Veröffentlicht in Carolin M. Hafen, Leseprobe, Literatur, London, Roman

London in Love; Leseprobe

Zugreifen: nur kurze Zeit stark preisreduziert!

Leseprobe #1:

Sie erreichten das Pub ›Princess Louise‹. Kaum drückte London die Tür auf, erschlug sie fast der Lärm, der ihr entgegenkam. Sie hatte einen Tisch reserviert und sie wurden auch gleich von einer Bedienung in den zweiten Stock geführt, wo man ihnen ihren Platz zuwies. Nun kam ihre große Prüfung. Buying a round. Sie musste alle fragen, was sie trinken wollten, und es dann schaffen, diese Bestellung an der Theke aufzugeben, ohne alles zu vergessen oder durcheinanderzubringen. Sie atmete tief durch, hielt in einer Hand ihren Trost-Knopf und mit der anderen kratzte sie sich nachdenklich am Kopf. Sie konnte nur ahnen, wie sehr ihre Stirn einer Kraterlandschaft glich.

»Aufschreiben?«, hatte ihr Vater entsetzt gefragt. »Das kannst du auf keinen Fall machen! Das musst du ohne dein Notizbuch schaffen.«

Wieder war es Bindhi, die wie ein guter Geist neben ihr erschien.

»Merk du dir die Getränke der Frauen und ich mir die der Männer«, flüsterte sie. London nickte dankbar. »Bestell gleich crisps dazu und für dich selbst ein halfpint, dann kannst du mit anstoßen. So ein kleines Gläschen schaffst du, oder?«

»Ist das so offensichtlich?«, fragte London leise zurück.

»Dass du keine Ahnung hast, was du hier tust? Ähm. Ja. Sorry.« Bindhi kicherte und fragte dann die Herren, angefangen bei Mr Smith, was sie gerne hätten. London hörte zu und staunte. Bei Lager und auch bei Ale kam sie noch mit. Alles danach waren nur bedeutungslose Namen. Kronenbourg, J&B, London Pride. Sie war froh, dass sie sich um White Wine Spritzer kümmern konnte, da wusste sie wenigstens, was sie bestellte. Bindhi half, die Bestellung beim Barmann aufzugeben und anschließend alle Getränke und die Chips an den Tisch zu tragen. Selbst Miss Millie ging den Weg zwei Mal, beladen mit Chipstüten und Erdnüssen. Am Schluss saßen sie endlich beieinander, die Anspannung fiel von London ab, jeder hatte etwas vor sich stehen, es war in den meisten Fällen sogar das Richtige, und das Büro Garling, Reuther & Partner stieß mit klirrenden Gläsern auf sie an.

»Schön, dass Sie hier sind«, sagte Mr Smith.

London starrte immer noch auf ihr Glas, als alle anderen schon getrunken hatten und anfingen, die Speisekarte zu studieren.

»Ist das dein erstes Mal?«, fragte Scott und klang ziemlich anzüglich. Er deutete auf ihr Pint. London riss die Augen auf. Ertappt, dachte sie. Partys und auch Bier konnte sie einfach nichts abgewinnen.

»Trink. Trink. Trink!«, feuerte Scott sie an und schlug mit beiden Händen auf den Tisch. Die anderen fielen in seinen Schlachtruf ein, selbst Mr Smith. Nun sollte sie vor den Augen aller ihr erstes englisches Bier trinken?

»Runter mit dem Zeug«, sagte Scott über den Lärm hinweg und hielt ihr sein Glas zum Anstoßen hin.

»Ich hasse erste Male. Erste Male sind immer schrecklich«, murmelte sie vor sich hin, aber die Trink-Rufe wurden eindringlicher und lauter. »Trink, London, trink!«

Sie sah zu Bindhi hin, die drei Plätze von ihr entfernt saß, prostete ihr dankbar zu, eine half pint war nur ein 0,3-Liter-Glas und das musste doch zu schaffen sein. Ohne, dass einem davon schlecht wird, dachte London. Sie setzte vorsichtig zum Trinken an und Scott, der ihr gegenübersaß, drückte ihren Glasboden mit zwei Fingern nach oben. Sachte eigentlich, aber er kommentierte die ganze Angelegenheit mit den Worten: »Nur der erste Schluck ist eklig, danach geht’s eigentlich.« Und er klang wieder so anzüglich. Er sprach eindeutig nicht über Bier. London trank und musste lachen. Alles gleichzeitig, während Scott weiter ihr Glas anhob. Dann hatte sie das Bier in der Nase, musste würgen und spritzte … nein, spuckte das Gesöff über den Tisch. Miss Millie wich mit einem lauten »Huch!« nach hinten aus und brachte sich und ihre Handtasche außer Reichweite. Die Männer lachten lauthals heraus.

»Oh Gott«, prustete London. Der Lärm schwoll noch mehr an. Sie hatte ihr Bier auf dem Tisch verteilt, aber auch auf ihrer Hose und ihrer Bluse. Die Bedienung kam angerannt, erst besorgt, dann vorwurfsvoll wischte sie den Tisch sauber, trocknete sogar mit einem Geschirrtuch Londons Gesicht ab. Die junge Frau hielt ihr das Kinn hoch, London wagte nicht, sich aus dem Griff zu lösen.

»Jetzt sieh dir an, wie du aussiehst!«, schimpfte die Frau. Sie war ein bisschen grob zu London, gleichzeitig war es ein irrsinniger Spaß. Scott wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht. Bindhi bestellte derweil eine Weinschorle für London.

»Vielleicht bekommt dir das besser«, sagte sie und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

»Es tut mir so leid«, sagte London. Immer wieder. Mr Smith zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, tupfte mit spitzen Fingern Biertropfen von seiner Speisekarte und tat so, als wäre das alles völlig normal. Da musste London auch lachen. Losgelöst und erleichtert. Sie merkte plötzlich, wie angespannt sie gewesen war. Nicht nur heute, seit Monaten. Es tat gut, zu lachen. Ihr Bierglas war immer noch halb voll. London hob es an.

Bindhi rief: »Halt!« Alle sahen Bindhi belustigt zu, wie sie einen zusammengefalteten, faustgroßen Stoffballen aus ihrer Handtasche holte. Das Ding verwandelte sich, als Bindhi es auseinanderfaltete, in ein Regencape. Sie zog es sich über wie ein riesiges, gelbes Kondom.

»Ich will auch so ein Ding!«, rief Scott.

Miss Millie rückte mit ihrem Stuhl vom Tisch ab. Die Gruppe brüllte vor Lachen, während Bindhi ganz nüchtern sagte: »Jetzt kannst du!« Und London probierte einen kleinen Schluck.

»Hm«, sagte sie. »Beim zweiten Mal ist es gar nicht so schlecht.« Sie sah Scott an und versuchte, so anzüglich zu klingen wie er vorhin. Er verstand schon, trank sein Bier aus, knallte sein Glas lautstark auf den Tisch und verkündete: »Erster!«

»Oh, das ging ja schnell«, sagte Miss Millie trocken und wagte sich wieder an den Tisch heran. London und Scott sahen sich an und lachten, als hätten sie ein Geheimnis.

Es blieb laut und fröhlich und herzlich. Die Bedienung fragte jedes Mal, wenn sie an den Tisch kam: »Alles noch drin?«

Und Scott fragte: »Ist das dein erstes Mal?«, als sie Fish & Chips bestellte, gefolgt von lautem Johlen der Kollegen. London verdrehte die Augen und sagte: »Hahaha!« Alle hatten ihren Spaß. Das hätte ich mal in der Schule beim Mittagessen machen sollen, vielleicht hätte ich dann leichter Anschluss gefunden, überlegte sie, während sie von ihrer Weißweinschorle nippte.

© O’Connell Press

Infos zum Buch:

Autor:

C. M. Hafen, Autorin bei 1000Zeichen, get shorties Lesebühne und O´Connell Press: Drachenbrüder. Das Drachenvolk von Leotrim. *it´s the write thing to do.

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