Travel

London: Afternoon Tea

Letzter Tag.

 

© cmh_Afternoon Tea / Orangery at Kensington

 

Ich weiß wirklich nicht was die Menschen früher ohne Internet gemacht haben. Wenn ich meinen Urlaub plane, suche ich mir meine Adressen und Routen heraus, überlege, wo ich mir was anschauen will, kaufe Tickets im Voraus, schaue noch ob ich irgendwo einen Rabatt raus schlage. Inzwischen überlege ich sogar, wo ich essen will. Geht ja online alles sehr einfach. Bei unserem letzten London-Besuch tappten A. und ich, mit wenigen Stunden Zeit vor unserem Abflug zufällig in die Orangery – mit einem kleinen Hunger. Das Wetter war sensationell, draussen waren noch Tische frei. So bekamen wir ein hübsches Plätzchen mit Aussicht und die Scones empfohlen. A und ich nickten uns zu; Ja, Scones zum Abschluss, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen müssen, dass ist ein würdiger Abschluss. 

Wenn ich die Wahl habe, zwischen Kaffee und Tee, wähle ich Tee. Wenn man in England Tee bestellt, bekommt man ein Kännchen, und das sind dann mindestens drei Tassen. In der Orangery  sogar vier. (Nach vier Tassen Tee gluckert es ein bisschen im Bauch 🙂 )Dieses Mal überließ ich es nicht dem Zufall. Ich stöberte auf der Webseite. Tatsache: Hier kann man einen Tisch reservieren. Und ich sah das Angebot für den Afternoon Tea. Beim letzten Mal, als wir so zufällig hier her kamen, waren wir zu früh dran. Ich wollte schon lange mal die Etagere bestellen, mit all den Leckereien. Dieses Mal also, war ich vorbereitet. Tisch, Uhrzeit, und genügend Hunger. Weil, das ist eine ganze Menge, was man da essen darf/muss. A. und ich haben uns eine Etagere geteilt. (Der Afternoon Tea kostet 28,50 Pfund pro Person. Ich habe das bei anderen Restaurants wesentlich teurer gesehen. Billig ist es aber auch nicht.)

Auf dem unteren Teller sind deftige Sandwiches: Mit Lachs, Schicken, Eiersalat und Gurke. Sehr lecker. Insgesamt 8 Stück. Auf dem mittleren Teller sind die Scones (natürlich!), die mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade geliefert werden. (Ich habe Scones schon selber gebacken, die Clotted Cream aber gekauft.) Die Scones in der Orangery sind zum Niederknien lecker.

Zum Vergleich: Ich habe welche auf dem Borough Market gekauft, mit Zimt und Rosinen, die lagen aber wohl schon eine Weile in der Auslage und waren sehr trocken. Nicht so lecker. Scones schneidet man übrigens nicht, sondern dreht die untere Hälfte gegen die obere Hälfte und trennt sie so voneinander.

Ganz oben ist dann der verboten-süße Kram. Erdbeercreme und Mini-Kuchen, Schoko-Irgendwas und Kuchen mit Marzipanüberzug. Das Marzipan war rosa und schmeckte ein bisschen nach Rosen. Ich habe einen süßen Zahn, wie man so schön sagt, ich hätte mich drin wälzen können. A. war das obere Tellerchen zu süß, daher habe ich ihre Portion auch noch gefuttert, ich bin Schwabe. Was bezahlt wurde, wird auch gegessen!

A. und ich haben abgemacht, dass die Orangery nun Tradition wird. Zu jedem Abschied werden wir uns den Bauch voll schlagen. Das Sandwich im Flieger schmeckt nämlich nach Pappe.

 

Link: The Orangery 

 

London: Hampstead Heath

Tag 3

 

 

Hampstead Heath ist wild und schön. Also wildschön. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das sicher nicht. Ich mag sie alle, die Parks und Ruheflächen, die grünen Oasen mit den ordentlichen Blumenbeeten und dem getrimmten Rasen. Alles ist britisch, korrekt, wie mit dem Lineal gezogen. Das war mir bisher alles sehr recht, hübsch anzusehen, das gibt tolle Fotos. Und dann entdeckte ich Hampstead Heath. Wildschön.

Ich sage es gleich: Ein Tag reicht nicht, um sich den Park anzusehen, ein halber schon gar nicht. Ich wußte nicht WIE groß der Park ist und habe deshalb nur ein keines Stück, ein Puzzleteil davon gesehen. Das ist gut und das ist schlecht. Ich habe nicht alles gesehen – ich muss da wieder hin, es gibt noch viel zu entdecken. Hier hat es diverse Teiche, Ponds, und wenn man hart genug ist, kann man da schwimmen gehen. Mich friert es beim zusehen, aber ich sehe gern zu.

 

 

 

A. lässt mich machen. Das ist eine ihrer besten Eigenschaften. Ich kenne nur zwei Gangarten. Rennen und Stop. Dazwischen ist nichts, nur verlorener Raum.

Ich finde, eine Stadt muss man erlaufen. Parks ebenso. Das bedeutet, ich renne, schaue aufs Navi, sehe mich um, versuche zu erfassen, was ich da sehe und habe gleichzeitig Scheuklappen auf. Sie ist hinter mir, versucht tapfer mitzuhalten, mit meinem Tempo, meiner Begeisterung, meinem Irrsinn. Sie lässt mich machen. Auch dann, wenn ich falsch abbiege, nicht gleich weiß wohin, zurück und vor und nochmal links. Sie wird nicht ungeduldig mit mir, reagiert nicht genervt und ich denke dann oft: Sie ist ein besserer Mensch als ich. Diese Nachsicht habe ich nicht mit mir.

Und dann; ich renne den Hügel rauf, finde endlich, was ich gesucht habe, mein London-Glück mit Aussicht. Parliament Hill. Ich drehe mich um, sie ist noch da, wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt; Schön hier.

Dann würde ich gern was Nettes sagen, Danke oder Du Gute!, aber ich habe keine Zeit. Eine Parkbank muss her, für ein kleines Stop. Pause.

 

 

Wie gesagt, ich habe nur einen kleinen Teil gesehen, lief Trampelpfade entlang, wich Matschkuhlen aus, kreuzte den Pferdepfad und wunderte mich: So viele Leute, so viele Hunde, und jeder kommt mit jedem aus!? Zuhause, wenn ich im Wald joggen gehe, treffe ich selten Menschen, die die Notwendigkeit eines erzogenen Hundes angesichts von Joggern und Radfahrern, einsehen. Da ist das Thema immer ein Drama. „Der will doch nur spielen!“ Schwäbische Ignoranz, Kläffer, Wadenbeißer und Meinereiner mit einer kurzen Lunte. Ich werde da schnell wütend.

 

 

Hier: Ich sitze auf einer Parkbank, schlürfe eine Cola, bin zufrieden. Ein Dackel kommt vorsichtig auf mich zu, wir beschnüffeln uns, er leckt an meiner Hand, mein Schuhband interessiert ihn, ich kraule ihn am Ohr. Die Besitzerin kommt auf mich zugestürzt, entschuldigt sich dafür, dass ihr Hund mich belästigt habe – man könnte kurz den Eindruck gewinnen, Oscar hätte mir einen Finger abgebissen. Dabei mögen wir uns, Oscar und ich. Und wir plauschen, die Frau und ich, soweit mein Englisch es zulässt, über Hunde und deren Erziehung, über den Park und wo es das beste Eis gibt. So einfach kann es sein. Schön.

Sie gehen weiter, die Hunderunde beenden. Ich bleibe sitzen, genieße das Stop, auch, weil mir die Füße weh tun. Aber das muss so. Wenn mir die Füße nicht weh tun, habe ich es nicht richtig gemacht, das Entdecken, das rennen. Aber ich werde mit diesem Ausblick belohnt. Hier lässt es sich aushalten.

~Caro

 

Parliament Hill

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London – Sky Gardens

Tag 1

 

© cmh_Sky Gardens

 

Es gibt einige Plätze in London, die eine tolle Aussicht bieten. Breathtaking, würde der Engländer sagen. Und ich mag es den Überblick zu haben, so wie ich es mag Dinge zu durchschauen. Da spielt ein gewisses Maß an Arroganz mit, Überheblichkeit steckt auch in dem Kuchen drin, aber vor allem: Den Überblick haben. Ich mag die Weite des Himmels, das Erkennen von Details, wie manches ganz klein wird in der Ferne, weniger beängstigend und gleichzeitig wie die Größe der Welt mich still werden lässt, in meiner kleinen Bedeutungslosigkeit. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Manchmal rückt mir das den Blick zurecht, wenn ich mich zu wichtig nehme. Ich mag Leuchttürme und hohe Gebäude, ich mag Hügel mit Aussichtspunkten ins Tal, ich mag Seilbahnen und wenn mein Magen robuster wäre, würde ich sogar das Fliegen mögen. Und weil das alles so ist, habe ich schon zwei Runden mit dem London Eye gedreht, war auf dem Primrose Hill und habe mich nicht eingekriegt vor Glück angesichts der Skyline meiner Lieblingsstadt. Ich war auch auf dem Parliament Hill, aber dazu später mehr. (Siehe Hampstead Heath).

In Vorbereitung auf meinen London-Trip habe ich mir diverse YouTube Videos angeschaut. Ich liebe es, Leuten dabei zuzuschauen, wie sie durch die Stadt gehen und Fotos ihrer Lieblingsplätze machen, wenn sie mir Ecken zeigen, in die sich normalerweise keine Touristen verirren, wenn sie mir vermitteln: Das ist London, so lebt man hier. Und so stieß ich auf ein Video vom Sky Garden. Der höchste öffentliche Park Londons. Da musste ich hin!

Auf der Webseite kann man circa drei Wochen im Voraus seinen Besuch planen. Datum und Time Slot auswählen und los geht´s. Die Party ist kostenlos. London ist die teuerste Stadt der Welt und ich bin Schwabe, wenn das kein schlagendes Argument ist! Ich habe mir 13.30 Uhr ausgesucht, in der Schlange am Eingang darf man sich maximal 15 Minuten vorher anstellen. Ich war natürlich zu früh, und dachte ich müsste zeitig da sein um die Wartezeit mit einzuplanen, damit 13.30 Uhr auch klappt. So nutzte ich die Zeit um einmal um den Block zu laufen, das tolle Wetter zu genießen, Touristen und Londoner gleichermaßen anzuglotzen. Die kann man gut voneinander unterscheiden: Die Londoner haben prinzipiell weniger an, weil Sonne. 😉 Es hat jede Menge Geschäfte drum herum, viele saßen auf dem Mäuerchen vor dem Gebäude und aßen ihr Mittagessen aus Plastik-Schalen mit Plastik-Besteck. Auch etwas, das mir aufgefallen ist: Der Müll, der tagtäglich in Massen produziert wird. Klar, die Leute haben Hunger, die fahren nicht extra heim, und ich nehme an die wenigsten Bürogebäude verfügen über eine Küche oder Kantine. So sitzen sie draussen in der Sonne, mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, mit einem Kaffeebecher neben sich, und dem vielfältigen Angebot von EAT in der Hand. Lecker ist das, aber nicht besonders umweltfreundlich.

© Carolin Hafen – 1 Sky Garden Walk

Der Sky Garden wird sehr gut organisiert. Dank der Time Slots befinden sich in etwa immer gleich viel Leute im Gebäude und man tritt sich nicht gegenseitig auf die Füße, weil so viel los ist. Meine Wartezeit betrug dann exakt 15 Minuten. Natürlich musste ich erst an der Sicherheitskontrolle vorbei. Inhalt des Rucksacks zeigen und durch den Metalldetektor. Es gab noch eine kleine Diskussion wegen meinen Schweizer Taschenmesser, dass ich immer in der Hosentasche habe. (Ein recht´s Mädle hot immr a Messr im Sack. – O-Ton des Vaters.) Ich durfte trotzdem und mit dem Mini-Taschenmesser hoch in den 35. Stock. Die Aussicht ist, ja wirklich: Breathtaking. Man kann das Gebäude an sich ja hässlich finden, aber ist man erst oben, wird das sehr nebensächlich. Es gibt eine Aussenterrasse, der Wind pfeift einem um die Ohren, während man Fotos macht und es ist herrlich. Im Vorfeld hatte ich mich gefragt, ob man einen 360° Blick hat, oder „nur“ die eine Aussicht zur Themse hin. Also ja, man kann einmal komplett die Runde machen, London in alle Himmelsrichtungen fotografieren, an den Scheiben stehen Hinweise, welches Gebäude wo zu sehen ist. Die Palmen, der ganze Garten vermitteln tropische Gefühle und ich dachte sehnsüchtig „Hier, in einem dieser Restaurants hätte ich gern mal ein Date mit jemandem, der mir Herzklopfen verursacht.“

 

© Carolin Hafen – Aussichtspunkt

 

 

Die beste Freundin organisierte uns derweil Getränke, und einen Sitzplatz neben der Bar fanden wir auch. Keine Reservierung nötig. Rundum hat es Tische, aber auch Sofas und richtige Chill-out-Ecken zum rum lümmeln. Ich könnte hier prima lümmeln, mit einem Buch, einer Cola und viel Zeit. Das hätte viel Schönes. Wie gesagt, es war nicht völlig überfüllt, und die kleinen „Hotspots“ zum Fotos machen laden zum Small Talk ein. Ich weiß nicht, für wie viele Menschen ich das Fotografieren übernommen habe. (Ich mache das sehr gerne!). Ständig drückte mir jemand eine Kamera oder ein Handy in die Hand: „Machst du bitte ein Bild?“

Klar! Amerikaner, Deutsche, Chinesen. Alles dabei. Irgendwem habe ich dann meine Kamera in die Hand gedrückt, einer Chinesin bin ich in ihre Aufnahme (vermutlich YouTube-Reiseblog) reingeplatzt. Wir haben gekichert. Alles sehr entspannt, ein bisschen Small Talk hier und da. Die Getränke waren bezahlbar und der Mittag viel zu schnell um.

Wenn du nach London kommst, schau´s dir an, es lohnt sich.

 

 

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