als ich anfing Dudelsack zu spielen

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Mein Abgabetermin für meine #Drachenfortsetzung rückt näher. Daher habe ich Momentan den Eindruck für alles andere zu wenig Zeit zu haben. Ich schreibe, lösche, recherchiere, schreibe, lösche wieder und das Stimmungsbarometer schlägt Purzelbäume. Da schreib´ ich ein Kapitel und halte mich für literaturpreisverdächtig, im nächsten Moment möchte ich das Manuskript in die Tonne kloppen und neu anfangen. Ich spüre den Druck im Nacken fertig zu werden. Das ist gut und wichtig, aber gleichzeitig auch lästig. Andere Dinge, wie der Blog oder das Lesen, kommen zu kurz. Literatur konsumiere ich derzeit nur noch in Form von Hörbüchern beim Autofahren. Ich bin viel für die get shorties Lesebühne unterwegs. Meine Kollegin Lotte Römer wartet nun schon Wochen darauf, dass ich ihr neues Manuskript lese und ein Feedback gebe… Ich weiß gar nicht wie lange es her ist, dass ich „Das Jahr, als ich anfing, Dudelsack zu spielen“ las. Nun möchte ich dir endlich davon erzählen.

Tanja Köhler, die ich vor vielen Jahren kennen lernte, und dann für Jahre aus den Augen verlor, schob sich mit dieser Veröffentlichung wieder in mein Augenfeld. Ich besuchte also eine Lesung von ihr – wobei Lesung das falsche Wort ist. Vortrag trifft es auch nicht. Das, was sie da macht ist eine Mischung aus Vortrag, Lesung, musikalischer Darbietung, aus-dem-Nähkästchen-plaudern und guter Unterhaltung. Gibt es dafür ein Wort? Man müsste eins erfinden…

Jedenfalls. Sie hatte den Wunsch Dudelsack spielen zu lernen und dieser Wunsch schlug Wellen. Sie nahm Unterricht (sie nimmt aktuell natürlich immer noch Unterricht – Dudelsack lernt man nicht eben mal g´schwind.) Dann schrieb sie ein Buch über Veränderung und nun dient der Dudelsack als Metapher für selbige. Das ist ziemlich vereinfacht ausgedrückt, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber der Reihe nach.

Der Untertitel für das Buch lautet: Eine Anleitung zur Veränderung in der Mitte des Lebens. Ich bin noch nicht in der Mitte meines Lebens angekommen und nach der Lektüre kann ich sagen, es braucht auch keine Mitte um eine Veränderung zu wollen oder umsetzen zu können. Lass dich davon also nicht abschrecken. Veränderung – das ist etwas, dass kann man mit 20 oder mit 80 noch machen. Das ist nicht an einer Jahreszahl fest gemacht.

Es mag sein, dass ich nun nicht ganz objektiv bin, weil ich Tanjas herzliche, laute Art kenne und ihre Stimme im Ohr hatte, während ich las, aber ich mag den Tonfall des Buches. Tanja Köhler ist nicht belehrend, sie sagt nicht: „Du musst dieses oder jenes, damit es klappt.“ Aber sie erklärt die Dinge sehr einfach, verständlich, verwendet nicht unnötigerweise Fachchargon und Fremdwörter, die man erst googeln muss. (Ich habe mal vor vielen Jahren einen Schreibratgeber gelesen, der so geschwollen geschrieben war, dass ich auf jeder Seite mindestens drei mal das Wörterbuch konsultieren musste, um halbwegs mitzukommen. Am Schluss dachte ich, ich sei ein völliger Idiot, könne kein Deutsch und mit dem Schreiben wird das NIE was. Das war sehr kontra-produktiv.)

Tanja Köhler geht der Frage auf den Grund, was eine Veränderung ist, wann man eine braucht und wie man es dann anstellt, diese Veränderung im eigenen Leben umzusetzen. Wie gesagt, der Dudelsack dient durchweg als Metapher und das erstaunlich gut. Nebenbei erfährt man noch so einiges über Schottland, das Dudelsack spielen und Tanja Köhler selbst. Ihren Werdegang, diverse Veränderungen in ihrem Leben. Das ist ehrlich, das ist nah, das ist persönlich. Sie erzählt von denkwürdigen Momenten und von Denkfehlern. Sie bringt es dann auf drei Punkte: Ziel, Umsetzung und Dringlichkeit.

Für mich klang das alles sehr logisch. Ich dachte über Dinge nach, die ich bisher geschafft habe und Situationen, an denen ich gescheitert bin. Nun kann ich ganz genau benennen, wann eines der drei Dinge gefehlt hat, oder gar alle drei. Das ist etwas, dass ich bisher gespürt habe, ohne Worte dafür zu haben. Ein Beispiel. Während der Veranstaltung, als Tanja fröhlich und mit viel Begeisterung von ihrem Dudelsack erzählt hat, vom Wunsch zu spielen, über den harten Weg zum ersten Instrument, der Suche nach einem Lehrer und den Hindernissen, die es zu überwinden galt, da meldete sie das kleine Lause-Mädchen, das in mir wohnt, zu Wort. Sie sagt in regelmäßigen Abständen zu mir:

 

Caro, Schlagzeug spielen können – das wär´s.

Ich würde ausflippen und ba-da-bing, ba-da-beng, ba-da-bum-bum machen.

Wie irre. Und laut.

 

Das ist in meiner (unserer) Vorstellung unheimlich hübsch. Nach dem ich dieses Buch gelesen habe, dachte ich aber;

 

Hör mal, Mädel! Du hast das nicht als Ziel formuliert, weil ganz andere Dinge wichtig sind. Du hast kein Bock das umzusetzen (Üben!) und die Dringlichkeit ist nicht existent. Du lebst seit Jahren prima ohne Schlagzeug. Ein Tag ohne Wörter überstehst du aber kaum.

 

Keiner der drei genannten Punkte ist gegeben. Ich habe mir also den Zollstock angesehen, wie im Buch beschrieben, hab mir die Zeit angeschaut, die mir theoretisch noch bleibt, und gedacht: Da sind andere Sachen, wichtigere Sachen, die ich machen will. Und immer, wenn ich mich frage, was ich will, plingt als erstes das Wort „Schreiben“ in meinem Kopf auf, wie eine Mikrowelle, die fertig ist. Also, zurück auf Anfang. Das Thema lautet Veränderung. Das ist spannend, das ist mir wichtig. Es ist Jahre her, da hatte ich eine Schreibübung auf dem Tisch mit dem Thema „Wie lange weiter so?“ und ich kritzelte in mein Ideenbuch „Nichts ist, wie es bleibt“. Was das genau bedeutet, weiß ich noch nicht. Aber es beschäftigt mich. Das Wort „Schreiben“ plingt in mir, wieder und wieder. Aktuell arbeite ich an meiner #Drachenfortsetzung, nebenbei immer an neuen get shorties Texten und der Zollstock, Tanja Köhlers Zollstock mahnt mich: Da ist diese Geschichte. Ich will dir davon erzählen, weil es mich in die Situation bringt, zu meinen Worten zu stehen.

Ziel. Dringlichkeit. Umsetzung. 

Da ist diese Geschichte. Ich nenne sie mein Opus Magnum. Mit dieser Geschichte laufe ich seit zehn Jahren herum. Sie ist fertig, in meinem Kopf. Es gibt noch kein einziges Wort dazu auf Papier. Vor vielen Jahren lag ich im Krankenhaus, Blinddarm, und hatte keinen Fernseher im Zimmer. Das war nicht schlimm, ich wollte eh nichts wissen. Meine Eltern brachten mir „Die Dornenvögel“ als Lektüre ins Krankenhaus. Ich habe diesen Wälzer in wenigen Tagen gelesen. Und geliebt. Wirklich geliebt. Damals dachte ich sehnsüchtig, „So was…“, der Rest blieb ungedacht. Ich traute mich nicht. Der Rest lautet:

 

So etwas selber schreiben! Eine Liebesgeschichte. Eine Familiengeschichte. Mehrere Generationen. Boah.

 

Etwa fünf Jahre später entdeckte ich John Irving. Der macht das auch – ein ganzes Leben, mit Eltern und Kindern, zwischen zwei Buchdeckel packen. Mit allen Details. Jedes Werk ist groß, da stecken gleich mehrere Wahrheiten drin, und was noch wichtiger ist – er hat diesen Blick auf Menschen, verstehend, liebevoll. Die Figuren sind komplex und schwierig und schrullig und echt. Das gefiel mir, vom ersten Satz an. Nun geht es mir nicht darum „Die Dornenvögel“ noch mal zu schreiben, oder John irving kopieren zu wollen. Das soll schon meine Handschrift sein, mein Blick, meine Details. Aber man braucht ja Vorbilder. Man muss wissen, was es schon gibt. Was einem selbst gefällt, was man selber lesen möchte, welches Buch noch dazu soll, in diese Bibliothek des Universums. Und da würde ich gern meine Geschichte dazu stellen. Deshalb nenne ich das mein Opus Magnum. Es ist nichts geringeres. Kleine Gedanken passen in alle anderen Geschichten, kurz oder lang.

Ich kenne mein Ziel. Ich weiß wie ich aus einer Idee einen Text mache. Die Dringlichkeit ist… ich will nicht warten, bis ich eine alte Frau bin. Aber es ist auch noch nichts für heute. Aber ich hab den Zollstock genau im Blick. Und damit empfehle ich dir dieses Buch. Zu wissen wie, ist manchmal schon der halbe Weg.

 

~Caro

 

 

Veröffentlicht in Erster Eindruck, Literatur, Notizbuch, Rezensionen, Sachbuch, Schreibübung

Heute schon geschrieben?

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Leider lautet meine Antwort auf die Frage zu oft „Nein.“ Ich beschäftige mich nun schon seit zehn Jahren mit dem Schreiben, habe schon manchen Ratgeber gelesen aber noch keine Lösung für mein Problem gefunden.

1. täglich zu schreiben. Das ist bis jetzt noch Wunschdenken.
2. den Überblick über meine Arbeit zu behalten.
Sobald ein Text über fünfzig Seiten hinaus geht, verliere ich den Überblick über meine Figuren, Handlungsstränge und Zusammenhänge. Ich habe Karteikarten ausprobiert, und Notizbücher, große Weltübersichten in DIN A0 und allerhand mehr. Irgendwann komme ich an den Punkt an dem ich mich verzettele und aufgebe. Sehr schlau, ich weiß. Weil dann fange ich was Neues an, im Glauben diesmal wird alles besser, kürzer, weniger Details. Undsoweiter.
Ich glaube in meiner Schublade liegen fünfzehn Romane, angefangen und aufgegeben, zwischen sechzig und hundertzwanzig Seiten, die nach mir rufen:
MACH MICH FERTIG, VERDAMMT!
Diese Edition soll nun Abhilfe schaffen. Ich bin gespannt. Ich gebe zu, ich habe die Edition nur gekauft wegen der Ankündigung „Ideen finden und STUKTURIEREN“ Ideen habe ich genug, damit hatte ich noch nie Kummer. Aber am Schluss immer noch zu wissen was ich tue, ist die Herausforderung.
Stay tuned. Ich habe nun fünfzehn Bände vor mir und werde berichten.

 

Diana Hillebrand – Heute schon geschrieben?

Veröffentlicht in Briefe ans Universum, Buchmomente, Notizbuch, Rezensionen, Sachbuch, Schreibübung

Das Tagebuch

Liebes Universum,

ich schreibe Tagebuch. Damit habe ich angefangen, ich glaube mit fünfzehn. Damals habe ich auf die erste Seite eine Drohung geschrieben, nach dem Motto, wer das hier liest, fährt direkt zur Hölle. (Blöd nur, dass ich an selbige gar nicht glaube.) Jedenfalls.

Ich kann gar nicht mehr sagen, warum ich anfing. Vermutlich war ich picklig, sensibel und der Meinung allein auf der Welt zu sein. MEINE Probleme hatte noch nie jemand, das versteht auch keiner. Das ganze war also eine narzisstische Selbsttherapie. Mich selbst darstellen und verstehen wollen, was los ist. Mit mir, mit der Welt. (Ich weiß es übrigens heute immer noch nicht. Fünfzehn Jahre später. Aber sei’s drum.)

Worauf ich hinaus will?

Ich will dir von dem Buch „Schreiben Tag für Tag“ erzählen. Das beschäftigt sich nämlich mit dem Thema Tagebuch schreiben und ich dachte mir, man lernt ja nie aus, das liest du mal. Wirklich viel Neues hat mir die Lektüre nicht gebracht, wie gesagt, ich schreibe schon sehr lange Tagebuch und in verschiedenen Formen. Ich habe zum Beispiel so ein kleines Büchlein bei mir, das passt in jede Jackentasche, ich habe es mit einer Stiftschlaufe und einem Bleistift ausgestattet und nun weiß ich, dass es sich um ein anarchisches Notizbuch handelt, das ich inzwischen auch mit einer Art Inhaltsangabe ausgestattet habe. Das ist wirklich sinnvoll, wenn man mal was sucht… Das ist eine der wenigen Anregungen, die ich aus dem Buch mitgenommen habe. Jedenfalls.

In das kleine Büchlein kommt ALLES, was mich beschäftigt. Ideen, Eindrücke, alles was ich von dem Traum letzte Nacht noch weiß, meine Einkaufsliste, meine Recherchen, Gedanken zur Welt und was ich sehe. Fotos aus Worten, sozusagen. Eine Schreibaufgabe lautete, genau so ein Notizbuch für eine Woche zu führen.

Ich nehme an, wenn man ein solchen Buch wie das „Schreiben. Tag für Tag“ zur Hand nimmt, dann tut man das schon, das Tagebuch schreiben, so wie ich, oder will zumindest mehr Regelmäßigkeit in seine Einträge bekommen. Ich habe oft mit meinen Strukturen zu kämpfen, verliere den Überblick, und wenn ich ihn dann doch mal habe, den Überblick, dann meint mein Schweinehund (namens Bentley) er müsse mich aufs Sofa werfen, sich auf mich drauf legen und mit der Schnauze die Fernbedienung ankauen, bis was kommt, dass man stundenlang gucken kann. Wenn nix kommt, sabbert und kaut er halt.

Dank der Schreibberatung von Pia Helfferich kam ich dazu ein Schreibjournal anzulegen – das wird in dem Buch auch empfohlen. Ich betrachte es jetzt mal als Tipp von beiden, weil dass wirklich Neu für mich war und sich jetzt als Hilfreich entpuppt. Ich schreibe auf, was ich mache, wie es mir beim schreiben erging, wie ich weiter machen will, samt Plan für meine Aufgaben für eine Woche. Da sich die Aufgaben mit einer Lesebühne, mit einem Romanprojekt, mit einer Schreibgruppe und mehreren Seminaren bunt mischt, kommt da ganz schön was zusammen. Der Punkt dabei ist, JETZT hab ich das im Griff. Im Tagebuch habe ich jetzt die anderen wichtigen Sachen stehen. Die Menschen um mich herum. Was sie tun und was nicht. Ich versuche nach wie vor, schreibend das Leben zu begreifen. Das ändert sich auch nicht.

Universum, denk jetzt nicht, das Buch wäre mir keine Hilfe gewesen oder sogar schlecht. Kein Buch ist schlecht. Es kommt nur drauf an was man für sich daraus mitnehmen kann. Manchmal wünsche ich mir eine Karteikarte – ganz am Schluss, die ich ausfüllen und behalten kann. (Bücher muss man weiter schenken, die sollten immer auf der Reise sein und nicht im Regal verstauben. Gute Bücher besuchen mich gern zwei oder drei Mal) Irgendwann setzte ich das auch um. Die Karteikarte, die ich ausfülle: Was ich mochte. Was ich nicht mochte. Welche Erinnerung ich daraus mitnehme. Was ich gelernt habe. Undsoweiter.

Dieses Mal würde ich schreiben, wenn ich meine Karteikarten zu Büchern schon hätte, „Ich habe in fremden Tagebüchern gelesen“. In dem Buch von Christian Schärf gibt es massenweise Beispiele. In Erinnerung geblieben sind mir die Einträge von Kafka, der sein Schreiben und Leben festgehalten hat. Man müsste sagen schreibleben. Ich muss mehr von Kafka lesen. Definitiv.

Und ich bin in die Welt von Susan Sontag eingetaucht. Von ihr habe ich bisher noch nichts gelesen. Das muss ich unbedingt nachholen. Die paar Beispiele aus ihren Tagebüchern haben schon gereicht um mir das Gefühl von Nähe zu vermitteln. Das können nur Bücher. Drei Sätze, und ich bin emotional involviert. So, ich muss noch was lesen. Es gibt viel zu tun.

Magst du mein Karteikasten sein?

Deine Caro

DUDEN

Schreiben Tag für Tag: Journal und Tagebuch

Christian Schärf

Veröffentlicht in Briefe ans Universum, Caro schreibt, Dies und das, Erster Eindruck, Notizbuch, Rezensionen, Sachbuch, Schreibübung

Das Ideenbuch

Liebes Universum,

heute ist das Ideenbuch bei mir eingezogen! Du weißt ja, dass ich nicht ohne Notizbuch aus dem Haus gehen kann. Ich fühl mich irgendwie nackt, wenn ich es tue. Hilflos. Stell dir vor, ich habe einen famosen Gedanken, vielleicht sogar einen, den man in eine Geschichte verwandeln könnte, und ich habe nichts zu schreiben. Supergau.

Nun ja, wirst du sagen, auf einem Bierdeckel kann man auch Ideen festhalten. Oder auf einer Serviette. Ja, ich hab auch schon auf den Handrücken geschrieben. Das geht, da hast du Recht. Aber die Form ist wichtig, das drum herum. Manche Gedanken und Aufschriebe sind nur für mich, für Jetzt oder für die InzehnJahrenCaro, die ganz anders denkt und deren Gedächtnis schlecht ist, weil Hubert keine Lust hatte aufzuräumen oder mitzuschreiben, im Geiste. Manchmal, da möchte ich meine Wohnung leer räumen und die Wände beschreiben und die Decke – ich möchte auf Worten gehen und mich einhüllen. Mach ich natürlich nicht. DIR würde das sicher gefallen. Das glaub ich wohl.

Jetzt nimm doch mal, als Beispiel, die J. K. Rowling. Ich habe Harry Potter gelesen, der Scheißer hat mich JAHRE begleitet und die Frau ist wirklich nicht die begnadetste Autorin. Aber sie hat es fertig gebracht, eine verdammt gute Geschichte zu erzählen. Ich habe dieses Lese-Erlebnis sehr genossen und auf manch einer Tagebuchseite über Harry nachgedacht. Ich habe die Sehnsucht auf das nächste Buch festgehalten und meine Trauer um Dumbledore. Das ist jetzt nur ein Beispiel – die geheimen Gedanken sind geheim, die gehen dich gar nichts an. Worauf ich hinaus will? Sei doch nicht so ungeduldig. Stell dir mal vor, ich nehme den ersten Harry-Potter-Band in zehn Jahren in die Hand – mit der Widmung auf der ersten Seite, das Buch war ein Geschenk, und mit den Erinnerungen. Und dann les ich nochmal. Ich mache das Abenteuer noch mal mit. Ich lasse mich nochmal darauf ein. Und dann nehme ich mein Notizbuch in die Hand, das Alte von damals, und reiche meinem Ich die Hand. Ist das nicht der Hammer? Hm?

Aber zurück zum Thema. Notizbücher gibt es viele – und Liebhaber wie mich. Ich besitze sie alle, die Moleskines und die Leuchttürme, die billigen aus dem Aldi, die Schulhefte, in die man malen und schreiben kann, die Stifte, die Lesezeichen, die Stiftschlaufen. Was man für Geld kaufen kann und ein paar selbstgebastelte Dinger. Alle. Es ist nicht so, dass ich einen Mangel hätte. Derzeit liegen hier bestimmt 10 leere Notizbücher herum, die darauf warten, dass ich ihre Seiten mit Tinte fülle, ihnen erzähle, was ich denke, und neue Welten erschaffe oder einfach abkotze, wenn mir mal wieder alle auf den Keks gehen. Es war also wirklich nicht nötig noch eins zu kaufen. Nötig ist wenig im Leben. Es geht meistens nur ums Haben. Und bei Büchern, Notizbüchern und Schreibgeräten bin ich Jäger & Sammler. Ich kann nicht gegen meine Natur, das musst du einsehen.

Heute ist also das Ideenbuch bei mir eingezogen. Das mit Abstand tollste Notizbuch, das ich je besessen habe. Das wollte ich dir eben erzählen. Freude über Freude.

Deine Caro

Ideenbuch

Das Ideenbuch Collecto 372